Ernst Hofackers Debütroman
Das Gejammer des Gitarristen

Münster -

Ernst Hofacker kennt beide Seiten. Die eines Musikers und die des Autoren. Jetzt hat er seinen ersten Roman vorgelegt. Über einen Gitarristen, der ganz unten in seinem Leben angekommen ist. Eine Reise in die Vergangenheit, aber auch in die gegenwärtige Musikszene Münsters.

Montag, 06.05.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 09:17 Uhr
Ernst Hofacker, in der münsterischen Musikszene auch als Ernesto Telecastro bekannt, spielte in den 1980er-Jahren Gitarre bei der Band Khomanski Beat. Angefangen über Musik zu schreiben hat er unter anderem für die Westfälischen Nachrichten, später machte er als Musikjournalist Karriere. Jetzt hat seinen ersten Roman vorgelegt.
Ernst Hofacker, in der münsterischen Musikszene auch als Ernesto Telecastro bekannt, spielte in den 1980er-Jahren Gitarre bei der Band Khomanski Beat. Angefangen über Musik zu schreiben hat er unter anderem für die Westfälischen Nachrichten, später machte er als Musikjournalist Karriere. Jetzt hat seinen ersten Roman vorgelegt. Foto: Simone Hoffmann

Nein, ein Held ist die Hauptperson dieses Romans wahrlich nicht. Auch wenn das zu Beginn des neunten Kapitels behauptet wird. Aber niemand sympathisiert gern mit einem empathielosen Egozentriker. Und genau das ist der professionelle Rockmusiker Flint, der von einer kurzen Tour mit seiner Band - auf der er wieder einmal Groupies im Hotel flachgelegt hat - zurück nach Hause kommt und sich im tiefsten Jammertal wiederfindet: Möbel weg, Freundin auch.

Das ist das grobe Gerüst von Ernst Hofackers Belletristik-Debüt „Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron“. Bisher hat sich der Autor eher auf Sachbücher verstanden: „Ich hatte nie geglaubt, mal einen Roman zu schreiben. Aber einmal angefangen, haben die Figuren ein Eigenleben entwickelt - sind sozusagen kreuz und quer auf dem Schreibtisch herumgelaufen.“

Leseanreiz durch Lokalkolorit

Den Spaß, den er beim Schreiben hatte, merkt man dem Buch ab. Vor sieben Jahren - noch in München wohnend - hat er angefangen. Dass sich die lange Arbeit gelohnt hat, zeigen vor allem zwei Dinge. Zum einen hat Hofacker die Handlung in seiner Heimatstadt Münster angesiedelt. Einen Strang in der Gegenwart, der andere erzählt die Coming-of-Age-Geschichte des jungen Schülers Flint in den 70er Jahren: seinen familiären Hintergrund, wie er zur Musik gekommen ist und auch die ersten sexuellen Erfahrungen.

Den Lokalkolorit der Stadt Münster tupft Hofacker behutsam auf seine Geschichte: „Als ich wusste, dass ich wieder nach Münster ziehe, habe ich das Buch vor drei Jahren wieder aus der Schublade geholt und lokalisiert. Ich nenne Orte und Figuren, etwas verkleidet, die zur Szene gehören, wie beispielsweise Götz Alsmann oder Adam Riese“, sagt Hofacker, der selbst Erfahrung als Manager von Bands hat. Dieser Wiedererkennungseffekt, wie man ihn aus Schlüsselromanen kennt, sorgt für einen erheblichen Leseanreiz.

Zweite Ebene und psychologischer Unterbau

Zum anderen aber ist da die Analogie mit dem Mellotron, einem Musikinstrument, das als Vorläufer des Synthesizers gelten kann. Ein klug gewählter Unterbau des Romans: „Das Mellotron hat nie geschafft, was es sollte. Es sollte immer wie ein anderes Musikinstrument klingen, aber das tat es nicht. Es war immer als Mellotron erkennbar.“

Auch Flint muss lernen, dass er sich nicht in seinen Rollen und hinter Masken verlieren darf. Nach einem Unfall droht ihm auch noch der Verlust seines Jobs als Berufsmusiker. Er ist am Tiefpunkt angekommen. Hofacker lässt seine Leser diesen wehleidigen Charakter bewusst auch bedauern. Doch spannender ist tatsächlich, wie es ihm gelingt, die psychologische Entwicklung dieser Figur bis zum Ende lesenswert zu gestalten.

Ernst Hofacker, der gerade seinen 62. Geburtstag gefeiert hat, hat sich selbst das beste Geschenk gemacht: „Ich habe viel gelernt. Zum einen, dass ich einen Roman schreiben kann. Zum anderen: Das beste Handwerk nützt nichts, wenn die Story nicht stimmt. Ich habe jetzt eine Idee für einen neuen Roman, aber damit fange ich erst in zwei oder drei Jahren an.“ Seinen Debütroman kann man ab Anfang Mai erwerben. Am 12. Mai liest er im Hot Jazz Club und wird dabei musikalisch in den Pausen von Pascal Cherouny begleitet.

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