„Die Kemalisten jubeln“
Türkei-Wahl als „Zeichen der Hoffnung“

Münster -

Jahrelang gab es in der Türkei nur einen Wahlsieger: Präsident Erdogan. Dass die Opposition nun die Rathäuser der vier größten Städte des Landes gewonnen haben soll, sorgt auch unter türkischstämmigen Menschen in Münster für ungläubiges Staunen.

Dienstag, 02.04.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 18:23 Uhr
Ismet Nokta von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“
Ismet Nokta von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ Foto: spe

Das unerwartete Ergebnis der Kommunalwahl in der Türkei wird auch in der türkischen Gemeinschaft Münsters aufgeregt diskutiert. „Die Kemalisten jubeln“, berichtet Ismet Nokta von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“. In der Wahlnacht seien eifrig Bilder und Ergebnisse ausgetauscht worden; das Wahlergebnis werde als „Zeichen der Hoffnung“ gesehen, dass sich die Türkei politisch wieder in Richtung Europa bewegen könnte.

In den vier größten Städten, die zusammen mehr als ein Viertel der Einwohner des Landes stellen, liege die Opposition vor Präsident Erdogans AKP – das allein habe schon starke Symbolkraft, meint Nokta, der auch den Arbeitskreis „Außen- und Sicherheitspolitik“ der CDU Münster leitet.

Die überraschend erfolgreiche CHP, die vom Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk 1923 gegründete „Republikanische Volkspartei“, habe auch in Münster Anhänger – doch viele seien mittlerweile von Erdogans Stärke eingeschüchtert und äußerten sich kaum noch zur Politik, meint Nokta. An dieser Zurückhaltung werde sich vorerst wohl nur wenig ändern. Immerhin: „Das Wahlergebnis gibt ihnen Selbstbewusstsein zurück.“

Nicht alle türkischstämmigen Menschen in Münster seien Türken, betont Nokta. Es gebe hier vor allem viele Kurden, aber auch Angehörige von Minderheiten wie Aleviten, Assyrer oder Aramäer. Unter ihnen finde Erdogan keine Anhänger. Die CHP sei in den Großstädten auch von Menschen unterstützt worden, die nicht zu ihrer traditionellen Anhängerschaft zählten. Ismet Nokta hofft nun, dass die Zeichen auf Verständigung stehen, um nicht zuletzt das Minderheitenproblem konstruktiv lösen zu können.

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