Freizeit- und Familienbad im Westen
Bäderfrage schlägt weiter Wellen

Münster-West -

Die SPD in der Bezirksvertretung Münster-West verweigerte jüngst die Unterschrift auf einem gemeinsamen Antrag, der erneut das Thema Freizeitbad auf die politische Agenda hob. Warum die Verweigerung?

Dienstag, 02.04.2019, 17:33 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 17:53 Uhr
Ein Freizeitbad in Münster-West forderte die SPD bereits im Jahr 2014. Allerdings fand diese Idee keine Mehrheit. Nun ist das Thema wieder auf der politischen Agenda.
Ein Freizeitbad in Münster-West forderte die SPD bereits im Jahr 2014. Allerdings fand diese Idee keine Mehrheit. Nun ist das Thema wieder auf der politischen Agenda. Foto: düb

Für großes Erstaunen – insbesondere beim politischen Mitbewerber – sorgte jüngst der CDU-Antrag, in dem sich die Christdemokraten für den Bau eines „Freizeit- und Sportbads“ in Münsters Westen einsetzten. Eigentlich hatten die Sozialdemokraten schon vor Jahren für eine derartige Einrichtung gefordert. Nun aber verweigerte die SPD in der Bezirksvertretung (BV) Münster-West die Unterschrift auf einem gemeinsamen Antrag, der erneut das Thema Freizeitbad auf die politische Agenda hob. Warum die Verweigerung?

„Wir haben diesbezüglich ja schon zwei Anträge gestellt, nämlich 2014 und 2016, die liegen vor“, so Beate Kretzschmar, Fraktionsvorsitzende der SPD in der BV-West. Diese Anträge hätten einen genauen Standort definiert, nämlich an der Roxeler Straße gegenüber der ehemaligen Oxford-Kaserne – „zentral gelegen und gut zu erreichen aus dem gesamten Stadtbezirk Münster-West und auch aus der Innenstadt“, wie die Sozialdemokratin anführt.

Veränderte Rahmenbedingungen

In ihrem Antrag fordere die CDU die Verwaltung auf, einen geeigneten Standort (Busso-Peus-Straße; Anm. d. Red.) zu prüfen. Kretzschmar: „Das haben wir als überflüssig empfunden, da wir ja im Grunde schon einen klaren Plan hatten – und deshalb haben wir gesagt, dass wir einen solchen Antrag nicht brauchen.“

Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Entwicklung im Westen (Oxford-Quartier, Bevölkerungszuwachs und eventuell eine neue Gesamtschule in Roxel) veränderten sich laut der Sozialdemokratin auch die Rahmenbedingungen: „Mehr Schüler, mehr Bürger, mehr Vereinssport.“

Zweifel an Ernsthaftigkeit

Bevor man also einem Bad-Antrag zustimme, gelte es, im Vorfeld einige Fragen zu klären: „Klare Fakten zu den Schwimmzeiten für die Bevölkerung, für Vereine und Schulen im Westen. Wie viel Badefläche haben wir eigentlich, wie lang sind die Fahrwege für Schulklassen?“, formuliert Kretzschmar exemplarisch einige Punkte aus der schriftlichen SPD-Anfrage zur Versorgung der Bürger mit Schwimmzeiten in Münster-West.

In diesem Zusammenhang zweifeln die Sozialdemokraten an der Ernsthaftigkeit des CDU-Antrags in der BV, wie Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine sagt: „Wenn man zeitgleich in der Zeitung liest, dass der Oberbürgermeister mit dem Verzicht auf ein Riesenbad einhergeht, scheint deutlich zu werden, dass wohl kein Interesse auf Rats-Ebene nach einem solchen Freizeitbad vorliegt.“

Muss es ein Riesenbad sein?

Aber ein Freizeitbad muss nicht zwingend auch ein Riesenbad sein, oder? „Es ist aber von Markus Lewe so gemeint“, so Ratsherr Philipp Hagemann. „Es ist eine Frage des Bäderkonzepts, das wir seit Jahren diskutieren. Das Konzept von Schwarz-Grün sieht vor, dezentral kleinere Bäder vorzuhalten. In den Fachausschüssen wie auch im Rat wurde immer gesagt, dass sie keines dieser Freizeit-Bäder möchten, sondern auf eine kleine Verteilung setzen.“

Und Brinktrine ergänzt: „Man muss sich auch die Frage stellen, warum man seit 2014 konsequent jeden Antrag, der damit zusammenhängt, niederstimmt und mit Häme überzieht.“ Plötzlich komme ein Teil der CDU aber auf den Gedanken, umzuschwenken.

Warten auf den OB

Gibt es denn die Chance auf einen gemeinsamen Konsens – und wenn ja, was sind die Voraussetzungen? Ein klares Bekenntnis von Seiten der Rats-CDU, sagt Kretzschmar: „Erst wenn der Oberbürgermeister sagt, ‚Ja, wir wollen das´, könnte man sich annähern.“ Denn: „Je nachdem, mit wem ich von der CDU rede, bekomme ich eine andere Antwort.“

Eine Einschätzung, die auch die SPD-Ratsfrau für Gievenbeck, Doris Feldmann, teilt: „Ich habe das Gefühl, dass das eine Art Nebelkerze ist, um hier vor Ort noch einmal gut dazustehen.“ Solide Politik sehe so aus, dass man sich erst einmal mit den eigenen Ratsvertretern im Dialog einigt, ehe man eine Kehrtwende einschlage.

Kommentar: Badezeiten alles andere als attraktiv

Ungeachtet der politischen Anträge dürfte eine Tatsache unstrittig sein: Ein Blick auf die Öffnungszeiten des Roxeler Hallenbads für die Öffentlichkeit offenbart deren ungenügende Attraktivität. Beispiele gefällig? Montags von 6.30 bis 8 Uhr und 15 bis 17 Uhr, dienstags und mittwochs geschlossen, donnerstags von 6.30 bis 8 Uhr. Lediglich der Sonntag lockt Badefreunde an: 8 bis 18 Uhr.

Aber der Rest? Wer bitte hat Zeit und Muße, morgens um 6.30 Uhr ins kühle Nass zu springen. Der Grund für die Knappheit: Die Zeiten sind anderweitig verplant. Schul- und Vereinssport haben Vorrang – verständlicherweise. Aber genau darum braucht der Westen Alternativen. Bleibt die Frage, ob diese auch genutzt werden. Und da kann man Bezirksbürgermeister Stephan Brinktrine zustimmen, der sagt: „Die Gefahr, dass Wasserfläche hier in Münster nicht genutzt wird, ist das Letzte, was passiert.“ Von Kay Böckling

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