Beichtmobil in der Innenstadt
Aus der Nische auf den Marktplatz

Münster -

Immer weniger Menschen gehen in die Kirche. Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ macht unter anderem auch aus diesem Grund ein besonderes Angebot.

Montag, 15.04.2019, 15:00 Uhr
Pater Hermann-Josef Hubka stand mit dem Beichtmobil des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ am Montag auf dem Stubengassenplatz, um den Münsteranern ein Angebot zu machen.
Pater Hermann-Josef Hubka stand mit dem Beichtmobil des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ am Montag auf dem Stubengassenplatz, um den Münsteranern ein Angebot zu machen. Foto: Björn Meyer

Vor dem kleinen Campingbus auf dem Stubengassenplatz steht ein Schild. „Ich habe Zeit für Sie“, steht darauf – darunter noch: „Gespräch, Seelsorge, Beichte“. Im Inneren des Wagens ist eine Stola auf einem kleinen Tisch ausgebreitet, daneben stehen eine Kerze und das christliche Kreuz. Pater Hermann-Josef Hubka bittet seinen Gesprächspartner, auf der Sitzbank Platz zu nehmen. Er selber setzt sich auf den umgedrehten Beifahrersitz des Beichtmobils und schaut seinem Gegenüber freundlich ins Gesicht. Was jetzt passiert, liegt in der Hand des Gastes, denn Hubka sagt: „Das Tempo bestimmt der Sünder, nicht der Pfarrer.“

Jedes Jahr ist das Beichtmobil des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ in der Karwoche unterwegs. „Immer in einem anderen Teil Deutschlands“, erzählt Hubka. Die Reaktionen seien ganz unterschiedlich. Viele liefen einfach vorbei, andere würden vorsichtig auf Abstand bleiben. „Doch manche nähern sich auch an und haben etwas auf dem Herzen“, sagt Hubka mit einem gütigen Lächeln über seinem Rauschebart.

Wir holen die Beichte wieder aus ihrer Nische heraus – direkt auf den Marktplatz.

Pater Hermann-Josef Hubka

Zurück geht das Beichtmobil auf die vom Ordensmann Pater Werenfried van Straaten ersonnenen Kapellenwagen, mit denen nach dem Zweiten Weltkrieg Seelsorge, aber auch Lebensmittel zu heimatvertriebenen Katholiken gebracht wurde. „Irgendwann war die Not dann um“, sagt Hubka. Das Hilfswerk ist daher heute vor allem in anderen Ländern aktiv. Und doch geht das Beichtmobil eben auch auf den Gedanken von früher zurück. „Die Beichte ist ja sehr aus dem Blickfeld geraten“, sagt Hubka und fügt an: „Wir holen die Beichte wieder aus ihrer Nische heraus – direkt auf den Marktplatz.“

Erleichterung für die Menschen

Dabei ist sich Hubka sicher, dass das Sakrament der Buße, die Beichte also, eine Erleichterung für die Menschen sein könne. „Bewusst wird einem das meist erst in der Krise“, sagt Hubka und führt das Beispiel von einem alten Mann an, zu dem er einst gerufen wurde. Der wirkte auf ihn zunächst senil, schließlich aber stellte sich heraus, dass er das keineswegs war, dafür aber dringend einen Weg suchte, seine Zeit als Nationalsozialist zu verarbeiten. „Er hat mir alles erzählt. Zwei Tage später konnte er beruhigt sterben“, sagt Hubka.

Abflussrohr zu Gott

Ob ihn schlimme Sünden nicht auch mitnehmen würden? Hubka nickt, sagt dann aber: „Es ist vielleicht ähnlich wie bei einem Rettungssanitäter. Der muss mit den Bildern des Tages auch zu Hause klarkommen.“ Zu viele Gedanken aber macht Hubka sich nicht. Denn neben Bibel, Kreuz und Stola hat Hubka noch etwas dabei, das niemand sehen kann. „Eine Art Abflussrohr“, sagt er und lächelt. Das leite die Geschichten direkt zu Gott weiter. „Der hat sowieso die bessere Übersicht“, ergänzt der Pater spitzbübisch.

Beichtmobil auf Stubengassenplatz

Das Beichtmobil des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ macht am heutigen Montag (15. April) von 10 bis 18 Uhr auf dem Stubengassenplatz Station.

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