LEG-Mieterinitiative gegründet
Bewohner klagen über hohe Kosten

Münster -

Die Proteste gegen die LEG Immobilien AG brechen nicht ab. Nachdem sich am 20. Februar eine Mieterinitiative in Uppenberg gründete, die immer mehr Zulauf bekommt, fand das Konzept auch in anderen Stadtteilen schnell Anklang.

Montag, 08.04.2019, 12:14 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 16:00 Uhr
Mieter der LEG gründeten jetzt eine Mieterinitiative.
Mieter der LEG gründeten jetzt eine Mieterinitiative. Foto: David Luys

Am Freitag gründete sich nun eine stadtteilübergreifende LEG-Mieterinitiative. Zum Gründungstreffen in der Zukunftswerkstatt Uppenberg kamen 16 Mieter, die die Stadtteile Uppenberg, Aaseestadt, Mecklenbeck, Bahnhof, Berg Fidel, Geist, Hansa, Mauritz und Südviertel vertraten.

Alle hatten viel zu berichten: ausfallende Heizungen, die über Wochen nicht repariert werden, Schimmel an den Wänden und obskure Nebenkostenabrechnungen, in denen Tätigkeiten von Handwerkern vermerkt seien, die diese gar nicht vorgenommen hätten. Auch ein Hubwageneinsatz sei abgerechnet worden, obwohl der Handwerker durch ein Dachfenster geklettert sei.

Bei mir war die letzte Renovierung in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Initiator Werner Szybalski

Werner Szybalski, der die Initiative in Uppenberg startete, berichtete: „Bei mir war die letzte Renovierung in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.“ Auch Dieter Buth, der im Erphoviertel wohnt, beklagte sich über das Vorgehen der LEG: „Alleine die Kosten für den Hausmeister sind von 2012 bis 2016 um über 300 Prozent angestiegen.“ Dabei sei genau dieser seit Jahren kaum anzutreffen gewesen, schließlich sei er für rund 1000 Mietwohnungen zuständig.

Generell beklagten alle Mieter, dass Ansprechpartner fehlten oder nicht zu erreichen seien. In ihren Augen sind Unzulänglichkeiten dieser Art ein Massenphänomen, und sie haben den Eindruck, dass das Vorgehen der LEG systematisch und vorsätzlich sei, wie sie sagt.

Zustände mit vereinten Kräften bekämpfen

Die neue Initiative möchte diese Zustände nun mit vereinten Kräften bekämpfen. Am Freitag beratschlagten die Mieter darüber, wie sie weiter vorgehen werden. Ein monatliches offenes Treffen ist geplant. Auch möchte man Informationsveranstaltungen für Nachbarschaften organisieren.

LEG-Mieterin Kathrin Freikamp formulierte drei Stoßrichtungen, an denen sich die münsterische Initiative ausrichten werde: die Nachbarschaft soll gestärkt, andere Initiativen und Mietervereine angesprochen und die LEG Immobilien AG in die Interaktion gezwungen werden.

Musterklagen gegen die LEG

Unterdessen regt sich auch in anderen Städten Widerstand. Der Mieterschutzbund führt Musterklagen gegen die LEG. Eine Initiative fordert sogar die Enteignung. Am Samstag fanden europaweit Demonstrationen gegen Immobilienkonzerne statt.

Die LEG besitzt deutschlandweit rund 134 000 Mietwohnungen, etwas über 6000 davon in Münster. Lange Zeit war der Konzern in öffentlicher Hand, ehe er vor elf Jahren unter großen Protesten durch die CDU/FDP Regierung privatisiert wurde. Vor acht Jahren ging der Konzern an die Börse. Zuletzt wurde ein Allzeithoch der Aktie vermeldet.

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