Versammlung des 1. FC Gievenbeck
Rüsing macht als FCG-Chef weiter

Münster-Gievenbeck -

Hoch her ging es bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Gievenbeck. Der Verein hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch woher kommen diese und wie will man die Löcher stopfen?

Dienstag, 07.05.2019, 18:02 Uhr
Das neue Leitungs-Team beim 1. FC Gievenbeck (v.l.): Carsten Becker als sportlicher Leiter, Vorsitzender Jörg Rüsing und sein Stellvertreter Markus Scharf.
Das neue Leitungs-Team beim 1. FC Gievenbeck (v.l.): Carsten Becker als sportlicher Leiter, Vorsitzender Jörg Rüsing und sein Stellvertreter Markus Scharf. Foto: Kay Böckling

Diese Sitzung hatte deutliche Spuren bei Jörg Rüsing hinterlassen. Sichtlich erleichtert auch dann am Montag kurz vor Mitternacht die Schlussworte des Vorsitzenden des 1. FC Gievenbeck. Dem vorausgegangen war eine über vierstündige Marathon-Versammlung, die zum Teil hitzige und kontroverse Diskussionen zum Inhalt hatte. Im Mittelpunkt: die Finanzen und damit einhergehend der Bericht des kaufmännischen Leiters Jens Mecklenborg. Und die vorgetragenen Zahlen bargen einigen Zündstoff. Die finanzielle Lage des Vereins ist alles andere als rosig.

Bereits im Vorfeld hatte es – wie berichtet – Verwirrungen gegeben: Die eigentliche 71. Mitgliederversammlung, die für Ende März terminiert war, musste schon nach kurzer Zeit unterbrochen werden. Mecklenborg war es aus diversen Gründen nicht möglich, seinen Finanzbericht vorzulegen. Nun also die Fortsetzung.

Und auch hier gab es gleich eine faustdicke Überraschung: Einen kaufmännischen Leiter wird es beim Gievenbecker Club in Zukunft nicht mehr geben. Stattdessen will der FC Gievenbeck ab dem 1. Juli einen hauptamtlichen Geschäftsführer einstellen. Damit reagierte der Verein auf die Ankündigung Mecklenborgs, für dieses Amt nicht weiter zur Verfügung zu stehen.

Vorsitzender Rüsing begründete die Einstellung eines Hauptamtlichen mit dem nicht mehr zu bewältigenden Arbeitsaufwand. Gefragt seien bei den Bewerbern „Manager-Qualitäten“. Man habe auch schon zwei Kandidaten im Auge. Rüsing: „Das ist die Schlüsselposition für die Entwicklung des Vereins. Und sie ist untrennbar verbunden mit der Position des kaufmännischen Leiters.“

Es folgte, auf was alle gewartet hatten: der Kassenbericht 2017 / 2018. Dieser wies ein Defizit von etwa 11 000 Euro auf. Hinzu kam, dass auf der Seite der Einnahmen die Summe 100 000 Euro zu lesen war. Dabei handelt es sich um einen Kredit, den der Verein (wie berichtet) aufgenommen hat, um seine Liquidität auf sichere Füße zu stellen. Hintergrund: Ein unerwartetes Defizit in Höhe von 109 000 Euro aus vergangenen Jahren. Das empfanden einige als ungerechtfertigt: „Dann haben wir ja 111 000 Miese gemacht“, war zu hören. Mecklenborg verteidigte indes die Aufnahme des Kredits.

Schärfster Kritiker des Kassenberichts war Uwe Peppenhorst, der ehemalige kaufmännische Leiter des FCG und damit ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Er kritisierte vor allem die Tatsache, dass man im gastronomischen Betrieb mehr Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen hatte. Er rechnete vor, dass der Verein in früherer Zeit weit über 200 000 Euro aus eben diesem Bereich erwirtschaftet hatte – innerhalb von drei Jahren. Ein Vereinsmitglied bezweifelte dies. „Diese Zahlen liegen hier nicht vor.“ Dem entgegnete Peppenhorst: „Die Akten sind einzusehen.“

Die Argumente flogen hin und her. Schließlich meinte auch Mecklenborg: „Ja, es muss sich was ändern.“ Vorsitzender Rüsing kündigte gar eine „knallharte Analyse“ an. Peppenhorst indes empfand die Zahlen als „abenteuerlich“. Und: „Ich kann den Vorstand so nicht entlasten.“ Eben dieser Tagesordnungspunkt – die vorgesehene Entlastung des Leitungsgremiums – folgte alsbald. Das Ergebnis: Lediglich 22 Mitglieder stimmten dafür, 39 enthielten sich der Stimme, einer war gegen die Entlastung.

Rüsing stellte sich anschließend zur Wahl des Vorsitzenden: „Ich bin niemand, der den Verein in solch einer Situation im Stich lässt.“ Er habe sich im Vorfeld ein Team zusammengestellt, „von dem ich zuversichtlich bin, dass wir die Weichen für die Zukunft stellen können“. Die Wiederwahl Rüsings erfolgte mehrheitlich ohne Gegenstimme. Den Vorstand komplettieren Markus Scharf als zweiter Vorsitzender sowie Carsten Becker als sportlicher Leiter.

Und wie geht es weiter? Die Etatplanungen sehen vor, im gastronomischen Bereich künftig 27 200 Euro zu erwirtschaften, Ein Liquiditätsüberschuss in Höhe von 10 000 Euro ist eingeplant. Auch dieser Etat stieß auf Skepsis der Mitglieder: 20 stimmten dafür, zwei dagegen und 36 enthielten sich. Alles weitere wird die Zukunft zeigen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6595785?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker