Projekt des Kinderschutzbundes zu gewaltfreier Erziehung
Wenn Eltern der Geduldsfaden reißt

Münster -

Vor 30 Jahren haben die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention verabschiedet. Dies nahm der Kinderschutzbund Münster jetzt zum Anlass, Grundschulkinder über ihr Recht auf gewaltfreie Erziehung aufzuklären. Die Schüler haben dabei von ihren Erfahrungen erzählt.

Dienstag, 26.03.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 20:13 Uhr
Laut Kriminalstatistik der Polizei werden immer noch jedes Jahr Tausende Straftaten gegen Kinder registriert
Laut Kriminalstatistik der Polizei werden immer noch jedes Jahr Tausende Straftaten gegen Kinder registriert Foto: dpa

„Manchmal brüllt mein Vater mich an. Das fühlt sich nicht gut an“, erzählt ein Mädchen in kleiner Runde. Andere Kinder offenbaren, dass es zu Hause oder in ihrem Umfeld auch schon zu körperlicher Gewalt gekommen sei.

Anne Ostendorf und Ewa Bäumer von der Beratungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes Münster sind am Dienstagmorgen an fie Martinischule gekommen, um Kinder über ihr Recht auf gewaltfreie Erziehung aufzuklären – und um bei denen nachzufragen, die Gewalt in der Erziehung unmittelbar betrifft.

 

Jährlich Tausende Straftaten gegen Kinder

Vor 30 Jahren haben die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention verabschiedet. Vor fast 20 Jahren hat der Deutsche Bundestag das Recht auf gewaltfreie Erziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Doch laut Kriminalstatistik der Polizei werden immer noch jedes Jahr Tausende Straftaten gegen Kinder registriert. Gründe genug für den Kinderschutzbund Münster, ein Projekt zu gewaltfreier Erziehung in den Klassenraum zu bringen.

Zunächst sensibilisieren Ostendorf und Bäumer die Viertklässler am Dienstagmorgen dafür, dass der Begriff Gewalt viel mehr umspannt, als Schläge und Tritte. „Es gibt zum Beispiel auch emotionale Gewalt“, erklären die Pädagoginnen anhand der Figur des Michel aus Lönneberga. Der wird in Astrid Lindgrens Erzählung zur Strafe für seine Streiche in einen Schuppen gesperrt. Danach sollen die Kinder aus kleinen Geschichten – mal wird beleidigt, mal gehauen – herausfinden, welche Form von Gewalt gegen Kinder in welcher Geschichte steckt. Daraus entwickelt sich nach und nach ein Gespräch. Die Kinder erzählen, wie es zu Hause, bei den Großeltern oder beim Sporttraining läuft. Zumeist berichten sie von gelegentlichem Anmeckern.

Risikofaktor Stress

Dazu käme es häufig, weil Eltern oder andere Menschen aus dem Umfeld der Kinder gestresst und überlastet seien und ihnen dann der Geduldsfaden reiße, erklärt Bäumer. Seelische Verletzungen, die damit einhergehen könnten, seien nicht zu unterschätzen.
Ostendorf und Bäumer hören zu, bieten den Kindern Lösungswege an, signalisieren Gesprächsbereitschaft und bleiben über die Schulsozialarbeiterin in Verbindung zu ihnen.

Am Ende des Projekts, bei dem insgesamt über 100 Kinder teilnehmen, werden die Ergebnisse ab dem 3. April bis zum „Tag der gewaltfreien Erziehung“ (30. April) in einer Ausstellung in der Kinderabteilung der Stadtbücherei am Alten Steinweg präsentiert. Dort sollen Kinder und Erwachsene mit Hilfe von Texten, Bildern und O-Tönen der Schüler daran erinnert werden, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben.

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