Lesung in der Pension Schmidt
Sophie Passmann merkt sich die Gesichter

Münster -

Humorvolle Bekehrungsversuche von Sophie Passmann in der Pension Schmidt: Die Autorin des Buchs „Alte weiße Männer“ begeistert bei ihrer Lesung für Feminismus. Obwohl der Abend zunächst konfrontativ beginnt, endet er versöhnlich.

Mittwoch, 22.05.2019, 13:30 Uhr
Sophie Passmann hat das Buch „Alte weiße Männer“ geschrieben, arbeitet als Radiomoderatorin und als Autorin für Jan Böhmermanns Show „Neo Magazin Royale“.
Sophie Passmann hat das Buch „Alte weiße Männer“ geschrieben, arbeitet als Radiomoderatorin und als Autorin für Jan Böhmermanns Show „Neo Magazin Royale“. Foto: Gesa Born

Sophie Passmann lugt durch ein Fenster in der Pension Schmidt. Dass sie kurz vor der Lesung ihres Bestsellers „Alte weiße Männer – ein Schlichtungsversuch“ die draußen wartenden Besucher beobachtet, wissen zu dem Zeitpunkt nur diejenigen, die der jungen Autorin auf Instagram folgen. „Ich merke mir die Gesichter und ich gucke ganz genau, wer nicht interessiert aussieht“, verrät sie dort ihren Followern.

Ihr Buch, für welches Passmann den letzten Sommer über einflussreiche Männer zu Interviews traf, steht zwischen den Fronten: Die einen kritisieren, sie böte Männern ein Podium, während die anderen ihr vorwerfen, sie wäre herablassend zu diesen. Dabei gehe es ihr nach eigenem Bekunden darum, der „Punchline“ des „Alten weißen Mannes“ auf den Grund zu gehen.

Habeck im Elfenbeinturm

„Sind Sie ein alter weißer Mann? Und wenn ja, warum?“, lautet stets ihre Auftaktfrage. Das Kapitel über Grünenpolitiker Robert Habeck erntet Gelächter. Dieser schaffe es nicht, den Elfenbeinturm zu verlassen und führe ständig Wörter wie „Rollenperformanz“ ins Feld, amüsiert sich Passmann. Über den Chefredakteur der „Welt“ kommentiert sie hingegen: „Wenn Ulf Poschardt über Frauen spricht, ist es ein bisschen so, als würde man sich einen Ficus ins Büro stellen. Frauen – für mich ein Interior-Tipp!“

Auch mit ihrem Vater unterhält sich Passmann für das Buch über Männerbünde. Dabei plaudert sie aus dem Nähkästchen: Ihr Chef Jan Böhmermann habe irgendwann angefangen, ihrem Vater auf Twitter zu folgen. „Papa Passmann“, ganz die alte Schule, schickte diesem daraufhin via Privatnachricht die – nach Passmanns Meinung – mehr als antiquierte Begrüßung: „Enchanté, Herr Böhmermann!“.

Mehr Männer als sonst

Als Passmann ins Publikum fragt, wer nur als Begleitung hier sei, traut ein Einzelner sich zu melden. Sie sei ihm nicht böse, er habe die Karte ja schon bezahlt, frotzelt sie und trinkt einen Schluck Riesling. „Ich schaue, ob ich diese Leute bekehren kann, wenn sie über einen Gag lachen, obwohl sie gar nicht wollen“ legt die Autorin ihre Strategie offen. In Münster seien vergleichsweise viele Männer anwesend. Das sei selten und „wahnsinnig schön, denn häufig sind diese Lesungen, bei denen Feministinnen einer Feministin zuhören, wie den Papst katholisch zu machen.“

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