Stadt Münster und Kreis Steinfurt ermöglichen dauerhafte Unterstützung
Babylotsen stehen auf festen Füßen

Münster -

Wer ein Kind bekommt, ist manchmal überfordert. Dadurch können echte Notlagen entstehen. Die Babylotsen am St.-Franziskus-Hospital helfen in solchen Fällen – seit Kurzem ist ihre Finanzierung endlich gesichert.

Sonntag, 14.04.2019, 19:00 Uhr
Dr. Michael Böswald (4.v.r.) und Franziskus-Geschäftsführer Burkhard Nolte, bedankten sich bei den Unterstützern des Babylotsen-Projekts aus Münster, Greven, Emsdetten und der Kreisverwaltung Steinfurt. Monika Göcke (2.v.r.) und Dr. Anke Hövels (5.v.r.) arbeiten am Franziskus Hand in Hand.
Dr. Michael Böswald (4.v.r.) und Franziskus-Geschäftsführer Burkhard Nolte (r.), bedankten sich bei den Unterstützern des Babylotsen-Projekts aus Münster, Greven, Emsdetten und der Kreisverwaltung Steinfurt. Monika Göcke (2.v.r.) und Dr. Anke Hövels (5.v.r.) arbeiten am Franziskus Hand in Hand. Foto: hö

Werdende Eltern sind mitunter überfordert, wenn finanzielle Probleme, Trennung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit an den Nerven zehren. Eine Überforderung, die im schlimmsten Fall dazu führt, dass das Wohl des Babys in Gefahr ist – etwa in Fällen mit Schütteltrauma.

Solche Notlagen und Überreaktionen zu verhindern, ist das Ziel von Babylotsen am St.-Franziskus-Hospital, die direkt nach der Geburt Hilfsangebote vermitteln. Ein Projekt, das vor vier Jahren gestartet wurde, zwischenzeitlich an finanziellen Problemen zu scheitern drohte und jetzt mit Unterstützung durch die Stadt Münster und den Kreis Steinfurt auf eine sichere Basis gestellt wurde.

Ausbau von zehn auf 50 Wochenstunden

Die Verträge sind unterschrieben, „sodass das Angebot nun ausgebaut werden kann – von zehn auf 50 Wochenstunden“, um präventiv einen Beitrag zum Kinderschutz zu leisten, freute sich der Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals, Burkhard Nolte, bei einer Feierstunde mit den Kooperationspartnern. Zusammen mit dem Eigenanteil des Hospitals stünden jetzt jährlich rund 80 000 Euro für das Projekt mit zwei Babylotsinnen zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr hatte das Franziskus das Angebot allein aus Eigenmitteln und Spenden finanziert, nachdem die Unterstützung durch die Glücksspirale ausgelaufen war, erläutert der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Michael Böswald. Da 98 Prozent aller Frauen im Krankenhaus entbinden, erreiche man mit Babylotsen fast alle Frauen.

Bei jeder fünften Schwangeren Bedarf

Und bei 2530 Geburten im Franziskus-Hospital im vergangenen Jahr „ist bei jeder fünften Schwangeren ein Bedarf des Babylotsen-Angebots erkennbar gewesen“, bilanziert Böswald. Basis seien Anhaltsbögen, die die Frauen im Gespräch bei der Aufnahme ausfüllen.

Ein Beispiel: Eine Frau wird mit Wehen in der 24. Schwangerschaftswoche aufgenommen und acht Wochen behandelt. Die junge Frau, deren älteres Kind bei Freunden untergebracht ist, ist alleinerziehend und durch den langen Krankenhausaufenthalt in finanziellen Schwierigkeiten.

Ein Fall für die Babylotsin, die nicht nur eine Hebamme für die Begleitung zu Hause vermittelt, sondern auch Kontakt zur Beratungsstelle für Frühe Hilfen aufnimmt. Über den Sozialdienst des Krankenhauses erhält die Mutter eine Baby-Erstausstattung.

Mit Hilfe der Stadtteilkoordinatorin kann über den Kita-Navigator zudem ein Betreuungsplatz für das Baby beantragt werden, damit die Mutter ein halbes Jahr später wieder ihre Berufstätigkeit aufnehmen kann.

Kommentar

Gefragte BabylotsenProjekt hat Vorbildfunktion

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Wenn 20 Prozent aller Frauen, die im St. Franziskus-Hospital, einer der größten Entbindungskliniken Nordrhein-Westfalens, ihr Baby zur Welt bringen, die Hilfe von Babylotsen notwendig haben, lässt dies aufhorchen. Seit vier Jahren versuchen zwei Babylotsinnen, aufgrund fehlender finanzieller Förderung im vergangenen Jahr nur noch eine, präventiv einen Beitrag zum Kinderschutz zu leisten. Sie helfen dank ihrer guten Vernetzung bedarfsgerecht durch den unübersichtlichen Dschungel aus Hilfsangeboten.

Eine gesicherte Finanzierung dieser wichtigen Arbeit scheint in Münster überfällig. Zumal neben dem Franziskus-Hospital im Münsterland in nur einer weiteren Klinik in Rheine Babylotsen tätig sind. Der Beratungsbedarf scheint groß zu sein, wie die Erhebungsbögen im Franziskus-Hospital zeigen.

Vor diesem Hintergrund ist das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie mit Präventionsmaßnahmen direkt beim Start ins Leben das Risiko späterer Entwicklungsprobleme gemindert werden kann. Ein Angebot, das auch in anderen münsterischen Kliniken mit vielen Geburten Schule machen könnte.

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