Serie: Europa lebt in Münster
Kompliziert ist nur das Wahlrecht

Münster -

Am 26. Mai wird das Europa-Parlament gewählt. Wir stellen in einer Serie bis zum Wahltermin täglich Münsteraner aus den EU-Ländern vor. Durch sie lebt Europa in Münster. Diesmal: Dr. phil Werner Marihart, Pianist, Dirigent, Österreicher – und Münsteraner aus Überzeugung.

Mittwoch, 08.05.2019, 10:00 Uhr
Dr. Werner Marihart
Dr. Werner Marihart Foto: Claudia Ghezzi

Man hört es ihm an, dass er kein Westfale ist. Es gibt Gesprächspartner, die fragen ihn ganz unverblümt: „Sind Sie aus Bayern?“ Denen antwortet Dr. Werner Marihart lächelnd: „O nein, ich bin Ausländer.“ Ausländer? Österreicher! Ein echter Wiener, um genau zu sein . . .

Nun ja, die Freunde und Verwandten in Wien würden ihm den Wiener schon nicht mehr abnehmen, meint er. Nicht nach 52 Jahren in Deutschland. Also sagen Marihart und seine aus Italien stammende Ehefrau mit viel Überzeugung: „Wir sind Europäer!“

Unentbehrlich gemacht

Nach Münster kam der junge Musiker – nach Stationen in Karlsruhe und Bremen – 1977 als erster Kapellmeister an den Städtischen Bühnen. Als acht Jahre später sein Vertrag auslief, blieb er. Der Familie wegen, aber auch, weil ihm die Stadt so gut gefällt. Dozent an der Musikhochschule, Chorleiter, Pianist, Dirigent des „Jungen Sinfonieorchesters an der WWU“ – Werner Marihart hat sich unentbehrlich gemacht im Musikleben seiner Wahlheimat. 2011 begann er ein Studium der Musikwissenschaft, das er 2017 mit einer Dissertation über den Spätromantiker Joseph Marx als Dr. phil. abschloss.

Um die deutsche Staatsangehörigkeit habe er sich in all der Zeit nie bemüht. Als Österreich 1995 der EU beitrat musste er sich nicht mehr um die jährliche Aufenthaltsgenehmigung bemühen – und seitdem gebe es praktisch keine Einschränkungen mehr: „Das einzige, was kompliziert ist, ist das Wahlrecht.“

Europa ist sein Sorgenkind

An der Europawahl darf und wird sich Werner Marihart freilich beteiligen – Europa ist schließlich sein Sorgenkind: „Die Bürger sind zu schlecht informiert“, sagt er mit Blick auf den Brexit. Was die Politik zeigen müsse: „Dass wir eine Gemeinschaft sind. Es gibt doch die Vereinigten Staaten von Amerika – warum tut sich Europa damit so schwer?“

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