Interview mit Kabarettist Philipp Weber
„Ich bin kein Wirkungstrinker“

Münster -

Wer Früchte mag, soll lieber ein Kiwi-Mango-Shampoo trinken als Fruchtsaft. Kabarettist Philipp Weber kommt als Verbraucherschützer daher, bohrt aber viel tiefer. Im Interview verrät er, worauf das Publikum in Münster bei seinem Auftritt gefasst sein muss.

Montag, 01.04.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 16:11 Uhr
Wer bringt Klarheit in die trüben Gewässer der deutschen Trinkkultur? Philipp Weber. Der studierte Chemiker und Biologe ist Deutschlands radikalster Verbraucherschützer und hat sich mit Leib und Leber Ihrem Wohl verschrieben.
Wer bringt Klarheit in die trüben Gewässer der deutschen Trinkkultur? Philipp Weber. Der studierte Chemiker und Biologe ist Deutschlands radikalster Verbraucherschützer und hat sich mit Leib und Leber Ihrem Wohl verschrieben. Foto: Inka Meyer

Philipp Weber kommt am 13. April (Samstag) um 20 Uhr mit seinem Programm „Durst - Warten auf Merlot“ ins Kreativ-Haus. Der vielfach ausgezeichnete Autor widmet sich nach seinem Programm rund ums Essen nun den flüssigen Gaumenfreuden und liefert damit erneut einen Beitrag zur komischen Volksaufklärung. Redakteur Pjer Biederstädt sprach mit dem Kabarettisten über die Vernunft beim Trinken, die Trinkkultur dieses Landes und die ernste Ebene hinter seiner Komik.

Sie sind studierter Chemiker und Biologe, haben etwas Ordentliches gelernt. Warum machen Sie Kabarett?

Philipp Weber: Weil es einfach mehr Spaß macht. Mich hat es schon während des Studiums auf die Bühne gezogen. Als ich 2013 Examen gemacht habe, hatte ich schon 20 Auftritte im Jahr. Die Entscheidung fiel leicht, denn es ist schön, sein Geld mit der Kunst verdienen zu können.

Ihr Programm heißt „Durst - Warten auf Merlot“. Zu welcher Kategorie Trinker gehören Sie?

Weber: Wenn wir von Alkohol reden, dann gehöre ich zu den vernünftigen Trinkern. Mir geht es dabei um den Genuss. Goethe hat mal gesagt: Wenn jeden Tag ein Regenbogen am Himmel ist, dann schaut man irgendwann nicht mehr hin. Allerdings muss man im Leben auch hin und wieder unvernünftig sein, sonst fehlt ja die Würze.

Sie kommen aus dem Odenwald. Bei Ihnen trinkt man Wein. Wenn Sie nach Münster kommen, müssten Sie es vielleicht mit Korn versuchen.

Weber: Wenn er gut ist… Aber eigentlich ist mir das Trinken von Schnaps zu zielgerichtet. Ich bin kein Wirkungstrinker. Es geht mir eher um Geselligkeit. Aber im Münsterland gibt es gutes Bier. Mein Credo: Saisonal und regional. In Bitburg trinke ich Bitburger, in Warstein Warsteiner, und in Oettingen sollen die ihr Bier selber trinken.

Warum haben Sie den Programmtitel in Analogie zum Beckett’schen „Warten auf Godot“ gewählt?

Weber: Dort dreht sich alles um die Frage von Sinnlosigkeit. Mit meiner Komik, deren Vehikel in diesem Programm die Trinkgewohnheiten sind, möchte ich auf die Sinnlosigkeit mancher Gegebenheiten aufmerksam machen. Nicht als Predigt, sondern mit Komik. Und das Wort Durst im Titel meint auch nicht nur den Durst, den man durch das Trinken löschen kann.

Sondern?

Weber: Durst nach Erdöl, Durst nach Konsum. Über die Verbraucherthemen, mit denen jeder sofort etwas anfangen kann, kann ich auf ernste Themen wie Sucht oder Produktionsbedingungen überleiten. Der Zugang zu den Themen muss jedoch geerdet sein, denn die Leute sollen ja auch in den zwei Stunden des Auftritts ihre Sorgen vergessen und sich amüsieren.

Mögen Sie eigentlich Loriot?

Weber: Ja, sehr. Er ist im Olymp unserer Zunft.

Ich frage, weil er, wie sie auch, gerne mittels Ess- und Trinkgewohnheiten ein Kulturporträt des Landes gezeichnet hat. Was ist diesbezüglich typisch deutsch?

Weber: Schwer zu sagen. Mittlerweile sind die Eigenarten ja global. In Fruchtsäften ist kaum mehr Frucht. Da kann man besser ein Mango-Kiwi-Shampoo trinken. Wir geben zu wenig Geld für gute Lebensmittel aus. Das ist hierzulande die Pest: Quantität geht vor Qualität. Dabei sind wir total gesegnet. Wir machen den besten Riesling der Welt, unsere Bierkultur ist einzigartig. Indem wir Billig-Plörre vom Discounter kaufen, untergraben wir die Vielschichtigkeit dieses Landes.

In Ihrem Programm geht es auch um zu viel Durst – oder besser gesagt: Sucht. Warum?

Weber: Der Alkoholmissbrauch ist hoch. Es ist das Schmiermittel unserer Leistungsgesellschaft. Genau wie Medikamente. Die Leute dopen sich für den Job. Darauf muss man doch aufmerksam machen! Ursache für Alkoholmissbrauch ist nicht der Durst des Körpers, sondern der Durst der Seele. Da hilft drei Stunden kräftiges Lachen weiter als jeder Korn.

Zum Thema

Philipp Weber mit seinem Programm „Durst – Warten auf Merlot“, 13. April (Samstag), 20 Uhr, Kreativ-Haus, Diepenbrockstraße 28, VVK 17 € (erm. 12 €), AK 20 € (erm. 15 €).

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