50 Jahre wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Klare Worte und volles Haus

Münster -

Der Festredner zum Jubiläum der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Münster hatte mehr als vollmundige Glückwünsche zu überbringen. Der frühere Absolvent und bekannte Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn äußerte sich zum Brexit.

Samstag, 18.05.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 18.05.2019, 10:11 Uhr
Volles Haus beim Jubiläum der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (v.l.): Oberbürgermeister Markus Lewe, Dekanin Prof. Dr. Theresia Theurl, Uni-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und Festredner und Absolvent Prof. Dr. Hans-Werner Sinn.
Volles Haus beim Jubiläum der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (v.l.): Oberbürgermeister Markus Lewe, Dekanin Prof. Dr. Theresia Theurl, Uni-Rektor Prof. Dr. Johannes Wessels und Festredner und Absolvent Prof. Dr. Hans-Werner Sinn. Foto: Oliver Werner

Ein volles Haus ist die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät gewöhnt. Sie ist mit über 6000 Studierenden die größte der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU), und die Sitzplätze im Hörsaal sind oft knapp. Das war auch am Freitagnachmittag nicht anders, als die Fakultät mit einem Festakt ihr 50-jähriges Bestehen feierte.

Die Veranstaltung im Hörsaal J 4 im Juridicum respektive Oeconomicum wurde in zwei angrenzende Hörsäle übertragen: Rund 1000 Zuhörer, unter ihnen viele Absolventen und ehemalige Professoren, verfolgten so insgesamt live, was einer der berühmtesten Absolventen der Fakultät, Hans-Werner Sinn, früherer Präsident des „ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung“ und einflussreicher Wirtschaftsexperte, seiner Ex-Fakultät zum Geburtstag zu sagen hatte.

Bekannt als Kritiker des Euro-Rettungsschirms

Prof. Dr. Hans Werner Sinn erlebte damals als Student der Volkswirtschaftslehre und nach dem Abschluss als wissenschaftlicher Assistent gemeinsam mit seiner späteren Frau Gerlinde, ebenfalls Absolventin der Fakultät, die Gründung mit – was angesichts der Auseinandersetzungen der damaligen Studentenbewegung eine eher nachrangige Rolle spielte, wie Sinn erklärte. Im Hörsaal J 4, wo ihm die Festgäste lauschten, gab es Sit-ins. Sinn, später zunehmend Anhänger wirtschaftsliberaler Ansätze, outete sich in seiner Festrede als damaliger Angehöriger des linken sozialdemokratischen Hochschulbundes.

Doch Hans-Werner Sinn, aktuell bekannt als Kritiker des Euro-Rettungsschirms, der Energiewende und der Migrationspolitik, war nicht nur gekommen, um die alten Zeiten der Fakultät hochleben zu lassen. In seiner Festrede wandte er sich dem zentralen politischen Thema des Brexits – für ihn eine „Katastrophe“ zu – um dazu aufzurufen, „bis zur letzten Sekunde dafür zu kämpfen, dass die Briten nicht aus der EU austreten.“

Auf die Briten zu bewegen

In der jetzt verfahrenen Lage gebe es für Großbritannien „nur eine Lösung: In der EU zu bleiben, wäre für alle Beteiligten das Beste“, erklärte Sinn und erntete kräftigen Zwischenapplaus. Die Briten mit ihrer liberalen Wirtschaftspolitik hätten den Aufstieg der exportorientierten deutschen Wirtschaft schließlich erst ermöglicht. Dafür, so gab Sinn zu bedenken, könne die Europäische Union sich auch auf die Briten zu bewegen. „Freier Außenhandel und freie Migration sind nicht unteilbar“, kritisierte er die Haltung der EU.

Zuvor hatten Uni-Rektor Johannes Wessels, Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, der Dekan der „Schwester-Fakultät“ Jura, Prof. Klaus Boers, und die Fachschaftsvorsitzende Anne Langen gratuliert; die Doktorandin Linda Loberg setzte als Sängerin mit ihrem Mann den musikalischen Akzent im Hörsaal.

Draußen im Innenhof des Juridicums gab es bei der anschließenden Party der Fakultät mit Musik der Band „Old Kids on the Stocks“ des Absolventen und ZEB-Unternehmensgründers Bernd Rolfes weiter Musik aus eigener Produktion. Wie sagte Rektor Wessels? „Ein Juwi-Fest mit etwas anderem Altersdurchschnitt.“

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