Bremer Platz
„Verdrängung der Szene hat begonnen“

Münster -

Nach Beginn der Bauarbeiten auf der Ostseite des Hauptbahnhofs ist die Verdrängung der Bremer-Platz-Szene bereits in vollem Gange, kritisiert Ralf Gerlach vom Drogenhilfeverein Indro. Unterdessen hat das Quartiersmanagement zu einem zweiten runden Tisch eingeladen.

Freitag, 05.04.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 07:04 Uhr
Beteiligen sich am Quartiersmanagement Bremer Platz: (v.l.) Quartiersmanager Stefan Scholz, Ralf Gerlach (Leiter des Drogenhilfezentrums Indro) sowie Dagmar Arnkens-Homann und Heinz Lembeck vom städtischen Sozialamt.
Beteiligen sich am Quartiersmanagement Bremer Platz: (v.l.) Quartiersmanager Stefan Scholz, Ralf Gerlach (Leiter des Drogenhilfezentrums Indro) sowie Dagmar Arnkens-Homann und Heinz Lembeck vom städtischen Sozialamt. Foto: kal

Die Neugestaltung des Bremer Platzes rückt näher. Wie er aussehen sollte, um sowohl den Ansprüchen der Nachbarschaft als auch der Szene gerecht zu werden, wird in einem Werkstattverfahren ermittelt, das im zweiten Quartal starten soll.

Vorab kam in dieser Woche zum zweiten Mal ein runder Tisch zusammen, um über Anforderungen an die Gestaltung zu diskutieren. Im Oktober soll ein Entwurf vorliegen, der bis Sommer 2021 umgesetzt wird. Einen Zwischenstand über die aktuellen Diskussionen gaben am Donnerstag Quartiersmanagement, Sozialamt und Drogenhilfeverein Indro.

„Verdrängung bereits in vollem Gange"

„Wir halten es für wichtig, Maßnahmen zu entwickeln, die einer Verdrängung der Szene entgegenwirken“, betonte Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann. In der Nachbarschaft sei das Interesse, sich an diesem Prozess zu beteiligen, groß, so Quartiersmanager Stefan Scholz. 500 Anlieger seien angeschrieben worden, 40 bis 50 Personen bei den bisherigen Treffen dabei gewesen. Die Themen, die die Menschen bewegen, reichten von Sicherheit über Sauberkeit und Verkehr bis hin zur Zukunft der Szene.

Die Szene – das sind vor allem die Drogensüchtigen, die sich am Bremer Platz Tag für Tag aufhalten. Nach Beginn der Bauarbeiten an der Ostseite des Hauptbahnhofs „ist die Verdrängung bereits in vollem Gange“, hat der Leiter von Indro, Ralf Gerlach, beobachtet. Konsumenten und Dealer verlagerten sich zunehmend in Seitenstraßen, Hinterhöfe und Hauseingänge.

Gerlach führt dies vor allem auf den zuletzt deutlich stärkeren Kontrolldruck von Polizei und Ordnungsamt-Streifen zurück. Indro habe bereits einiges getan, um zu einer Entschärfung der Situation beizutragen.

Heroinabgabestelle gefordert

So öffne das Drogenhilfezentrum neuerdings samstags seine Türen, und auch die mobile Spritzenentsorgung findet nun samstags statt. Indro habe seine Kapazitätsgrenze erreicht.

2017 sei der Drogenkonsumraum 13 000 Mal aufgesucht worden, für 2019 rechnet Gerlach mit mehr als 20 000 Besuchen. Gäbe es in Münster eine Heroinabgabestelle, dann würden Beschaffungskriminalität und Drogenhandel zurückgehen, meint Gerlach.

„Dies hätte auch positive Auswirkungen auf den öffentlichen Raum.“

Heinz Lembeck vom Sozialamt berichtete, dass die Aufenthaltsqualität auf dem Bremer Platz für die Szene verbessert werden soll. Bei der Frage nach der zukünftigen Gestaltung „geht es nicht um schön“, so Arnkens-Homann – „da müssen wir auch der Szene gerecht werden“ und sicherstellen, dass es ein friedliches Miteinander mit der Nachbarschaft gibt.

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