Der Galerist Georg van Almsick ist mit 79 Jahren gestorben
Seine Heimat war die Kunst

Münster/Gronau-Epe -

Wenn er über die Bilder und Skulpturen in seiner Galerie sprach, über Begegnungen mit Künstlern und Kundschaft, geriet Georg van Almsick ins Schwärmen. Der bekannte münsterländische Galerist, der in Gronau-Epe und Münster verwurzelt war, ist am vergangenen Samstag im Alter von 79 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Donnerstag, 16.05.2019, 16:17 Uhr
Georg van Almsick kurz vor seinem 70. Geburtstag, 2009.
Georg van Almsick kurz vor seinem 70. Geburtstag, 2009. Foto: Johannes Loy

Wenn er über die Bilder und Skulpturen in seiner Galerie sprach, über Begegnungen mit Künstlern und Kundschaft, geriet Georg van Almsick ins Schwärmen. Der bekannte münsterländische Galerist, der in Gronau-Epe und Münster verwurzelt war, ist am vergangenen Samstag im Alter von 79 Jahren gestorben.

Georg van Almsick erzählte gern von jenem Schlüsselerlebnis, das ihn als jungen Mann zur Kunst trieb. Als 16-jähriger Kaufmanns-Lehrling in Meppen lernte er eine Frau aus Ostpreußen kennen, deren Malkünste ihn faszinierten. Er durfte sich ein Bild aussuchen und zahlte es sukzessive ab. Damit war der erste klitzekleine Grundstein für eine zuletzt üppige Kunstsammlung gelegt. Ein Kulturredakteur hatte van Almsick schon vor Jahren treffend mit der Zeile „Galerist auf dem platten Land“ umschrieben. Van Almsick mochte diese Formulierung. Weit über 300 Ausstellungen und Konzerte hat der Kulturliebhaber ausgerichtet. Er war in Gronau-Epe, seinem Heimatort, im Münsterland und weit darüber hinaus ein geachteter Mann, pendelte zwischen niederländischer Grenze und Münster und durfte bei vielen Gelegenheiten Künstler und Kulturkreise um sich versammeln. Nach Volontariaten in Hamburg und Bonn übernahm Georg van Almsick 1962 zunächst den väterlichen Baustoffhandel. Einige Jahre später riskierte er ein Experiment und präsentierte auf ein paar Quadratmetern im Baumarkt Kunstplakate. Das kam bestens an.

Das Datum 7.7. ’77 bildete mit einer ersten Chagall-Ausstellung den Beginn einer über 40-jährigen Erfolgsgeschichte, die nicht zuletzt im Ausbau der schmucken Galerie ihre äußere Gestalt fand. Groß war stets die künstlerische Bandbreite: Sie reichte von der klassischen Moderne bis hin zu heutiger Kunst, wobei van Almsick zügig Kontakte in den Osten knüpfte, obwohl der Eiserne Vorhang noch fest geschlossen war. Kunstwerke und Künstler aus Russland und Ungarn waren immer wieder in der Galerie zu finden, die bis heute einen Kunden-Radius von rund 250 Kilometern entwickelte. „Es hat wenig Sinn, Kunden zu überreden“, sagte van Almsick im Gespräch. „Die Bilder oder Skulpturen müssen für sich selber sprechen. Ich lasse die Gäste zunächst mit der Kunst allein, sie kommen, wenn ihnen etwas gefällt, ohnehin schnell zu mir und lassen sich dann in Ruhe beraten.“ Horst Janssen, Robert Hammerstiel, Jan Te Wierik, Alexander Zakharov, Clemens Wieschebrink oder Zoltán Szabó: Bestimmte Namen waren immer wieder bei van Almsick zu finden. Ein besonderes Auge entwickelte er für jene Künstler, die im 20. Jahrhundert zwischen alle Stühle gerieten. Unter den Nationalsozialisten wurden sie ausgegrenzt und verfolgt, im Bombenkrieg verbrannten viele ihrer Werke, nach dem Krieg war ihre Hauptschaffenszeit schon fast vorbei.

Konzertabende und Feste machten die Galerie auf dem Land zu einem kulturellen Haus, dessen Hausherr ein begeisterter Wagnerianer und Bayreuth-Fan war. Er liebte allerdings nicht nur die weite Welt der Kunst, sondern war zugleich mit Leib und Seele Münsterländer und Westfale. Hier wird er als jederzeit freundlicher, aufgeschlossener und kunstbeflissener Mensch in guter Erinnerung bleiben.

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