Köhne ist Kult
Seit 70 Jahren geht‘s um die Wurst

Münster -

Der Bratwurststand Köhne ist Kult. Seit 70 Jahren steht der Imbisswagen auf dem Send in Münster. Prominente Gäste und witzige Anekdoten gehören dazu.

Samstag, 23.03.2019, 10:00 Uhr
Köhne ist seit Jahrzehnten auf den Kirmessen des Münsterlandes mit einem Imbisswagen vertreten. Die Bild stammt aus den frühen 1970er-Jahren.
Köhne ist seit Jahrzehnten auf den Kirmessen des Münsterlandes mit einem Imbisswagen vertreten. Dieses Bild stammt aus den frühen 1970er-Jahren. Foto: Matthias Ahlke

1949. Bundesrepublik und Nato werden gegründet. Das Grundgesetz tritt in Kraft, Konrad Adenauer wird Deutschlands erster Bundeskanzler. Und auf der Beschickerliste des münsterischen Sommersends, der damals noch auf dem Domplatz stattfindet, taucht erstmals der Name Köhne auf.

Seit 70 Jahren geht es bei Köhne um die Wurst: Jeder, der in Münster aufgewachsen ist, kann sich an Send-Besuche erinnern, die fast immer mit einer Bratwurst verbunden waren. Köhne ist eine Institution, auch auf den Kirmesplätzen des Münsterlandes. Und natürlich ab Samstag wieder beim Frühjahrssend auf dem Schlossplatz vertreten.

Firmengründer bleibt unvergessen

Unvergessen, wie der inzwischen verstorbene Firmengründer Willi Köhne hinter dem großen Holzkohlegrill stand – mit einer riesigen Grillzange in der Hand, die er selbst angefertigt hatte, und mit der er auf einen Schlag ganze Bratwurstreihen wenden konnte.

Sein Sohn, Klaus-Peter Köhne, der Anfang der 1970er-Jahre in das Geschäft eingestiegen war, beherrschte diese Wendekunst über den heißen Kohlen genauso gut. „Eine Bratwurst benötigt gute fünf Minuten. Die Liegezeit darf nicht zu lang sein“, sagt er. Nur auf die legendäre Mütze des Vaters verzichtete Köhne junior bei der Übernahme der Kommandobrücke. Willi Köhne hatte stets eine weiße Kapitänsmütze getragen, wenn er grillte. Ein Markenzeichen, genauso wie die früher weißen Häubchen auf den Köpfen der Mitarbeiterinnen, die Köhne bis zu 25 Jahre die Treue hielten.

Köhne: Seit 70 Jahren geht‘s um die Wurst

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  • Klaus-Peter Köhne (r.) und Stefan Lux haben eine gemeinsame GmbH gegründet, Lux ist inzwischen Geschäftsführer.

    Foto: Oliver Werner
  • Christa und Willi Köhne

    Foto: privat
  • Klaus-Peter und Gabi Köhne

    Foto: privat
  • Seit 70 Jahren geht es bei Köhne um die Wurst.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Köhne ist seit Jahrzehnten auf den Kirmessen des Münsterlandes mit einem Imbisswagen vertreten. Die Bild stammt aus den frühen 1970er-Jahren.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Seit 70 Jahren geht es bei Köhne um die Wurst.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Seit 70 Jahren geht es bei Köhne um die Wurst.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Willi Köhne (mit Mütze) bekommt auf dem Foto oben überraschend Besuch an seinem Grillstand auf dem Weihnachtsmarkt: Der damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (v.l.), der ehemalige Oberbürgermeister Jörg Twenhöven und der frühere Bundestagsabgeordnete Friedrich-Adolf Jahn gönnten sich eine Bratwurst.

    Foto: privat
  • Seit 70 Jahren geht es bei Köhne um die Wurst.

    Foto: Matthias Ahlke

Eine Sache, aber richtig!

Die Köhne-Bratwurst ist Kult. „Unsere Besonderheit ist die Grillwurst“, weiß Klaus-Peter Köhne. Der Lieferant des Markenzeichens ist seit Jahrzehnten der gleiche, eine Großmetzgerei aus Osnabrück. Die Philosophie, die hinter der 70-jährigen Erfolgsgeschichte Köhnes steckt, ist simpel. Eine Sache, aber richtig! Ihr Imbisswagen ist kein Gemischtwarenladen. Es gibt Bratwurst, Currywurst, Pommes und Schaschlik, dazu Toastbrot. Fertig. Das war‘s. Und vor allem: Das läuft.

Der Beginn der Köhneschen Erfolgsgeschichte ist eine Liebesgeschichte. Der gelernte Wagenbauer Willi Köhne lernte nach dem Krieg Christa Irrgarten kennen, die aus einer namhaften Schaustellerfamilie stammt. Deren Eltern handelten auf großen Volksfesten wie dem Hannoverschen Schützenfest oder dem Berliner Weihnachtsmarkt mit Galanterie- und Lederwaren. Im Jahr 1949 machten sich die beiden jungen Leute selbstständig – zunächst noch mit einer von den Eltern geliehenen Bude, in der sie auf dem Send auf eigene Kappe Rostbratwürstchen verkauften.

Herrliche Anekdoten 

Herrliche Anekdoten gibt es aus den Anfangsjahren zu berichten. In den 1950er-Jahren war es durchaus noch ein wenig verpönt, Bratwurst unter freiem Himmel und dann noch mit den Fingern zu essen. So kamen die Kunden in Coesfeld zum Beispiel erst abends im Schutz der Dunkelheit zum Stand, legten schnell ihr Geld auf die Theke und verschwanden dann mit den erstandenen Bratwürsten um die nächste Ecke, um sie dort still und heimlich zu verdrücken.

Frühjahrssend ab Samstag auf dem Schlossplatz

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  • Foto: Oliver Werner
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1950 baute Willi Köhne seine erste eigene Bude, das „Bratwurst-Glöckle“. Im selben Jahr siedelte der Betrieb von Osnabrück nach Münster über. Wenige Jahre später erwarb Köhne die erste eigene Hanomag-Zugmaschine, 1959 den ersten Pkw.

Ab den 1960er-Jahren erlebte die Branche einen Boom. „Wir sind auf dem Send zu einer Anlaufstelle geworden. Die Leute sagen: ‚Komm‘ wir treffen uns bei Köhne‘“, sagt Klaus-Peter Köhne. Immer wieder brachten Köhnes die Verkaufswagen auf den neuesten Stand und ersetzten sie durch Neubauten in dem typischen Design. Heute besteht der Fuhrpark aus vier Imbisswagen.

Bratwürste auf dem Weihnachtsmarkt

1976 übernahm der damalige Juniorchef Klaus-Peter Köhne, unterstützt von seiner Ehefrau Gabi, die ersten Betriebsanteile. „Ich habe meinen Einstieg nie bereut“, sagt er. Die Eltern, Willi und Christa Köhne, reisten noch bis Mitte der 1980er-Jahren zu den Kirmessen im Münsterland mit, später kümmerten sie sich um ihren Enkelsohn Sebastian in Münster.

1968 gab es Köhne-Bratwürste zum ersten Mal auf einem Weihnachtsmarkt, in Paderborn. Von Beginn an, seit 1970, werden sie auch auf dem münsterischen Weihnachtsmarkt angeboten, wo sich schon mal der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm eine Bratwurst bei Willi Köhne gönnte. „Im Rathaus-Innenhof hab ich – zusammengerechnet – ein paar Jährchen verbracht. Für mich ist der Weihnachtsmarkt die schönste Veranstaltung gewesen, auch wenn es lange Tage waren“, sagt Klaus-Peter Köhne. Bleibt die große Frage, wie viele Bratwürstchen er in seinem Leben wohl gegrillt hat? Eine Ahnung, wie hoch diese gigantische Zahl sein könnte, hat Köhne durchaus. Nur er sagt es nicht.

Lux ist eingestiegen

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Klaus-Peter Köhne (69) steht kaum noch hinter dem Holzkohlegrill. Im Sommer 2017 hat er gemeinsam mit dem erfahrenen Imbissbudenbetreiber Stefan Lux aus Lengerich eine GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Lux inzwischen ist. Der gelernte Krankenpfleger hatte in den 1990er-Jahren lange einen anderen Imbissbetrieb geleitet und ist seit dem Jahr 1999 selbstständig mit seinem eigenen Grillbetrieb. Seine drei Wagen betreibt Lux parallel weiter, zuletzt war er damit über Karneval auf dem Prinzipalmarkt vertreten, während der Köhne-Wagen traditionell vor Karstadt an der Salzstraße stand. Das Jubiläum feiern Köhne und Lux mit einem Aktionstag am Dienstag auf dem Frühjahrssend. „Wir sind den vielen Stammkunden dankbar, dass sie uns so lange die Treue halten“, sagt Klaus-Peter Köhne

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