Festival steht unter dem Motto „Vorsicht, zerbrechlich!“
Macht, Missbrauch und zarte Seelen

Münster -

Das Theatertreffen NRW geht 2019 zum dritten Mal in Münster über die Bühne. Zehn spannende Inszenierungen stehen auf dem Programm. Das Leitthema „Vorsicht, zerbrechlich!“ verheißt Stücke mit gesellschaftspolitischem Hintergrund.

Montag, 01.04.2019, 18:18 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 18:44 Uhr
Festivalmanagerin Kristina Wydra (v. l.) mit den künstlerischen Leitern des Theaters Münster, Intendant Dr. Ulrich Peters und Schauspieldirektor Frank Behnke, sowie Jurymitglied Sascha Westphal und den Dramaturgen Michael Letmathe und Barbara Bily.
Festivalmanagerin Kristina Wydra (v. l.) mit den künstlerischen Leitern des Theaters Münster, Intendant Dr. Ulrich Peters und Schauspieldirektor Frank Behnke, sowie Jurymitglied Sascha Westphal und den Dramaturgen Michael Letmathe und Barbara Bily. Foto: Markus Lehmann

„Man trinkt einen Tee, zieht seine Schuhe aus und lässt sich im Kleinen Haus auf Teppichen nieder“, beschreibt Festivalmanagerin Kristina Wydra das Szenario der Aufführung „Schuld und Sühne“. Und dann geht es „in rasantem Tempo“ durch Dostojewskis Roman: Die Aufführung in Münsters Kleinem Haus dauert dreieinhalb Stunden.

Schon möglich, dass die Inszenierung des Theaters Oberhausen, die „theatrale Filminstallation“ heißt, der spektakulärste Abend des NRW-Theatertreffens sein wird. Auf jeden Fall der längste. Die Zuschauer sind dabei in den Kopf des Protagonisten Raskolnikow eingeladen, dessen Darsteller der einzig anwesende Schauspieler ist – alle anderen agieren auf Leinwänden.

„Wir sind stolz darauf, das Festival zum dritten Mal in Münster auszurichten“, sagte Intendant Ulrich Peters gestern bei der Präsentation des Programms, „und dazu beitragen zu dürfen, dass es weiter besteht.“ Denn die Leistungsschau der nordrhein-westfälischen Theater fiel auch schon mal aus, weil der Löwenanteil der Finanzierung zwar vom Land kommt, ein Batzen von 40 000 Euro aber vom einladenden Theater aufgebracht werden muss, das zudem die Planung und Vorbereitung sowie das bisweilen üppige Rahmenprogramm organisiert. Über dieses Programm, verspricht Schauspieldirektor Frank Behnke, wird bald ein Leporello detailliert Auskunft geben. Karten sind schon jetzt zu bekommen.

Zehn Inszenierungen

 30. Mai: Schauspiel Dortmund: Der Theatermacher. Komödie von Thomas Bernhard (19.30 Uhr, Großes Haus) 31. Mai: Theater Bielefeld: Im Herzen der Gewalt nach Éduoard Louis (19.30 Uhr, Kleines Haus) 1. Juni: Theater an der Ruhr, Mülheim: König Ubu # Am Königsweg von Alfred Jarry und Elfriede Jelinek (18 Uhr, Pumpenhaus) 2. Juni: Burghofbühne Dinslaken: Extrem laut und unglaublich nah nach Jonathan Safran ­Foer (19.30 Uhr, Kleines Haus) 3. Juni Theater Oberhausen: Schuld und Sühne nach Fjodor Dostojewski (19.30 Uhr, Kleines Haus) 4. Juni: Düsseldorfer Schauspielhaus: Der zerbrochne Krug. Lustspiel von Heinrich von Kleist (19.30 Uhr, Großes Haus) 5. Juni: Schauspiel Wuppertal: Bilder von uns von Thomas Melle (19.30 Uhr, Kleines Haus) 6. Juni: Schlosstheater Moers: Zur schönen Aussicht von Ödön von Horváth (19.30 Uhr, Kleines Haus) 7. Juni: Schauspielhaus Bochum: Unterwerfung nach Michel Houellebecq (19.30 Uhr, Großes Haus) 8. Juni: Theater Krefeld und Mönchengladbach: Die Hamletmaschine von Heiner Müller (15 Uhr, Pumpenhaus)Die Preisverleihung findet um 22 Uhr im Kleinen Haus statt.

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Das Motto „Vorsicht, zerbrechlich!“ wurde allen Theatern des Landes offeriert, sie mussten es aber bei ihren Vorschlägen für das Treffen nicht sklavisch befolgen. Manche Stücke, so die Mitglieder der Auswahljury, zielen weniger auf die Zerbrechlichkeit der Demokratie als auf die des menschlichen Miteinanders in Fällen von Macht und Missbrauch, wovon die Inszenierungen „Der zerbrochne Krug“ oder „Bilder von uns“ künden. Und neben zerbrechlichen Seelen findet sich im Programm sogar die Zerbrechlichkeit des männlichen Egos – denn damit, so der Theaterkritiker Sascha Westphal, spiele die Inszenierung von Houellebecqs „Unterwerfung“ des Bochumer Schauspielhauses.

Das Motto des Festivals, aber auch das Herz, das die Plakate ziert, zeige sich in allen zehn Inszenierungen, schwärmt Frank Behnke von der Auswahl, zu der die Theater selbst, aber auch die Auswahljury Vorschläge machen konnten. Am Ende der zehn Theatertage wird eine Festivaljury das Preisgeld von 5000 Euro für die besten Aufführungen und die besten Schauspieler verteilen – aber auch das Publikum ist eingeladen, an jedem Abend abzustimmen und so einen Preis der „besten Inszenierung“ zu ermitteln. Großes und Kleines Haus sowie das Theater im Pumpenhaus sind die Aufführungsstätten – und da es für ein paar Abende wie „Schuld und Sühne“ nur begrenzte Plätze gibt, könnte es ratsam sein, sich schon Eintrittskarten zu sichern. 

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