Neue Beschwerden gegen Jörg Berens
Münsters FDP – ein Unruheherd

Münster/Düsseldorf -

In den Reihen der münsterischen FDP will keine Ruhe einkehren. Hatten viele vor vier Wochen noch gehofft, die Wahl des neuen Kreisvorstandes würde die Querelen um erfundene Parteimitglieder beenden, erhebt jetzt ein Mitglied des alten Vorstands Vorwürfe gegen den Kreisvorsitzenden Jörg Berens. 

Freitag, 22.03.2019, 07:00 Uhr
Als vor vier Wochen der neue Kreisvorstand seine Arbeit antrat, hatten vermutliche viele FDP-Mitglieder auf ruhigeres Fahrwasser für ihre Partei gehofft.
Als vor vier Wochen der neue Kreisvorstand seine Arbeit antrat, hatten vermutliche viele FDP-Mitglieder auf ruhigeres Fahrwasser für ihre Partei gehofft. Foto: Pjer Biederstädt

Münsters FDP entwickelt sich immer mehr zum Unruheherd für die gesamte Landespartei. Nach Informationen unserer Zeitung muss sich das Landesschiedsgericht der NRW-FDP nun auch mit dem neuen Kreisvorstand befassen. Auslöser ist eine Beschwerde gegen den erst vor vier Wochen gewählten Kreisvorsitzenden Jörg Berens, dem der Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes Nord, Philipp Nelle, „grobe Pflichtverletzung“ und einen Imageschaden für die Partei in Münster vorwirft.

Nelle gehörte dem alten Kreisvorstand an, der nach den Erschütterungen durch die Aufnahme von rund 20 erfundenen Neumitgliedern auseinandergebrochen ist. Mit diesem Fall befasst sich das Landesschiedsgericht bereits seit September. Noch immer ist unklar, wer hinter den erfundenen Parteieintritten steckt. Deswegen hatte die frühere Vize-Vorsitzende Sandra Wübken Vorstand und Partei verlassen.

Streitpunkt Delegierten-Wahl für den Bundesparteitag

Man muss diese Ereignisse im Kopf haben, um die neuen Querelen einordnen zu können. Diese könnte man getrost als Sturm im Wasserglas abtun, wenn Münsters FDP nicht schon seit Monaten von einem Zerwürfnis ins nächste taumeln würde. In dem jetzt von Nelle angestrengten Schiedsverfahren gegen Berens und den neuen Vorstand geht es um die umstrittene Nominierung von Delegierten für den nächsten FDP-Bundesparteitag, die in Münster bisher vom Kreisparteitag vorgeschlagen und später beim Landesparteitag gewählt wurden.

Ein geordnetes Verfahren haben die Querelen in Münster verhindert, nachdem der frühere Kreisvorsitzende Manuel Lascasas – und mit ihm weitere Vorständler – aus Verärgerung das Handtuch geworfen hatten: Die Ratsfraktion hatte Berens als Nachfolger von Carola Möllemann-Appelhoff an die Spitze gehoben.

Landes-FDP tagt am 6. April

Dem neuen Kreisvorstand fehlte die Zeit für einen Parteitag: Am 6. April tagt die Landes-FDP. Darum beantragten die Ortsvorstände Nord und Südost (Vorsitz: Benedikt Graf von Merveldt), einen Kreishauptausschuss einzuberufen – ein Gremium zwischen Parteitagen, um dort die Delegierten zu benennen.

Später sprang der Ortsbezirk Altstadt unter Vorsitz von Lascasas bei. Am Dienstag schrieb Berens dann den Antragstellern, der Kreisvorstand habe Zweifel, dass die Voten für den Antrag satzungsgemäß zustande kamen: Südwest sei zurück gerudert, Altstadt habe kein Protokoll vorgelegt, in Nord sei die Basis zweifelhaft. Dennoch soll der Kreishauptausschuss am 1. April alle gewünschten Punkte abarbeiten.

Also alles geregelt? Mitnichten. Nelle und Mitstreiter haben trotzdem das Schiedsgericht angerufen: Sie werfen Berens vor, die Rechte der Ortsverbände missachtet zu haben, zudem hege er unbegründetes Misstrauen.

Ich nehme das ernst.

Jörg Berens

Der neue Kreisvorsitzende hat davon am Donnerstag erfahren und muss bis zum Wochenende Stellung beziehen. „Ich nehme das ernst“, sagt er auf Nachfrage und merkt kritisch an: „Diejenigen, die das Verfahren anstrengen, müssen sich fragen lassen, worum es eigentlich geht: um das Fortkommen der FDP oder ein An-den-Pranger-Stellen des neuen Vorstandes?“

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