LWL-Zentralmagazin in Münster eröffnet
Riesiges Museumsdepot bietet Lagerplatz für Millionen Objekte

Münster -

Von der ausgestopften Giraffe bis zum Ölgemälde: Westfalens Kulturschätze sollen künftig zentral im Nordosten Münsters auf 10.000 Quadratmeter Fläche lagern. In etwa zweijähriger Bauzeit wurde das Zentralmagazin in der Coerder Speicherstadt errichtet. Jetzt wurde es eröffnet.

Dienstag, 02.04.2019, 15:40 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 16:45 Uhr
LWL-Zentralmagazin in Münster eröffnet: Riesiges Museumsdepot bietet Lagerplatz für Millionen Objekte
An den Speichern 15 in Münster-Coerde: Das neue Zentralmagazin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe ist ein nüchterner Funktionsbau. Er bietet auf 10.000 Quadratmetern Platz für die Museumsschätze Westfalens. Foto: Wilfried Gerharz

Als kleinstes naturkundliches Exponat kommt eine winzige Brunnenschnecke aus der Ruhr zu Ehren – den Größenrekord hält mit 4,70 Metern eine ausgestopfte Giraffe. Ein Stockwerk tiefer lagern Sandsteinfragmente aus der Sammlung des Westfälischen Landesmuseums in Münster auf „Schwerlastregalen“. Im Gemäldemagazin mit den hohen Hängegittern herrscht noch gähnende Leere. Hier muss das Klima langsam einreguliert werden. Doch das gibt sich.

Westfalens Kulturschätze sollen künftig zentral im Nordosten Münsters lagern. In etwa zweijähriger Bauzeit hat die LWL-Tochtergesellschaft WLV (Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft) das neue Zentralmagazin in der Coerder Speicherstadt errichtet. Der 14 Millionen Euro teure Funktionsbau aus Beton, Stein und Metall weist eine Grundfläche von 60 mal 60 Metern auf und bietet 10.000 Quadratmeter Lagerfläche für alles, was Museen lieb und teuer ist. Am Dienstag wurde er eröffnet.

„Ein guter Tag für das kulturelle Erbe Westfalens“, sagt Landesdirektor Matthias Löb. Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger pflichtet ihm bei. „Das ist beispielgebend“, sagt sie mit Blick auf andere Regionen Deutschlands, die neidisch auf den funktionalen Magazin-Bau mit seinen vielfältigen Möglichkeiten schielen.

Spinnen, Echsen und Schlangen

Mitarbeiter des Naturkundemuseums brachten zum Eröffnungstag pressewirksam einen sitzenden Eisbären und einen ergrauten Polarwolf an die Eingangsschleuse. Mit dem Lastenaufzug ging’s in die erste Etage – und siehe da: Ein präparierter Zoo aus heimischen und exotischen Tieren bot sich den Pressevertretern im Großraummagazin des Naturkundemuseums – vom mächtigen Bison bis zum heimischen Piepvogel. „Über 2,3 Millionen Objekte befinden sich in der Sammlung des Naturkundemuseums in Münster“, so beziffert Museumsleiter Dr. Jan-Ole Kriegs den Bestand. „Gezeigt wird davon höchstens ein Promille.“ Einen Raum weiter lagert alles das in Gläsern und Behältern, was Forscher in Alkohol eingelegt oder aufgespießt haben. Von der 120.000 Arten umfassenden Spinnensammlung bis zu glibberigen Echsen und Schlangen.

Findet im ersten Geschoss die Natur oder das, was von ihr übrig geblieben ist, ausreichend Platz, so zieht im Erdgeschoss das Landesmuseum ein. Grabplatten, Heiligenfiguren und in Teilen undefinierbares Sandgestein sind da aufgereiht.

Ein kulturelles Ausrufezeichen

Das LWL-Zentralmagazin soll aber künftig nicht nur für die 18 Landesmuseen Westfalens der praktische, technisch einwandfreie und sichere (Kameras, Sicherheitsschleusen, Wachpersonal) Aufbewahrungsort sein. Alle kommunalen Museen Westfalens sind eingeladen, das, was vielleicht sonst auf geheimen Bauernhöfen oder in feuchten Kellern lagert oder gar zu verrotten droht, dem Zentralmagazin anzuvertrauen. „Der Quadratmeterpreis liegt zwischen 5,10 und 7,90 Euro“, erläutert Landesdirektor Löb. 4000 Quadratmeter sind noch zu haben, die Gespräche laufen. Und wenn das mittelfristig nicht reiche, könne man in der Coerder Speicherstadt direkt nebenan auch noch ein weiteres Magazin bauen.

WLV-Aufsichtsratsvorsitzender Holm Sternbacher aus Bielefeld hält einen Einzugsradius von rund 70 Kilometern für solche Lagerstätten für sinnvoll. In Westfalen könnten auf diese Art und Weise noch bis zu vier weitere Großgebäude entstehen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es entstehen Synergieeffekte und Einsparpotenziale. Nicht zuletzt ist an zentraler Stelle für eine sachgemäße und sichere Lagerung wertvollen Museumsguts gesorgt.

Zahlen und Fakten zum neuen LWL-Zentralmagazin

Das neue LWL-Zentralmagazin in der Speicherstadt Münster-Coerde wurde in zweijähriger Bauzeit für rund 14 Millionen Euro errichtet. Es bietet auf 60 mal 60 Metern Grundfläche und auf drei Etagen insgesamt rund 10 000 Quadratmeter Lagerfläche.Mieter sind zunächst die 18 Landesmuseen des Landschaftsverbandes, weitere Museen in kommunaler Trägerschaft dürfen sich ebenfalls einmieten. Von diesem Frühjahr an nutzen unter anderen das LWL-Museum für Kunst und Kultur knapp 1700 Quadratmeter Fläche sowie das LWL-Museum für Naturkunde rund 2900 Quadratmeter für ihre Ausstellungsstücke. Ob Zinnkännchen oder tonnenschwere Skulptur, ob 4,70 Meter hohe Giraffe oder Millimeter kleine Käfer, alles kann hier gut und günstig lagern. Auch das LWL-Medienzen­trum kann seine Klimakammer für Film- und Fotomaterialien hier im Zentralmagazin einrichten. Das hermetisch abgeschlossene Gebäude wurde mit 600 000 Kubikmetern Beton und 650 Tonnen Betonstahl gebaut.Neben der nächtlichen Bewachung des Grundstücks tragen zur Sicherheit rund 5,5 Kilometer Datenkabel bei, die das Gebäude in mehrere „Scharfschaltbereiche“ unterteilen und so Einbrüchen vorbeugen.

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Mittlerweile wurden auch skeptische Museumsleute, die gerne alles in den eigenen vier Wänden horten, vom Charme dieser großzügigen Lösung überzeugt. Nicht zuletzt: Westfalen setzt ein kulturelles Ausrufezeichen: „Andere Länder sind bei weitem nicht so weit wie wir“, sagt Landesrätin Barbara Rüschoff-Parzinger zum neuen Magazin. Dieses nimmt für sich immerhin den Titel „Größtes öffentliches Zentralmagazin Deutschlands“ in Anspruch.

Die Sammlung des Naturkundemuseums zieht um

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  • Ein Eisbär im Aufzug: So geht's runter in die Kühlkammer, in der das Exponat vorbereitet wird auf den Umzug.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Löwe und Gnu friedlich nebeneinander - sowas gibt's nur im Museum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rund 500.000 Schmetterlinge gibt es in der Sammlung - sie werden in Kisten verpackt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In eher schmucklosen Regalen lagern die Objekte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Jan Ole Kriegs ist Direktor des LWL-Museums für Naturkunde.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kistenweise werden die Objekte nach und nach abtransportiert.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Eisbär macht sich auf den Weg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Anne Kutscheidt katalogisiert Farne

    Foto: Gunnar A. Pier
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  • Foto: Gunnar A. Pier
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