„Saurüssel“ lädt zum Theaterereignis „Alles Schilf“
Es soll auf Münsters Wiesen rascheln

Münster -

Als der Homo sapiens sesshaft wurde, bot ihm diese Pflanze als Bedachung Unterschlupf. In der Antike war das geschnittene Rohr des Menschen wichtigstes Schreibgerät. Und heute liefern die Halme als Pellets Heiz-Energie. Ab Ostermontag steht das Schilf im Mittelpunkt des Theaters Saurüssel.

Dienstag, 16.04.2019, 23:31 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 10:20 Uhr
Laden zum Theater im Schilf (v.l.): Manfred Kerklau, Hendrike Dammeyer und Klaus-Dieter Hedwig.
Laden zum Theater im Schilf (v.l.): Manfred Kerklau, Hendrike Dammeyer und Klaus-Dieter Hedwig. Foto: G. H. Kock

Als der Homo sapiens sesshaft wurde, bot ihm diese Pflanze als Bedachung Unterschlupf. In der Antike war das geschnittene Rohr des Menschen wichtigstes Schreibgerät. Und heute liefern die Halme als Pellets Heiz-Energie. Ab Ostermontag steht das Schilf im Mittelpunkt des Theaters Saurüssel: „Alles Schilf“ heißt das Theaterereignis der Münsteraner. Premiere ist im Wienburgpark.

Klaus-Dieter Hedwig hatte vor einiger Zeit eine Reihe Schilfrohre in eine Wiese am Aasee gesteckt und flugs positive Reaktionen von Passanten erhalten: „eine Skulptur!“ Diese anregende Irritation soll seine Installation auch im Wienburgpark auslösen, wo Hedwig eine 15 Meter lange Linie aus Schilf ziehen wird. Die zwei bis drei Meter langen Halme stammen von den Feldern der Familie Groneick in Roxel.

Für die „Hommage an die Natur“ haben Hedwig und Manfred Kerklau gleichsam schwindelerregende Höhen verlassen – von der Wand auf die Wiese sozusagen. Schließlich ist das Theater Saurüssel für sein Gerüsttheater bekannt (zuletzt 2017 am Dom). Auf verschiedenen Spielwiesen Münsters wird bei dieser Performance eine zarte Linie mit Schilfstäben abgesteckt mit immer mal wieder zehn Zentimetern Luft dazwischen. Zwischen den Schilfstäben wird Wildes und Friedliches, Fremdes und Schönes, Sanftes und Rauschhaftes auftauchen, tanzen, schwärmen und verschwinden. Die 16 Akteure umspielen die Schilflinie, die Grenze, Vorhang, Kulisse, Skulptur werden kann.

Die Kostüme von Heike Hedwig werden skurril sein, aber „auf eine bestimmte Art auch schick“, erläutert Hendrike Dammeyer, die als Mitwirkende in rotem Kleid mit gelben Leggins gewandet sein wird. Begleitend erklingt Musik von Saxofon, Flöte und Gong. Gesprochen wird nicht.

Schade eigentlich, wenn man die Begeisterung der Lyriker für diese Gräser kennt. Annette von Droste-Hülshoff widmete dem „Goldgewebe“ ein eigenes Gedicht („Das Schilf“) und erhob es in „Westfalen“ zur Heimat: Am Ufer Wasserlilien stehn, / und durch das Schilf Gesäusel gehn, / Wie Kinder, wenn sie eingewiegt, / verfallen halb des Schlafes Macht, / Noch einmal flüstern: „Gute Nacht!“

Es spielen: Teresa Brugues, Michael Brünnemann, Michael Carneim, Hendrike Dammeyer, Anette Fritzen, Marieke Fritzen, Gisela Pingen, Heike Hedwig, Gabriele Jasper, Pia Kerkloh, Jürgen Kerstin, Ali Reslan, Dieter Silling, Sarah Stern, Thomas Werbeck und Anja Ziegeldorf.

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Die Premiere ist am Ostermontag (22. April) um 15.15 Uhr und 16 Uhr im Wienburgpark gegenüber dem Spielplatz (Eingang über die Langemarkstraße). Weitere Aufführungen sind immer am Sonntag jeweils um 15.15 Uhr und 16 Uhr: 28. April und 5. Mai (Wiese im Wienburgpark),12. und 19. Mai (Wiese vor dem Kunsthaus Kannen / Alexianer Campus), 26. Mai und 2. Juni (Wiese vor der St. Lukas Kirche, LWL- Klinik, Friedrich-Wilhelm-Weber-Straße 30) und am 16. Juni (Wiese im Wienburgpark – letztes Mal). Freier Eintritt; bei Regen wird nicht gespielt.

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