Theater Szenenwechsel in der Studiobühne
Im Räderwerk der Bürokratie

Münster -

„Ra ko hutu d dekotu ely trebomu emusohe“ – so fängt das Schreiben an, das Verwaltungsdirektorin Regina Gross eines Morgens auf den Schreibtisch flattert. Es handelt sich um eine wichtige Dienstanweisung zur Einführung einer neuen Amtssprache namens Ptydepe. Dumm ist nur, dass die Dienstanweisung in genau dieser Sprache verfasst ist und kein Mensch sie versteht. Am allerwenigsten die Direktorin.

Sonntag, 24.03.2019, 17:56 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 19:54 Uhr
Die Direktorin (Nina Brinkoch) spricht mit ihren Mitarbeitern (Ulrich Sprenger, l., und Holger Kleine-Tebbe) über die neue Amtssprache.  Die Direktorin (Nina Brinkoch) spricht mit ihren Mitarbeitern (Holger Kleine-Tebbe, M., und Ulrich Sprenger) über „Ptydepe“.
Die Direktorin (Nina Brinkoch) spricht mit ihren Mitarbeitern (Ulrich Sprenger, l., und Holger Kleine-Tebbe) über die neue Amtssprache.  Die Direktorin (Nina Brinkoch) spricht mit ihren Mitarbeitern (Holger Kleine-Tebbe, M., und Ulrich Sprenger) über „Ptydepe“. Foto: jas

Mit dieser kafkaesken Situation beginnt Václav Havels Satire „Die Benachrichtigung“. Sie wurde 1965 uraufgeführt und machte den Autor und nachmaligen Präsidenten der Tschechischen Republik über sein Heimatland hinaus bekannt. Am Wochenende war das Stück in einer Aufführung des Theaters Szenenwechsel in der Studiobühne zu sehen.

Für seine Inszenierung hat Regisseur Frank Terhürne eine sachliche, in schwarz und weiß gehaltene Amtsstube auf die Bühne gebaut. Alles wirkt klar und nüchtern und bildet damit einen wirksamen Kontrast zu dem, was hier verhandelt wird. Es geht um Intrigen und um logische Zirkelschlüsse, die erst die Direktorin ihren Posten kosten und schließlich die komplette Arbeit der Behörde ad absurdum führen.

Das zehnköpfige Ensem-ble, zum Teil aus einem Kurs des Theaterpädagogischen Zentrums entstanden, legt eine überraschende Professionalität an den Tag. Allen voran Nina Brinkoch als Direktorin. Mit einer Schicksalsergebenheit, die fast schon lässig wirkt, lässt sie sich durch das Räderwerk der Bürokratie drehen. Als smarter Intrigant glänzt ihr Gegenspieler Holger Kleine-Tebbe, während Ulrich Sprenger mit knöcherner Korrektheit den subalternen Beamten gibt, der es in Wirklichkeit faustdick hinter den Ohren hat.

Der eigentliche Star der Inszenierung ist aber die Kunstsprache Ptydepe, die sich zwar als weitgehend unverständlich erweist, in dieser Unverständlichkeit aber extrem eindeutig und präzise sein soll. So erklärt es jedenfalls Silke Angermann, die als engagierte Lehrerin für Komik sorgt, während sie von Malte Schael als ihrem Musterschüler förmlich angehimmelt wird. Ebenfalls beeindruckend: Raimund Elfering und David Rehmann als Übersetzer, Lasse Lohmann als Hausmeister sowie Swantje Kuhlmann und Theresa Potente als diverse Assistentinnen.

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Die angekündigten Vorstellungen am 12. und 13. April entfallen

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