Serie: Europa lebt in Münster
Der Aasee ist für die Europäerin der Atlantik

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Heute im Porträt: Die Portugiesin Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt.

Dienstag, 30.04.2019, 09:00 Uhr
Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt lebt seit über 30 Jahren in Münster.
Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt lebt seit über 30 Jahren in Münster. Foto: gh

Wenn Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt zu einer Behörde geht, dann kann es bei ihrer Namenssuche stressig werden. Die meisten Menschen meinen, dass ihr Nachname mit G beginnt. „Irrtum“, klärt die 56-Jährige auf. Neben den beiden Vornamen und dem Namen ihres Mannes sei es üblich, die Namen der Mutter „Vitorino“ und des Vaters „Guerreiro“ einzubinden. Dabei lebt die gebürtige Portugiesin seit 36 Jahren in Deutschland – und fühlt sich als Europäerin.

Der Liebe wegen sei sie mit 20 nach Münster gekommen. Ihren Mann lernte sie an der Algarve kennen. Sechs Jahre später heiratete das Paar und zog nach Münster. Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt hatte ihr Abitur in der Tasche, doch ihr Zeugnis aus Portugal wurde nicht anerkannt. Sie holte ein Schuljahr nach und stieg wie ihr Mann ins Studium ein.

Keramik-Import fürs Taschengeld

Zur Aufbesserung ihres Taschengeldes brachten sie beim Heimaturlaub in Portugal Keramik und Teppiche mit. Die 56-Jährige entwarf ihre erste eigene Teppichkollektion. Ihr Unternehmen „Tucano“ wurde geboren, nächstes Jahr feiern die Kleyboldts das 30-jährige Bestehen ihres Geschäftes.

Europa spielt immer schon eine Rolle in der Familie. Maria Eugénia Vitorino Guerreiro-Kleyboldt legte großen Wert darauf, dass Tochter und Sohn zweisprachig aufwachsen. Die Portugiesin selbst ist jedes Jahr als Prüferin in der Hauptschule Coerde dabei, wenn es um sprachliche Zertifikate in ihrer Muttersprache geht.

Das Meer fehlt

Die 56-Jährige empfindet den Schutz der Sprache als eine Form der Integration. Sie beschreibt sich als europäische Bürgerin. Sehr viele Werte und Traditionen habe sie mit in ihrer Familie genommen. Einzig das Meer fehle ihr. „Der Aasee ist mein Atlantik“, sagt die Münsteranerin, die die offenen Grenzen Europas schätzt. Sie ist überzeugt, dass durch den Brexit mehr Menschen wissen, was Europa bedeutet.

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