"Fahrradhauptstadt trifft Bundeshauptstadt"
Bessere Infrastruktur - aber die gleichen Fehler

Münster -

Zwei Berliner Fahrradpolizisten sind diese Woche zu Besuch bei ihren münsterischen Kollegen, um den Verkehr der Fahrradhauptstadt kennenzulernen. Für drei Tage fahren sie gemeinsam Streife, greifen ein und geben einander Tipps. Neid auf das gut ausgebaute Fahrradnetz, besonnenere Radfahrer, aber am Ende des Tages die gleichen Vergehen - das waren nur einige der Erfahrungen, die die Berliner in Münster sammelten.

Mittwoch, 27.03.2019, 17:37 Uhr
"Fahrradhauptstadt trifft Bundeshauptstadt" : Bessere Infrastruktur - aber die gleichen Fehler
Oberkommissar Ronny Theil (l.) aus Berlin mit zwei Münsteraner Kolleginnen. Foto: Cengiz Sentürk

Ein normaler Werktag am Aegidiitor Ecke Weseler Straße: Es ist viel los am Nachmittag. Im Rahmen des Projekts „Fahrradhauptstadt trifft Bundeshauptstadt“ sind zwei Fahrradpolizisten aus Berlin zu Besuch in Münster. Gemeinsam mit ihren münsterischen Kollegen fahren sie für drei Tage Streife, besonders an Münsters verkehrstechnischen "Brennpunkten" - wie die Weseler Straße. Ziel des Projekts ist der Austausch zwischen den Beamten, das Bilden von länderübergreifenden Netzwerken und schließlich eine Erhöhung der Verkehrssicherheit - in beiden Städten. 

Fehler werden überall gemacht

Die Vergehen der Fahrradfahrer seien allerdings in beiden Städten ähnlich, sind sich die Berliner Oberkommissare Ronny Theil und Sascha Reichenberger einig. Mit Handy auf dem Rad, auf der falschen Straßenseite oder auf dem Gehweg fahren, bei Rot über die Ampel passieren - das Verhalten der münsterischen Radfahrer bei diesen Vergehen sei nicht wirklich besser als das der Berliner. Auch im Umgang mit der Polizei gebe es keine Unterschiede: Freuen tut sich natürlich niemand, wenn er von der Polizei angehalten wird. Aber in der Regel herrscht ein höflicher Umgangston, so Theil. 

An diesem Tag ziehen die Fahrradpolizisten gemeinsam mit ihren münsterischen Kollegen einige Falschfahrer aus dem Verkehr. Alexander, ein junger Student, muss 60 Euro plus Verwaltungsgebühren zahlen - er war über rot gefahren. Obwohl er sich sicher ist, dass die Ampel noch gelb gezeigt hätte, protestiert er nicht weiter. Mit der Strafe ist er sogar noch "gut" davon gekommen - hätte die Polizei die Zeit gestoppt und wäre die Ampel schon länger als eine Sekunde rot gewesen, wäre es noch teurer geworden. 

Beneidenswerte Infrastruktur

Ronny Theil betont, dass eine Radfahr-Infrastruktur wie in Münster auch in Berlin wünschenswert wäre. Die Anzahl und Breite der Fahrradwege hier sei mit der in Berlin nicht zu vergleichen. Radfahren sei dadurch in Münster deutlich einfacher - unter anderem auch, weil die Autofahrer angepasster fahren würden. In Berlin seien viele Verkehrsteilnehmer etwas rabiater, schneller und zielstrebiger unterwegs.

Auch sein Kollege Reichenberger lobt das entspanntere und rücksichtsvollere Verhalten der Verkehrsteilnehmer. "Das Fahrradnetzwerk ist besser ausgebaut und die Autos halten mehr Sicherheitsabstand, außerdem gibt es mehr Stellplätze", sagt er. 

863 verunglückte Radfahrer im letzten Jahr

Auch der münsterische Polizeirat André Niewöhner ist an diesem Nachmittag anwesend. Er erzählt, dass es im vergangenen Jahr 863 verunglückte Fahrradfahrer in Münster gegeben habe. Ein Viertel aller Fahrradunfälle ereigne sich an den Ein- und Ausfallstraßen; darunter neben der Weseler Straße auch die Wolbecker Straße, Warendorfer Straße , Hammer Straße und Steinfurter Straße. Aber auch die Promenade zähle überraschenderweise zu den gefährlichsten Straßen für Radfahrer.

Obwohl Münster flächendeckend mit Fahrradpolizisten ausgestattet ist, während in Berlin nur die Innenstadt durch Kollegen auf dem Rad abgesichert wird, passiert noch zu viel. Um dem entgegenzuwirken, werde an einigen Stellen das sogenannte Separierungskonzept eingeführt - wie zum Beispiel am Coesfelder Kreuz, erzählt Niewöhner.

Zwei unterschiedliche Ampelschaltungen sorgen dann dafür, dass Autos und Radfahrer nicht gleichzeitig abbiegen. Der Berliner Oberkommissar Theil wendet ein, dass eine solche Maßnahme in Berlin nicht umzusetzen sei, weil es den Verkehr extrem verlangsamen würde.

Im Sommer geht es nach Berlin 

Die Berliner Polizisten nehmen einige neue Eindrücke aus der Fahrradhauptstadt mit. Ob und wie diese umzusetzen sind, ist eine andere Frage: Als Polizist Einfluss auf die Verkehrsanlagen zu nehmen, sei enorm schwer, so Theil.

"Bis es in Berlin so wie hier ist, wird es noch lange dauern", resümiert auch Reichenberger. Von der Lage in der Bundeshauptstadt werden sich im Sommer einige münsterische Fahrradpolizisten ein Bild machen können - da geht der Austausch in die Rückrunde. 

An diesen Kreuzungen bekommt die Promenade Vorfahrt

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  • Ab 2019 sollen Radfahrer, die auf der Promenade fahren, an diesen vier Kreuzungen Vorfahrt haben:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Salzstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Hörstertor – hier regelt derzeit eine Ampel den Verkehr

    Foto: Matthias Ahlke
  • Kanalstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Kreuztor

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die sechs weiteren Kreuzungsbereiche sollen später folgen. Dort könnten Unterführungen - wie an der Mauritzstraße - oder Brücken gebaut werden.

    Foto: Matthias Ahlke
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