Europa-Serie
„Polen verabreden sich nicht – sie kommen spontan“

Münster -

Ireneus Nayda wohnt in Münster und stammt aus Polen. „Die Menschen in Europa sind zusammen­gerückt“, sagt er, wenn er über die EU spricht. Trotzdem hat er auch Unterschiede zwischen Deutschen und Polen ausgemacht.

Donnerstag, 09.05.2019, 12:00 Uhr
Der Deutsch-Pole Ireneus Nayda lebt seit 1997 in Münster und arbeitet bei dem münsterischen Beratungsunternehmen ZEB.
Der Deutsch-Pole Ireneus Nayda lebt seit 1997 in Münster und arbeitet bei dem münsterischen Beratungsunternehmen ZEB. Foto: Oliver Werner

Ireneus Nayda hat einen deutschen und einen polnischen Pass. Er hat – wenn auch nur mit geringfügigem Unterschied – einen deutschen und einen polnischen Namen. Denn der Name Ireneus schreibt sich im Polnischen mit „z“ statt „s“. Irgendwie ähnlich und dann doch wieder unterschiedlich, für Nayda ist das in vielerlei Hinsicht typisch für das deutsch-polnische Verhältnis.

Der 43-Jährige lebt seit 1997 in Münster, damals begann er sein Studium der Wirtschaftsinformatik. Heute arbeitet er als Projektleiter für IT-Entwicklung bei dem münsterischen Beratungsunternehmen ZEB.

Auch wenn Ireneus Nayda längst in Münster heimisch ist, so fährt er doch regel­mäßig nach Polen, weil in der Nähe von Breslau viele Verwandte leben, so auch seine Schwiegereltern.

Wenn er Unterschiede zwischen Deutschland und Polen benennen soll, dann fällt ihm zunächst die starke Stellung der katholischen Kirche in Polen ein. „Die ­Situation ist in Deutschland eine andere.“ Darüber hinaus fällt ihm, dem Münsteraner mit polnischen Wurzeln, immer wieder die deutsche Gründlichkeit und die polnische Spontaneität ein.

„Wenn sich zwei Menschen hier treffen, dann verabreden sie sich. Polen verabreden sich nie, sie kommen einfach.“

Ausgesprochen glücklich ist der Deutsch-Pole über die Osterweiterung der EU. Sie habe nicht nur das Leben in vielen osteuropäischen Staaten verändert, sondern sei inzwischen auch im ­Bewusstsein der Westeuropäer verankert. Natürlich könne man mit der ak­tuellen Politik in Polen nicht ­immer zufrieden sein, aber man müsse keinem Deutschen mehr erklären, dass Polen zur EU gehört.

Ganz abgesehen davon sei Kritik an der EU ja kein rein osteuropäisches Phänomen. „Die Engländer sind ja auch nicht besonders EU-freundlich.“

Für Ireneus Nayda indes ist die Überwindung des Eisernen Vorhangs und der Fall der Berliner Mauer bis heute ein historischer Glücksfall. „Die Menschen in Europa sind zusammen­gerückt.“

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