Neuer Ärger bei der FDP
Berens erstattet Anzeige

Münster -

Eigentlich gab es rundum Grund für Optimismus. Der Kreisparteitag der zuletzt von zahlreichen Krisen und Konflikten geschüttelten FDP in Münster verströmte vor einer Woche Aufbruchstimmung. Doch muss man dieses Positive offensichtlich mit Fragezeichen versehen: Unserer Redaktion liegen Screenshots eines angeblichen What´s-App-Chats vor, in dem der Kreisvorsitzende Jörg Berens mit einem FDP-Mitglied über seine Unzufriedenheit mit der Sitzung des Kreishauptausschusses vor zwei Wochen geschrieben und über einzelne Parteimitglieder gelästert haben soll. 

Donnerstag, 18.04.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 07:03 Uhr
Jörg Berens
Jörg Berens Foto: Oliver Werner

Allein: „Das ist eine Fälschung“, weist Berens – damit konfrontiert – diese Äußerungen zurück. Er hat deshalb am vergangenen Freitag bei der Polizei Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das Polizeipräsidium bestätigt den Eingang: Zu den Ermittlungen könne sie aber keine Auskunft geben, sagte eine Sprecherin.

Weil es ein offenes Verfahren ist, verbieten sich Details aus dem offenbar gefälschten Chatprotokoll. Nur soviel: Die Äußerungen wirken wie eine Abrechnung mit Mitgliedern des zu Jahresbeginn zurückgetretenen Kreisvorstands. Gegen den hatte das Schiedsgericht der NRW-FDP auf Bitten des Landesvorstands ermittelt, nachdem der Kreisverband rund 20 erfundene Neumitglieder gemeldet hatte. Teile der alten FDP-Führung liegen mit Berens überkreuz: Als er im Rat der Stadt den Fraktionsvorsitz übernahm, trat der damalige Kreisvorsitzende Manuel Lascasas von seinem Amt zurück, ihm folgten weitere Vorständler.

Klarstellung verschickt

Berens betont nicht nur, dass ein solcher Austausch via What´s App nicht sein Stil sei. „Die Bewertung darin ist auch falsch“, sagt er. „Jeder, der da war, weiß, dass ich sehr zufrieden war.“ Den Kreishauptausschuss hatten alle Seiten zu einer offenen Aussprache genutzt. Der Parteitag am vergangenen Donnerstag habe die positive Stimmung bestärkt: „Seit dem Kreisparteitag hatte ich das Gefühl, dass die FDP in Münster zu alter Stärke zurückkehren kann“, meint Berens.

Als er von dem gefälschten Chat erfahren habe, sei er darum am vergangenen Freitag ins Polizeipräsidium am Friesenring gegangen. An die Parteimitglieder in Münster hat er eine Klarstellung verschickt. Entnervt bilanziert er: „Es ist eine schrille Minderheit, die mir und auch der Partei nichts Gutes will.“

In der Düsseldorfer Zentrale der NRW-FDP verfolgt man die neueste Wendung durchaus besorgt. Weil alle gehofft hatten, dass der wegen seiner früher guten Ergebnisse als relevant angesehene Kreisverband Münster endlich zur Ruhe kommt. Ein hehrer Wunsch.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6550489?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker