Evakuierung im Bahnhofsviertel
Reaktionen der Anwohner: Gelassenheit im Gefahrenbereich

Münster -

Sperrung des Bahnverkehrs und Räumung des Bahnhofsviertels. Das klingt nach großem Chaos, doch der überwiegende Teil der Menschen ging völlig entspannt mit der Bombenevakuierung am Mittwochnachmittag um. Wir waren dabei...

Donnerstag, 09.05.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 06:51 Uhr
Bahnhofspersonal und Polizei informierten die Zugreisenden – nach nicht mal einer Stunde fuhren die Züge wieder.
Bahnhofspersonal und Polizei informierten die Zugreisenden – nach nicht mal einer Stunde fuhren die Züge wieder. Foto: Oliver Werner

Als es sich am Mittwochnachmittag im Bahnhofsvierte l herumgesprochen hat, dass 200 Meter um die Fundstelle einer Flieger­bombe aus dem Zweiten Weltkrieg evakuiert werden muss, steht Petra Schürmann in den Startlöchern. Hinter ihr wartet wortwörtlich eine Rasselbande. Zehn Kinder der gleichnamigen Einrichtung haben die Schuhe bereits an. „Ich weiß auch nicht, ob wir rausmüssen“, sagt die Leiterin der Kindergruppe. Nur wenig später erhält sie eine Antwort. Genau vor dem Haus der Gruppe wird per Flatterband die Grenze des Evakuierungs­bereichs gezogen. Die Rasselband kann weitertoben.

Andere haben da weniger Glück. Max Menge und Moritz Niehüser sind zwei der Feuerwehrleute, die ab 15.30 Uhr an jede Haustür im Evakuierungsbereich klopfen. Freundlich, aber bestimmt richten sie ihre Ansprache an die Bürger, die sie in den Wohnungen antreffen. Dabei kann es auch schon mal zu Missverständnissen kommen. Als eine ältere Dame fragt, ob sie denn nicht einfach in ihren Garten könne, muss auch Menge sich kurz sammeln. Letztlich klärt sich die Angelegenheit schnell auf. Sie habe doch ihren Schrebergarten gemeint, erklärt die Dame.

Dass in der Soester ­Straße 24 niemand öffnet, merkt sich Moritz Niehüser. Hier schaue man später noch einmal ­genau, sagt er, schließlich wolle man sichergehen, dass möglichst niemand auf eigene Faust in seiner Wohnung bleibe.

Bombe am Hauptbahnhof entschärft

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  • Bombe am Hauptbahnhof entschärft Foto: Oliver Werner
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Entspannt und unaufgeregt

Doch die meisten Anwohner gehen mit der Evakuierung völlig unaufgeregt um. Student Julius Behr verlässt mit einem Lächeln sein Wohnhaus. Im Mund einen Apfel, auf der Schulter eine Sporttasche. „Endlich mal was Spannendes los hier“, ulkt er und fügt an: „Ich ­gönne mir einfach ein langes Training im Fitnessstudio.“

Die gute Laune lässt sich auch Anja Plechinger nicht verderben. Dass sie ihren Friseursalon schließen muss? Kein Problem: „Die Kunden haben Verständnis gezeigt. Ein Mann heiratet diese ­Woche, der kommt jetzt morgen Abend“, sagt sie beim Weg in den frühen ­Feierabend mit Mops „Kamille“ auf dem Arm.

Weitgehend entspannt geht es auch in der eingerichteten Betreuungsstelle in der LWL-Kantine an der Warendorfer Straße zu. Nur einige ältere Bürger nimmt das Bomben-Szenario mit. „Ich war ganz aufgeregt“, gesteht eine 89-Jährige, die eigentlich nach dem Seniorentreff wieder in ihre Wohnung in der Soester Straße zurückwollte. „Aber ich bin froh, dass ich im Warmen sitze.“

Um 16.30 melden Menge und Niehüser ihrem Gruppenleiter Martin Garrels, dass ihr Bereich evakuiert sei. „Es läuft gut, ich glaube, es wird früher entschärft werden können“, orakelt Garrels und behält recht. Trotzdem sucht der eine oder andere Wartende im Bahnhof zwischenzeitlich nach einem Unterschlupf. Medizinstudentin Rebecca Butov (27) etwa. Sie kommt nach einem Telefonanruf bei einer Kommilitonin unter. Gegen 18 Uhr ist der Spuk dann vorbei. Alles habe schneller funktioniert als ­gedacht, obwohl zwei Personen zunächst ihre Wohnungen nicht hätten verlassen wollen.  

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