Publizistin Miriam Meckel mahnt in Münster zur Wachsamkeit
Lügen haben heute schnelle Beine

Münster -

Fake News, Lügen, Hass und Schund in Internet und sozialen Netzwerken: Für die Publizistin Miriam Meckel stehen angesichts unbeschränkter und auch missbrauchter Freiheit im Internet die Werte der Demokratie und der gerechte Wettstreit der Ideen in Frage. Am Montag sprach sie in Münster vor 300 Gästen der Universitäts-Gesellschaft. Ihr Appell: „Wir müssen um die Wirklichkeit kämpfen. Sie ist nicht selbstverständlich!“

Dienstag, 14.05.2019, 14:32 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 19:41 Uhr
Miriam Meckel sprach im Landesmuseum in Münster.
Miriam Meckel sprach im Landesmuseum in Münster. Foto: ohw

Lüge, Propaganda, Manipulation: Alles das gibt es, seit Menschen, Stämme und Gesellschaften Politik betreiben. Doch die digitale Wirklichkeit unserer Gegenwart macht diesen Trieb des Menschen, andere zu beeinflussen, noch gefährlicher.

Miriam Meckel (51), einst in Münster gefeierte Jung-Professorin für Publizistik, dann Staatssekretärin in Diensten der NRW-Regierung, seit 2005 Professorin für Kommunikations-Management in St. Gallen und nun Gründungsverlegerin des digitalen Bildungsmagazins „ada“ (Handelsblatt-Gruppe), mahnte deshalb bei einem Vortrag vor rund 300 Gästen der Universitätsgesellschaft in Münster zur Wachsamkeit im Dienste der Demokratie. „Wir dürfen uns nicht faul zurücklehnen. Wir müssen um die Wirklichkeit kämpfen. Sie ist nicht selbstverständlich.“

Gefangen in der Filterblase 

Als jüngstes Paradebeispiel für Fake News führte sie – naheliegend – Präsident Donald Trump vor. Der verstehe es geschickt, durch Twitter und stetige Wiederholung abwegiger Thesen die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu beeinflussen und die Medien zu diskreditieren. Nicht nur die permanente Wiederholung mache Menschen anfällig, an blitzschnell verbreitete Lügen zu glauben. Auch deren eigene selektive Nutzung des Internets.

Wer dort stets Bestätigung für die eigene Meinung suche und google, der befinde sich ganz schnell in der typischen „Filterblase“; denn die Suchmaschinen präsentierten ihren Kunden natürlich immer gerne das, wonach sie ohnehin schon ständig suchten. Viele Menschen seien anfällig für „Instant-Ideologien “, resistent gegen Argumente und glaubten an Verschwörung.

Schützen kann nur mediale Bildung 

Tückische Technik: Meckel präsentierte in Einspielungen jene Tricks, bei denen man Gesichter verändern und – brandgefährlich – ganze Politiker-Videos computertechnisch manipulieren kann. Vor einer „Info­calypse“ scheint nur mediale Bildung zu schützen.

Vielleicht, so hofft Meckel, könne sich die haarsträubende Entwicklung sogar gegen Plattformen selbst richten und diese zwingen, Schund und Lügen zu brandmarken und der Wirklichkeit im fairen Wettbewerb der Ideen neuen Raum zu geben.

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