„Seicento vocale“ und „The Orpheus Consort“ mit der Marienvesper in der Aegidiikirche
Klingendes Quellwasser und üppige Farben

Münster -

Das musikalische Barock präsentiert seine geistlichen Werke oft mit pompöser Pracht. Aus der davorliegenden Epoche klingt hingegen eine Frömmigkeit an unser Ohr, die im Vergleich wie klares Quellwasser wirkt. Claudio Monteverdi (1567-1643) beherrschte das eine so gut wie das andere. Wohl denen, die am Samstagabend den Weg in die Aegidiikirche gefunden hatten, um Monteverdis Marienvesper (Vespro della Beata Vergine) zu lauschen!

Sonntag, 28.04.2019, 16:31 Uhr aktualisiert: 30.04.2019, 18:22 Uhr
Das Vokalensemble „Seicento vocale“ und das „Orpheus Consort“ musizieren unter der Leitung Alexander Toeppers in der Aegidiikirche.
Das Vokalensemble „Seicento vocale“ und das „Orpheus Consort“ musizieren unter der Leitung Alexander Toeppers in der Aegidiikirche. Foto: Arndt Zinkant

Zwei exzellente junge Ensembles bürgten unter Leitung von Alexander Toepper für ein wunderbares Erlebnis: Das 2016 gegründete Vokalensemble „Seicento vocale“ und das erst vor wenigen Monaten gegründete „The Orpheus Consort“, das sich mit historischen Instrumenten und ebensolcher Musizierpraxis der Renaissance und dem Frühbarock widmet. Die insgesamt knapp 30 Musiker erweckten die Musik Monteverdis mit einer attraktiven Mischung aus sa­kraler Strenge und jugendlichem Zugriff zum Leben.

Das wäre in St. Lamberti, wo Alexander Toepper sonst als Kantor wirkt, im Hall ertrunken – und selbst in der akustisch guten Aegidiikirche (auch ein seltener Augenschmaus) war man besser beraten, in den vorderen Sitzreihen das Konzert zu hören. Von dort konnte man staunend verfolgen, wie die sechsstimmigen Gesänge von einer archaischen Farbenpracht der Instrumente umspielt wurden – darunter Laute, Barockvioline und Zink (quasi eine hölzerne, zarte „Trompete“).

Das konnte der ruhige, erhabene Fluss des „Hymnus“ (Ave maris stella) sein oder das noch hymnischere Preislied „Lauda Jerusalem“ (Psalm 147). Die Interpreten trafen den Monteverdi-Sound genau und machten überdies hörbar, wie modern dessen Stil seinerzeit war. In der Marienvesper verband der Komponist traditionelle Elemente wie Psalmvertonungen und ein Magnificat mit innovativem Geist.

Außerdem flocht Monteverdi monodische „Concerti“ ein, welche um die Bedeutung Mariens kreisen sowie den Sängerinnen und Sängern Gelegenheit gaben, solistisch zu glänzen. Da wäre „Pulchra es“, in welchem die Soprane von Lea Maria Koch und Inga Balzer wie zu einem Klang verschmolzen. Oder „Audi coelum“, in welchem dem Tenorgesang von Fabian Strotmann ein zweiter Tenor hinter dem Altarraum mit Echo-Gesängen antwortete.

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