Nach Anschlägen in Sri Lanka
Schock und Sorge um Angehörige bei tamilisch-katholischer Gemeinde Münster

Münster -

Für sie gibt es derzeit nur ein Thema: Die bestürzenden Nachrichten von den Anschlägen in Sri Lanka ereilten die Mitglieder der tamilischen katholischen Gemeinde Münster am Morgen des Ostersonntags. Auch zwei Tage danach trauern sie um Opfer im Bekanntenkreis.

Dienstag, 23.04.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 18:30 Uhr
Bischof Genn mit Mitgliedern der tamilischen Gemeinde Münster auf dem Gelände der Stamm-Kirche St. Antonius, wo er am 13. April eine Messe mit den katholischen Tamilen feierte.
Bischof Genn mit Mitgliedern der tamilischen Gemeinde Münster auf dem Gelände der Stamm-Kirche St. Antonius, wo er am 13. April eine Messe mit den katholischen Tamilen feierte. Foto: Bistum Münster

Der Schock sitzt Anisrajah Pathmanathan weiter in den Knochen. Der Ostersonntag begann für ihn und seine Frau sehr früh mit den furchtbaren Nachrichten aus Sri Lanka – dem Land, aus dem sie stammen. Die Antonius-Kathedrale in Colombo, wo viele Gläubige Opfer der Anschläge wurden, kennen beide sehr gut. „Meine Frau hat erst im vergangenen Monat die Kirche besucht, ich selbst war im vergangenen Jahr dort“, erzählt der Ingenieur für Energietechnik, der als Fünfjähriger mit seinen Eltern als tamilischer Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland kam und heute in Berg Fidel wohnt.

Die Antonius-Kirche in Colombo sei so etwas wie der Dom in Münster. „Sehr schön ausgestattet, immer offen, viele Menschen gehen einfach rein, um zu beten oder sich die Kirche in dem belebten Viertel mit Einkaufsstraßen anzuschauen.“

Zufällige Namensgleichheit

St. Antonius – so heißt auch in Münster die Kirche, wo sich die katholische tamilische Gemeinde regelmäßig zu Gottesdiensten versammelt. Erst am 13. April feierte Bischof Felix Genn mit den Tamilen aus Münster eine Messe. Gunaretnam Leonis koordiniert die Arbeit der Gemeinde mit rund 80 aktiven Mitgliedern – und auch er ist nach den Anschlägen erschüttert.

Der 58-Jährige lebt seit 20 Jahren in Münster, kam Ende der 80er-Jahre mit seiner Familie als Bürgerkriegsflüchtling nach Deutschland. Er selbst hat in seiner Familie bisher keine Opfer zu beklagen, aber eine Freundin trauere um Angehörige: Eine Familie war auf Heimaturlaub, hielt sich in einem der attackierten Hotels auf. Die Eltern seien tot, zwei Kinder verletzt, erzählt Leonis: „In unserer Gemeinde gibt es kein anderes Thema: Wer vermisst Angehörige oder Freunde? Wir sind sehr betroffen, sprachlos, sauer.“

Anschlagsserie in Sri Lanka am Ostersonntag

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  • Dieses Standbild von einem Video von Hiru TV zeigt die Innenansicht der St.-Antonius-Kirche nach einer Explosion. Bei Explosionen in Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka sind mehrere Menschen getötet und verletzt worden, darunter auch Ausländer.

    Foto: Uncredited
  • Soldaten der sri-lankischen Armee sichern das Gebiet um den St. Anthony's Shrine nach einer Explosion in Colombo.

    Foto: Eranga Jayawardena
  • Personen warten nach einer Explosion vor einem Hotel. Die Anschlagsserie in Sri Lanka traf am Ostersonntag vor allem christliche Kirchen und Luxushotels.

    Foto: Tang Lu
  • Sri-lankische Polizisten räumen die Straße frei, damit ein Krankenwagen mit Verletzen einer Explosion zum Krankenhaus fahren kann.

    Foto: Eranga Jayawardena
  • Bilder der Zerstörung: Ein sri-lankischer Polizeibeamter und weitere Experten inspizieren nach einer Explosion im Shangri-la Hotel den Ort.

    Foto: Chamila Karunarathne
  • Sri Lankas Sicherheitskräfte sichern nach einem Schuss in Colombo ein Haus, das nach einem Schuss in Colombo als Versteck von Militanten vermutet wird.

    Foto: Eranga Jayawardena
  • Verwandte eines Sprengstoffopfers trauern vor einer Leichenhalle in Colombo.

    Foto: Eranga Jayawardena
  • Polizisten und Soldaten stehen nach einer Explosion vor der St.-Antonius-Kirche Wache.

    Foto: A.Hapuarachchi
  • Ein Blick auf den Innenraum der durch eine Explosion beschädigte St.-Sebastians-Kirche nördlich von Colombo.

    Foto: Chamila Karunarathne
  • Ein Hubschrauber der Streitkräfte Sri Lankas fliegt über ein Haus, das nach einer Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels als Versteck von Verdächtigen vermutet wird.

    Foto: Eranga Jayawardena

"Mit Muslimen gut ausgekommen"

Sprachlos vor allem, weil Angriffe auf Christen bisher eher von buddhistischer Seite gekommen seien. „Mit Muslimen sind wir eigentlich gut ausgekommen“, sagt Leonis, der auch Mitglied der Herz-Jesu-Gemeinde in Münster ist und mit Frau und zwei Kindern im Viertel wohnt.

Bei Anisrajah Pathmanathan sind es die Schwiegereltern einer Verwandten, die bei einer Explosion in Colombo verletzt wurden – „zum Glück nur leicht“.

Papst trauert mit Opfern in Sri Lanka

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  • Papst Franziskus hat am Ostersonntag der Opfer der «schweren Attentate» in Sri Lanka gedacht. Er habe die Nachricht über die Anschlagsserie «mit Trauer und Schmerz» vernommen, sagte der Pontifex vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz.

    Foto: Andrew Medichini
  • Papst Franziskus feiert an diesem Sonntag mit Zehntausenden Gläubigen aus aller Welt auf dem Petersplatz in Rom die Ostermesse.

    Foto: Andrew Medichini
  • Anschließend spendet er von der Loggia des Petersdoms aus den apostolischen Segen «Urbi et Orbi».

    Foto: Andrew Medichini
  • An Ostern erinnern die Christen an die Auferstehung Jesu Christi, für sie ist es das zentrale Fest. Jedes Jahr kommen Hunderttausende Menschen über die Feiertage nach Rom. Der Segen «Urbi et Orbi» gehört zu den bekanntesten Riten der römisch-katholischen Kirche.

    Foto: Andrew Medichini
  • In der Osternacht ermunterte das katholische Kirchenoberhaupt die Gläubigen dazu, sich nicht in Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit zu verlieren.

    Foto: Andrew Medichini
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