Martin Schmeding eröffnet „Orgelkonzerte in der Osterzeit“
Der Jubel der Himmelfahrt

Münster -

Eine Predigt ganz ohne gesprochenes Wort, die biblische Heilsgeschichte in Töne gesetzt – so ließe sich das Programm beschreiben, mit dem Martin Schmeding am Samstag die „Orgelkonzerte in der Osterzeit“ im Dom eröffnete. Dramaturgisch klug zusammengestellt, spannte er den Bogen „vom Tod zum Leben“ mit bekenntnishaften Klängen wie dem Satz „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“ aus Johannes Brahms’ „Deutschem Requiem“ ebenso wie mit dem pittoresk illustrierenden „Danse macabre“ von Camille Saint-Saëns.

Sonntag, 28.04.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 30.04.2019, 18:22 Uhr
Martin Schmeding, Orgelprofessor in Leipzig, präsentierte im Dom ein Programm „vom Tod zum Leben“.
Martin Schmeding, Orgelprofessor in Leipzig, präsentierte im Dom ein Programm „vom Tod zum Leben“. Foto: Christoph Schulte im Walde

Schmeding, Jahrgang 1975 und aktuell Orgelprofessor in Leipzig, eilt der Ruf eines überaus vielseitigen Künstlers voraus, der spieltechnische Kompetenz mit einem hohen Maß an Musikalität verbindet. Davon konnte sich nun auch das Publikum im Paulusdom überzeugen, exemplarisch etwa in Max Regers großer Choralfantasie „Wachet auf“. Reger geht es ja immer um einen innigen Bezug von Liedtext und musikalisch nachvollziehbarer Ausdeutung, Interpretation – und dies verlangt eine sinnvolle, ja bildhafte Umsetzung, die Schmeding eindrucksvoll gelang.

Sprechende Bilder, wenn auch ganz anderer Art, in Zsigmond Szathmárys „Mors et Vita“ aus dem Jahr 2014: kantig, grantig und mitunter brutal der Tod, ätherisch zart und mit „Christ ist erstanden“-Zitat angereichert das Leben. Ein großes Stück, das sich erst nach mehrfachem Hören ganz erschließt.

Da machen es Charles-Marie Widors „Haec Dies“-Meditationen mit den vereinigten Flötenstimmen der Orgel dem Hörer schon deutlich einfacher, auch die gewaltige Paraphrase über das österliche „Victimae paschali“ von Charles Tournemire – eine für diesen Pariser Komponisten und Organisten ganz typische Improvisation, 1931 für die Schallplatte eingespielt und später von Maurice Duruflé in Noten übertragen. Schmeding blieb dem vulkanhaften Impetus dieser einst aus dem Stegreif erfundenen Orgelfantasie nichts schuldig. Im Gegenteil legte der Interpret wenig später noch deutlich nach – in Olivier Messiaens „Freudenausbrüchen“ aus dem Himmelfahrts-Zyklus nämlich. Dies eine rauschende, jubilierende Toccata von geradezu pianistischem Zuschnitt. Tanzende Akkorde, ins Unendliche führende Linien münden in einen gleißenden Fis-Dur-Akkord. Das ist der Glanz des auferstandenen Christus – und war der finale Punkt eines großartigen Orgelabends.

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