Neue Schriftdolmetschertechnik
Lesen, was andere hören

Münster -

Im Hörbehindertenzentrum in Hiltrup gibt es seit letzter Woche eine Technik, die es auch Gehörlosen ermöglichen soll, ganz ohne Gebärdendolmetscher Vorträgen und Informationsabenden zu folgen. Mittels Schriftdolmetschertechnik können die Betroffenen das gesprochene Wort nämlich jetzt in Echtzeit mitlesen.

Montag, 06.05.2019, 16:00 Uhr
Reiner von Oppenkowski (l.) und Joachim Bless freuen sich über die neue Technik im Hörbehindertenzentrum.
Reiner von Oppenkowski (l.) und Joachim Bless freuen sich über die neue Technik im Hörbehindertenzentrum. Foto: Björn Meyer

Über ein Raummikrofon und per Spracherkennungssoftware wird der Text auf einen Monitor direkt neben der Leinwand im Veranstaltungsraum des Hörbehindertenzentrum projiziert. „Wir können ja schlecht fordern und selber nicht liefern“, kommt der Vorsitzende des Ortsvereins Münster und Münsterland des Deutschen Schwerhörigenbundes, Joachim Bless, schnell darauf zu sprechen, dass die Stadt viel im Bereich für Schwerhörige tue. Münster, sagt Bless, sei eine behindertenfreundliche Stadt. Zu verbessern, auch das sei klar, gebe es natürlich dennoch immer etwas.

Ein großes Problem bei Schwerhörigkeit sei aber oft auch der eigene Umgang damit. Von der Feststellung des Arztes, dass ein Hörgerät benötigt werde, bis hin zum Tragen des Gerätes vergingen durchschnittlich acht Jahre, sagt Bless.

Geduld ist gefragt

Das sei natürlich viel zu viel, auch weil Hören eine Gehirnleistung sei und damit über Jahre der Schwerhörigkeit vieles verloren ginge. „Diese Dinge muss man sich, ganz unabhängig vom Hörgerät, erst wieder mit viel Geduld erarbeiten“, so Bless.

Wer dagegen kaum noch oder gar nicht mehr hören kann, dem steht in Hiltrup jetzt die neue, laut Ortsverein sogar einzigartige Möglichkeit in ganz Nordrhein-Westfalen, zur Verfügung. Eine vierstellige Summe musste für die Technik investiert werden. Ein Investment, dass für die 140 Mitglieder des Vereins nur durch eine Spende der AOK Nordwest möglich wurde. „Ich glaube, dass das die Zukunft ist“, sagt Joachim Bless.

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