Trambusse gegen Verkehrsinfarkt
FH-Verkehrsexperte forscht zum ÖPNV in Münster

Münster -

Bis zu 24 Meter lange Trambusse fahren auf den Hauptverkehrsstraßen und verbinden die City mit dem Umland. So stellt es sich der Verkehrsexperte Prof. Martin Lühder vor. Die riesigen Fahrzeuge im 15-Minuten-Takt brauchen aber separate Spuren. Sprich: Fahrspuren für den Autoverkehr fallen weg.

Donnerstag, 21.03.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 21.03.2019, 07:32 Uhr
Trambusse wie dieser fahren bereits in Belfast, Trondheim und Malmö.
Trambusse wie dieser fahren bereits in Belfast, Trondheim und Malmö. Foto: Vanhool

Wenn es um den Verkehr der Zukunft geht, dann gibt es aktuell zwei viel diskutierte Stichworte: ­E-Mobilität und Digitalisierung. Bezogen auf die Verkehrsprobleme in Großstädten hat Prof. Martin Lühder, Verkehrsexperte der Fachhochschule Münster, dazu eine ganz klare Meinung: „Sie werden den Verkehr verändern, sie werden aber die Probleme nicht lösen.“

Die vielen Staus in Münster sind ein quantitatives Problem: „Zu viele Menschen bewegen sich zeitgleich auf einer begrenzten Fläche“. Ein quantitatives Problem, so der Wissenschaftler, müsse man auch quantitativ lösen: „Wir brauchen größere Fahrzeuge im ÖPNV.“

Mischung aus Bahn und Bus: „Exquicity“

Da es in Münster keine Straßenbahn gebe, denkt Lühder an einen neuen Typ von Fahrzeugen, eine Mischung aus Bahn und Bus, in der Branche „Exquicity“ genannt. Das belgische Unternehmen Van Hool etwa baut solche bis zu 24 Meter lange Trambusse, mit denen man locker weit über 100 Fahrgäste transportieren kann. Derlei System hat das Unternehmen bereits für Trondheim in Norwegen oder Belfast in Nordirland gebaut.

Solche Fahrzeuge kann sich Prof. Lühder auf allen großen Ausfallstraßen und in enger Taktung vorstellen, um Innenstadt, Stadtrand und darüber hinaus das nähere Umland zu verbinden. Als da wären: Weseler Straße, Steinfurter Straße, Warendorfer Straße, Hammer Straße.

 „Hoher Komfort und schnelleres Vorankommen“

In der City selbst, so Lühders Vorstellung, gäbe es wenige große Haltestellen, von wo aus die Fahrgäste dann mit dem Fahrrad oder mit kleineren, digital gesteuerten Bussen weiterfahren.

Das alles klingt futuristisch und innovativ. Aber Lühder nennt auch gleich die Bedingung, damit so ein System mit bis zu vier Fahrten je Richtung und Stunde auch funktionieren kann: Die Trambusse müssten sich „durchgehend auf separaten Fahrspuren bewegen“ und natürlich auch an den Ampeln bevorzugt werden.

Das bedeutet im Detail: Überall dort, wo auf den großen Ausfallstraßen der Platz nicht reicht, müsste sich der Autoverkehr mit einer Spur je Richtung begnügen und auch sonst mit deutlichen Einschränkungen leben.

Komfort & schnelleres Vorankommen

Für die Attraktivität des neuen Angebotes, davon ist der Verkehrswissenschaftler überzeugt, sei ein „hoher Komfort und ein schnelleres Vorankommen im Vergleich zum Auto“ entscheidend.

Derzeit arbeitet die Fachhochschule an einem solchen Projekt. Hintergrund ist eine Initiative des NRW-Verkehrsministers Hendrik Wüst, das Münsterland „zum Musterland für eine neue Mobilität“ zu machen. Im Hinblick auf Münster erwartet Lühder eine heftige öffentliche Diskussion, sobald es an die Umsetzung geht, da die Auswirkungen auf den Autoverkehr weitreichend seien. „Dann muss sich die Politik entscheiden.“

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