Verkehrschaos durch Traktoren
PS- und lautstarker Bauern-Protest

Münster -

Rund 6000 Landwirte machen am Donnerstagmorgen ihrem Ärger über die neue Düngeverordnung Luft. Mit einem sternförmigen Trecker-Korso kommen sie während des Berufsverkehrs über die Zufahrtsstraßen zur zentralen Kundgebung auf dem Domplatz.

Donnerstag, 04.04.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 19:40 Uhr
Über die Steinfurter Straße kam ein Großteil der Traktoren in die Innenstadt. Die Polizei sperrte zwischenzeitlich Fahrspuren.
Über die Steinfurter Straße kam ein Großteil der Traktoren in die Innenstadt. Die Polizei sperrte zwischenzeitlich Fahrspuren. Foto: Matthias Ahlke

Traktoren schieben riesige Plakatwände vor sich her: „Aktionismus hin und her? Der deutsche Bauer kann nicht mehr.“ Die Verschärfung der Düngeverordnung, die die Gülleaufbringung begrenzen und die Belastung der Gewässer reduzieren soll, stinkt vielen Landwirten ganz gewaltig. Gewaltig ist deshalb am Donnerstagmorgen im Vorfeld der zentralen Kundgebung auf dem Domplatz der Protest in Form eines sternförmigen Trecker-Korsos mit mehreren Hundert Gefährten, die zeitweise die Zufahrtstraßen blockieren und lange Staus verursachen.

Bis zu 1000 Fahrzeuge

Auf der Steinfurter Straße wurden gegen 9 Uhr Fahrspuren hinter der Abfahrt Altenberge/Nienberge von der Polizei gesperrt. „Wir haben gewusst, dass über diese Achse ein Großteil in die Stadt rollen soll und konnten entsprechend reagieren“, begründet Polizeisprecher Andreas Bode die Maßnahme. Auch auf der Warendorfer Straße stauen sich zeitweise Traktoren und Berufspendler. Etwas entspannter dagegen auf der Weseler Straße, von wo aus die Bauern direkt die im südlichen Teil des Schlossplatzes reservierte Fläche ansteuern.

Annähernd 1000 riesige Gefährte stehen hier am Ende dicht an dicht, während mit Trillerpfeifen und Plakaten ausgestattete Demo-Züge der Landwirte-Verbände aus NRW, Niedersachsen, Hessen und sogar Bayern Richtung Domplatz ziehen.

„Genug ist genug"

„20 Prozent weniger Dünger – 100 Prozent weniger Bauern“ steht auf dem Schild, das Landwirt Jan Gerd Schulze Hauling hochhält. Die pauschale Vorgabe, die Düngermenge um 20 Prozent zu reduzieren, sei existenzbedrohend. „Der Transport der Gülle in weit entfernte, weniger belastete Gebiete sei zudem „mit Kosten verbunden, die wir irgendwann nicht mehr tragen können“.

„Genug ist genug“, ruft der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, Johannes Röring, von der Bühne, vor der sich nach Polizeischätzungen rund 6000 Menschen im strömenden Regen drängen, und erntet ein zustimmendes Pfeifkonzert. „Weil uns die Art und Weise, wie diese Maßnahmen über die Köpfe der Betroffenen hinweg beschlossen wurden, wütend und fassungslos macht“, so Röring. „Weltuntergangs­ szenarien helfen nicht weiter“, mahnt indes Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Sie zeigt Verständnis für die Sorgen der Bauern, nimmt sie aber auch in die Pflicht. „An 28 Prozent der Messstellen im Land wurden die Nitratwerte überschritten.“ Eine andere Verteilung der Messpunkte, wie von vielen gefordert, bringe keine anderen Ergebnisse. Für sauberes Trinkwasser und den Artenschutz führe kein Weg an den EU-Vorgaben vorbei. Denn: Deutschland sei bereits wegen der zu hohen Nitrat­belastung vom Europäischen Gerichtshof verurteilt worden.

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