Münsteranerin arbeitet in einer Missionsschule
Als Missionarin in der Bronx

Münster/New York -

Andere arbeiten nach dem Abi in Australien oder tingeln durch die Welt – die 19-jährige Hannah Kalvelage aus Münster hingegen macht ein Missionsjahr in der Bronx in New York.

Donnerstag, 09.05.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 13:53 Uhr
Hannah Kalvelage aus Münster macht ein Missionsjahr in der Bronx in New York.
Hannah Kalvelage aus Münster macht ein Missionsjahr in der Bronx in New York. Foto: Hervé Lequeux, privat

Hannah Kalvelage geht auf eine Missionsschule. Und das nicht irgendwo, sondern in New York. Nun mag manch einer an ein schillerndes Leben in der Großstadt denken, doch die 19-Jährige lebt und arbeitet in der Bronx, einem Problemviertel, geprägt von Armut und Drogenkonsum: „Es gibt viele Obdachlose, überall wird gedealt und es liegen Spritzen herum. Da merkt man erst mal, wie behütet man selbst aufgewachsen ist“, erzählt Kalvelage, die 2018 ihr Abitur an der Friedensschule machte.

Danach wollte sie für ein Jahr ins Ausland. Auf dem Weltjugendtag in Krakau im Jahr 2017 ist sie auf die „Emmanuel School of Mission“ der Gemeinschaft Emmanuel gestoßen, in der Hannah Mitglied ist. „Da wusste ich: Das muss ich machen. Ich wollte mich auf die Suche machen und mehr über meinen Glauben erfahren.“

Während meiner Zeit als Messdienerin nach der Erstkommunion war da eine Schwester, die so viel Freude und Liebe ausgestrahlt hat.

Hannah Kalvelage

Dabei sei die junge Missionarin gar nicht so katholisch aufgewachsen: „Das kam vor allem in meiner Pfarrei in Herz Jesu. Während meiner Zeit als Messdienerin nach der Erstkommunion war da eine Schwester, die so viel Freude und Liebe ausgestrahlt hat.“

Beworben hat sie sich in Rom und New York. In der Bronx hat es dann geklappt: Seit Oktober lebt Kalvelage mit neun weiteren Studierenden aus der ganzen Welt zusammen. Ihre „Geschwister“, wie das jüngste Mitglied der Gruppe sie nennt, kommen aus Polen beziehungsweise Dänemark, Frankreich, Belgien, Ecuador, Australien und Ungarn. Zwischen den Jugendlichen herrscht eine enge Verbindung: „Ich bin jetzt schon traurig, dass das Jahr im Juli vorbei ist, und weiß nicht, wie ich es ohne meine Geschwister aushalten soll“, erzählt Kalvelage.

Kochen, lernen, beten

Betreut werden sie von zwei Priestern und einer jungen Frau. Ein klassischer Tag beginnt um sieben Uhr morgens mit einer Stunde Anbetung. Nach dem Frühstück wird bei einer halben Stunde Lobpreis gesungen. Vormittags steht der Unterricht an: „Es kommen Lehrer aus der ganzen Welt und erzählen uns etwas zu verschiedenen Themen der Theologie. Mit Schul-Religionsunterricht hat das wenig zu tun“, erzählt die 19-Jährige begeistert.

Gemeinsam feiern sie anschließend die Messe: „Es ist sehr praktisch, dass wir zwei Priester dabeihaben“, sagt Kalvelage und muss lachen. Nach dem Mittagessen steht weiterer Unterricht oder die Vorbereitung der Mission an, die die Gruppe bei den Missionarinnen der Nächstenliebe, besser bekannt als Mutter-Teresa-Schwestern, leistet. In der Service-Zeit wird gekocht, geputzt oder gelernt. Nach dem Abendessen steht weitere Missionsvorbereitung an – oder die Teilnehmer bekommen andere Aufgaben.

Durch unseren religiösen Hintergrund erzählen sie uns von ihrer Gotteserfahrung. Die Menschen haben viel durchgemacht.

Hannah Kalvelage

Zwei Mal in der Woche sind die Jugendlichen aktiv in der Mission: „Wir helfen bei einer Obdachlosenhilfe mit, putzen, teilen Essen aus oder machen das, was gerade so ansteht.“ Auch gibt es Zeit für ein Gespräch mit den Bewohnern: „Es ist sehr berührend, wie sie sich mit der Zeit öffnen. Durch unseren religiösen Hintergrund erzählen sie uns von ihrer Gotteserfahrung. Die Menschen haben viel durchgemacht.“

Berührungsängste hatte Hannah Kalvelage auch anfangs kaum. Manchmal habe es sie ein wenig Überwindung gekostet, doch das Gespräch sei es wert gewesen. Freitagsmorgens geht die Gruppe zum Musizieren auf die Straße und teilt Kaffee aus. Zusätzlich standen schon unterschiedliche Reisen an: Die Jugendlichen waren beim Weltjugendtag in Costa Rica und Panama und hielten Katechesen in Minnesota.

Missionsjahr ohne Handy

Blickt Kalvelage auf ihre bisherige Zeit in New York zurück, sagt sie: „Das Jahr hat mir ungemein im Glauben weitergeholfen. Hätte ich all das woanders lernen wollen, hätte ich die ganze Welt bereisen müssen – das kommt vor allem durch die verschiedenen Kulturen in unserer Gruppe.“ Außerdem schlussfolgert sie: „Wir widerlegen hier all das, was immer so über die Jugend gesagt wird: Sie haben keine Beziehung zu Gott, haben nur oberflächliche Freundschaften und können nicht mehr ohne Handy.“ Die Gruppe verständigte sich darauf, während des Missionsjahres auf das Handy zu verzichten.

Im Juli kehrt die 19-Jährige wieder zurück nach Deutschland. Was sie dann genau machen will, weiß sie noch nicht genau: „Vielleicht ein Lehramtsstudium in Englisch, Geschichte oder Religion.“

Zum Thema

Das Missionsjahr an der Emmanuel School of Mission wird über Spenden finanziert. Hier geht es zum Blog .

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6598117?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker