Familie nimmt am städtischen Klimaprojekt teil
Die Radefelds gehen ins Detail

Münster -

Sie sollen ausprobieren, weitertragen und kritisieren. Die Radefelds nehmen am städtischen Klimaprojekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“ teil. Dabei warten durchaus Probleme auf die Familie.

Donnerstag, 21.03.2019, 10:00 Uhr
Sibylle Radefeld mit umweltschonendem Kupfertuch und Holz-Spülbürste mit auswechselbarem Kopf. Jürgen Radefeld zeigt selbst hergestellte Handseife sowie Strohhalme aus Glas und Edelstahl.
Sibylle Radefeld mit umweltschonendem Kupfertuch und Holz-Spülbürste mit auswechselbarem Kopf. Jürgen Radefeld zeigt selbst hergestellte Handseife sowie Strohhalme aus Glas und Edelstahl. Foto: Meyer

Seit rund zwei Monaten sind Sibylle und Jürgen Radefeld mit ihren Kindern Ludwig, Lotta, Leo und Leni mittendrin im städtischen Klimaprojekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“. Dort werden zwölf ausgewählte münsterische Haushalte mit, im Bezug aufs Klima, nachhaltigen Angeboten konfrontiert. Um einerseits anderen davon zu erzählen, andererseits aber auch den Unternehmen eine Rückmeldung zu geben, wo Stärken und Schwächen des jeweiligen Produkts im Alltag liegen.

Die Radefelds sind mittlerweile längst in verschiedenen Bereichen aktiv geworden. Bezüglich einer Photovoltaikanlage hat sich Vater Jürgen informiert, zudem soll die alte Kühltruhe ausgetauscht werden. Doch so einfach ist das nicht. Die Stromersparnis spricht zwar klar für eine Neuanschaffung, Sibylle Radefeld will dennoch erst bei der Umweltberatung klären, ob sich das hinsichtlich der Ökobilanz wirklich rechne. Schließlich müsse die neue Truhe ja produziert werden.

Weniger aufwendig war da schon das Herstellen eigener Handcreme aus Kokosöl, Kakaobutter und Bienenwachs bei einem Workshop des Unverpackt-Ladens auf der Hammer Straße – das Ziel ist klar, möglichst wenig Müll soll später anfallen. Rund zweieinhalb gelbe Säcke produzierte die Familie innerhalb von zwei Wochen. „Mittlerweile liegen wir vielleicht so bei zwei Säcken, aber ich finde, das ist immer noch sehr viel“, sagt Mutter Sibylle kritisch ob der Ersparnis von 20 Prozent.

Der Umweltteufel, das spüren die Radefelds längst, liegt im Detail. Mikroplastik etwa steht bei Mutter Sibylle ganz oben auf der roten Liste. Blöd nur, dass es fast überall drin ist. „Wir haben zuletzt unsere Spülschwämme entsorgt, denn bei jedem Spülvorgang löst sich Mikroplastik“, hat sie erfahren. Die Meinungen darüber gehen freilich auseinander. „Man gewöhnt sich dran“, findet Sibylle Radefeld. „Mir fehlen die Schwämme“, gibt Ehemann Jürgen mit einem Blick auf die neue Spülbürste aus Holz ehrlich zu. Doch damit nicht genug. Strohhalme aus Metall und Glas, den letzten beruflichen Flug per ökologischem Ablasshandel für elf Euro ausgeglichen, dazu erste Versuche mit ei­ nem kostenlosen Leih-Lastenrad (www.lastenrad-ms.de), das sich durch Spenden finanziert – das Bemühen der Radefelds ist groß. „Das Lastenrad fand ich sehr interessant“, will Jürgen Radefeld in Zukunft öfter auf diese Variante umsteigen.

Doch bei allem Engagement, die Radefelds stoßen auch an Grenzen. Mal hat der Metzger kein Biofleisch, dann kauft die Tochter bei H&M. Doch Vater Jürgen zeigt Verständnis für sein Kind: „Wir sind hier sechs verschiedene Leute. Und wir wollen nicht aus eigener Überzeugung zum Überzeuger werden und bekehren.“ Vermutlich wäre das auch wenig nachhaltig.

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