Ausstellung über prekäre Arbeit
Eine Vollzeitstelle für 1132 Euro brutto

Münster-gremmendorf -

„Prekäres Leben – prekäre Arbeit – prekäre Zukunft“ – so lautet der Titel einer Ausstellung, die die KAB am Wochenende in St. Ida zeigte. Dabei geht es um Menschen, die zu wenig verdienen, um sich Dinge zu leisten, die für andere selbstverständlich sind.

Sonntag, 28.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 28.04.2019, 20:18 Uhr
Mitglieder der KAB St. Ida und Pastor Thomas Schulz (M.) begleiteten die Ausstellung.
Mitglieder der KAB St. Ida und Pastor Thomas Schulz (M.) begleiteten die Ausstellung. Foto: klm

Jessica W. ist Friseurin. Mit der Vollzeitstelle verdient die 22-Jährige 1132 Euro brutto im Monat. Darüber hinaus gibt es 30 Euro Provision und gelegentlich Trinkgeld. „Zu uns kommen vor allem junge Kundinnen. Die geben nicht viel Trinkgeld“, schreibt sie. Jessica W. ist eine von mehreren Personen, die am Wochenende in einer Ausstellung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) in der St.-Ida-Kirche zitiert wurden. Titel: „Prekäres Leben – prekäre Arbeit – prekäre Zukunft“.

Das Wort „prekär“ beschreibt im Wesentlichen einen Zustand, in dem kaum Spielraum bleibt, ihn positiv zu verändern. Mit Blick auf den Arbeitslohn kann das ein Problem mit vielen Folgeschwierigkeiten sein: wenig Spielraum für Lebenshaltung, Wohnen, soziale Absicherung, Privatleben. Solche Umstände wollte die KAB St. Ida Gremmendorf speziell den Besuchern der Gottesdienste erklären, die die Schau im Eingangsbereich zu sehen bekamen.

Schlecht vereinbar

„Prekäre Arbeit kann jeden treffen, egal, ob gering oder hoch qualifiziert“, hat der KAB-Bezirksverband Hamm-Münster-Warendorf in seinem Begleitfaltblatt zur Ausstellung formuliert. Während der Eröffnung am Samstagabend sagte Bezirkspräses Pfarrer Karsten Weidisch aus Münster: „Wir wollen, dass Arbeit christlich durchdrungen und ethisch verantwortbar ist.“ Eine ungerechte Entlohnung und dadurch weniger Teilhabe am Leben seien hiermit schlecht vereinbar, so Weidisch sinngemäß. „Gerechtigkeit ist von Gott für jeden Menschen zugesagt.“

Der Bezirksverband hat für die Ausstellung, um sie anschaulicher zu machen, Arbeitsausstattungen und Materialien aus Berufen zusammengestellt, in denen Menschen teils durch niedrige Löhne und unsichere Beschäftigungsverhältnisse „prekärer Arbeit“ nachgehen würden – etwa im Bau- und im Reinigungsgewerbe.

Einkommen von 10,60 Euro brutto pro Stunde

Darüber hinaus die Selbstporträts – etwa von einem Fernmeldemonteur (59), der heute als Hausmeisterhelfer in Leiharbeit tätig ist und „nicht dauerhaft Miete zahlen kann“, wie er schreibt. Sowie jenes eines Germanisten (33) mit einem Einkommen von 10,60 Euro brutto pro Stunde in Teilzeit.

Thomas Schulz, Pastor von St. Ida, sagte im Gottesdienst am Sonntag: „Die Ausstellung passt gut zum Thema, das wir in der Fastenzeit hatten: ,den Finger in die Wunde legen‘. Weil sie zeigt, was in unserer Gesellschaft noch der Heilung bedarf.“

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