Freuynde und Gaesdte zeigt an geheimem Ort „Konferenz der Diebinnen“
Gangster-Queens in Münsters Unterwelt

Münster -

Wer in die Unterwelt hinab steigt, muss Teile seines gewohnten Lebens ad Acta legen. Trauen darf man hier niemandem. An einen solchen Ort wird das Publikum von Freuynde + Gaesdte hautnah erfahrbar eingeschleust.

Freitag, 17.05.2019, 23:59 Uhr
Mitglieder der „Forty Elephants“ (v. l.): Tashina Mende, Anke Winterhoff und Gabriele Brüning
Mitglieder der „Forty Elephants“ (v. l.): Tashina Mende, Anke Winterhoff und Gabriele Brüning

Wer in die Unterwelt hinab steigt, muss zumindest Teile seines gewohnten Lebens ad Acta legen. Denn unter der Oberfläche herrschen andere Regeln: die des Zwielichts. Hier gehen fragwürdige Gestalten ein und aus. Trauen darf man hier niemandem. An einen solchen Ort, in eine Londoner Kaschemme und noch dazu ins Jahr 1929, wird das Publikum der neuen Produktion von Freuynde + Gaesdte, „Die Konferenz der Diebinnen“, hautnah erfahrbar eingeschleust. Beim Eintritt erhalten alle Zuschauer historische Penny-Münzen, als Zahlungsmittel für den Ausschank.

Spielort ist ein nur durch Kerzen und Petroleumlampen erleuchteter alter Bierkeller in der Innenstadt mit niedrigem Gewölbe. Nicht genug Platz für 40 Elefanten, aber für rund 30 Gäste. Elefanten? Auftritt dreier Damen, Angehörige der berüchtigten Frauen-Gang „Forty Elephants“ aus dem Londoner Süden: 1873 in der Presse erstmals erwähnt, terrorisierten sie mit raffinierten Diebstählen über Jahrzehnte hinweg Juweliere und Kaufleute, räumten als Dienstmädchen Häuser aus und verdingten sich als Erpresserinnen. Alice Diamond (Anke Winterhoff) und Maggie Hughes (Tashina Mende), zwei glamouröse Exponentinnen der frechen Flapper-Girls der Roaring Twenties, fliehen nach einem Coup in die Spelunke und lernen überraschend die Grande Dame und Ex- „Queen“ ihres Vereins, Polly Carr (Gabriele Brüning), kennen.

Es wird heiter aus dem kriminellen Nähkästchen geplaudert. Autor und Regisseur Zeha Schröder hantiert derweil als Spelunkenwirt Tom am Grammophon, bedient Gäste und fügt sich geschmeidig ins dramatische Geschehen ein. Der ungewöhnliche Raum entfaltet zusätzliche Wirkung: So könnte man auch in irgendeinem Café Gespräche am Nebentisch aufschnappen. Die quirlige Diskussion der beiden Frauengenerationen über politische Umwälzungen, Mode, Sehnsüchte, Mobilität und Kommunikationstechnologie lässt dabei oft zeitgenössische Analogien zu: „Millennials“ staunen über ihre Eltern – und umgekehrt. Die Welt hat sich verändert. Eine enorm detailfreudige Inszenierung aus einem Guss mit einer großartig herausgespielten Schlusspointe.

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Da sämtliche Vorstellungen ausverkauft sind, gibt es vom 10. bis 13. Juli (20 Uhr) eine weitere Staffel. Karten online (Eile geboten):   | www.f-und-g.de

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