„Anonyme Zeichner“ im Kunsthaus Kannen
Lustvoll den Kunstverstand schärfen

Münster -

Armer Gerhard Richter, arme Cindy Sherman. Wer kann ihre Werke heute noch unvoreingenommen, ohne Vorwissen, ohne Vorurteile betrachten? Ruhm, Reichtum und die ihnen zugemessene gesellschaftliche Bedeutung verunmöglichen es, ihre Kunst wirklich frei zu erkunden, zu erfassen, zu genießen. Oder abzulehnen.

Freitag, 19.04.2019, 18:02 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 18:24 Uhr
Insgesamt 500 Zeichnungen laden im Kunsthaus Kannen dazu ein, sich mit Wahrnehmung, Wirkung und Wert von Kunst zu beschäftigen. Der Besucher kann unterschiedlichste Ausstellungen erleben, je nachdem, welche Betrachtungshaltung er wählt.
Insgesamt 500 Zeichnungen laden im Kunsthaus Kannen dazu ein, sich mit Wahrnehmung, Wirkung und Wert von Kunst zu beschäftigen. Der Besucher kann unterschiedlichste Ausstellungen erleben, je nachdem, welche Betrachtungshaltung er wählt. Foto: Gerhard H. Kock

Armer Gerhard Richter, arme Cindy Sherman. Wer kann ihre Werke heute noch unvoreingenommen, ohne Vorwissen, ohne Vorurteile betrachten? Ruhm, Reichtum und die ihnen zugemessene gesellschaftliche Bedeutung verunmöglichen es, ihre Kunst wirklich frei zu erkunden, zu erfassen, zu genießen. Oder abzulehnen. Das Kunsthaus Kannen hat derzeit das Projekt „Anonyme Zeichner“ zu Gast. 537 Arbeiten sind zu sehen. Und nichts als das. Keine Namen. Keine Herkunft. Kein Entstehungsdatum. Und das ist überraschend wohltuend, ja befreiend.

Anonyme Zeichner im Kunsthaus Kannen

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  • Anonyme Zeichner im Kunsthaus Kannen Foto: Gerhard H. Kock

Denn das Weniger an Information gibt den Raum frei, lustvoll den eigenen Kunstverstand zu schärfen. Beim Betrachten lässt sich das eigene Schauen, Denken und Urteilen beobachten: Was nehme ich wahr? Was weckt mein Interesse? Welche Vergleiche stellt mein Verstand an? Welche Ordnung bildet sich im Kopf?

Ist die Formation schon figurativ, oder fließen die Linien frei und gestisch? Ab wann bildet sich eine menschliche Form heraus? Überhaupt: Ist das noch gegenständlich oder schon abstrakt und umgekehrt? Die Ausstellung eignet sich über die eigene Schulung hinaus für ein Gespräch über Kunst: Was siehst Du? Und wie? Fragen, die einen rasch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Schönen und vielleicht seinem Gegenteil bringen.

Der Besucher kann selbst Kurator sein, sich überlegen, unter welchen Gesichtspunkten er Zeichnungen auswählen würde. Wie ändert sich der Blickwinkel, wenn ich Bilder für eine Ausstellung auswähle oder für mein Schlafzimmer oder die gute Stube? So kann dieselbe Ausstellung zugleich jeweils zu einer völlig anderen werden.

Und der Fragen sind viele, die sich stellen lassen: die Geschlechterfrage zum Beispiel. „Weniger als drei Prozent der Künstler in den Moderne-Abteilungen sind Frauen, aber 83 Prozent der Nackten weiblich“, heißt es auf einem Plakat der „Guerilla Girls“. Das Geschlecht der anonymen Zeichner ist zwar unbekannt, aber wenn es Figuren gibt, sind die überwiegend weiblich. Der Mann kommt als Sujet in den Zeichnungen erkennbar kaum vor.

Angesichts dieser Ausstellung stellt sich die Frage, warum nicht öfter die Namen weggelassen werden. Und die Kunst für sich sprechen darf. Wer seine Neugier nicht zügeln kann: Die Anonymität wird nur durch den Kauf eines der Bilder aufgedeckt. Für 200 Euro. Man kann natürlich auch wünschen, den Namen nicht zu erfahren. Aber wer hält das aus?

Zum Thema

Das internationale Kunstprojekt „Anonyme Zeichner“ wurde von Anke Becker ins Leben gerufen. Die Ausstellung im Kunsthaus Kannen, Alexianerweg, ist bis zum 19. Mai zu sehen. Am 12. Mai findet von 10 bis 16 Uhr ein Workshop „Inside / outside – Gemeinschaftszeichnung auf der Glasfassade“ statt. Anmeldung per Mail: kunsthaus-kannen@alexianer.de

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