Interview mit Gitarrist Adriano Batolba
„Beim Rockabilly geht‘s um Energie“

Münster -

André Tolba ist die Nummer eins der deutschen Rock ’n‘ Roll-Gitarristen. Am 8. Juni stellt sein Adriano Batolba Trio das neue Album „How much does it cost if it’s free?“ im Hot Jazz Club vor. Zuvor hat er unserem Redakteur Pjer Biederstädt verraten, ob Stefan Raab wirklich Gitarre spielen kann, wie Sasha zu Dick Brave wurde und welche Rolle der Zufall beim Erfolg hat.

Donnerstag, 23.05.2019, 15:00 Uhr
André Tolba alias Adriano Batolba kommt zusammen mit Falko Burkert und Bernie Weichinger als Adriano Batolba Trio in den Hot Jazz Club.
André Tolba alias Adriano Batolba kommt zusammen mit Falko Burkert und Bernie Weichinger als Adriano Batolba Trio in den Hot Jazz Club. Foto: pd

André Tolba ist die Nummer eins der deutschen Rock ’n‘ Roll-Gitarristen. Und ein musikalischer Tausendsassa. Als Gitarrist von Sasha und Erfinder von Dick Brave & The Backbeats gab es goldene Schallplatten und einen Echo. 2011 spielte er mit Stefan Raab das Eröffnungslied des Eurovision Song Contests in Düsseldorf. Außerdem tourt er regelmäßig mit Peter Kraus oder ist mit seinem Adriano Batolba Trio unterwegs.

Am 8. Juni stellt das Trio das neue Album „How much does it cost if it’s free?“ im Hot Jazz Club vor. Zuvor hat er unserem Redakteur Pjer Biederstädt verraten, ob Stefan Raab wirklich Gitarre spielen kann, wie Sasha zu Dick Brave wurde und welche Rolle der Zufall beim Erfolg hat.

Wie es der Zufall will, findet heute das Finale des Eurovision Song Contests in Tel Aviv statt. Kommen da Erinnerungen an 2011 und ihren ESC-Auftritt in Düsseldorf hoch?

André Tolba: Ach stimmt, das ist heute. Ja, natürlich. Das war etwas Besonderes vor 70 Millionen Fernsehzuschauern. Was die Musik betrifft, bin ich aber gar nicht so ESC-affin.

Damals haben Sie zusammen mit Stefan Raab die Eröffnungsnummer - eine Rockabilly-Version von Lenas Siegerlied „Satellite“ aus dem Jahr 2010 - gespielt. Kann Raab eigentlich Gitarre spielen?

Tolba: Doch, doch. Kann er. Vielleicht ist er kein Virtuose, aber er kann schon gut spielen. Das war damals bei ESC live vorgetragen.

Ist Ihnen die große Bühne wie beim ESC oder die kleine, wie demnächst im Hot Jazz Club, lieber?

Tolba: Es sind schon zwei Paar verschiedene Schuhe, aber ganz generell gilt: Es kommt auf den Inhalt an. Wenn ich auf einer großen Bühne Rockabilly spielen kann, ist das cool. Wenn ich da Herzilein spielen muss, ist das nicht so cool.

Was dürfen die Leute im Hot Jazz Club vom Trio erwarten?

Tolba: Die Essenz des Rock ’n’ Roll – ohne schmückendes Beiwerk, ganz direkt. Jeder der drei Musiker muss auch als Solist bestehen können. Das Trio hat eine „raw power“, die auf dem kürzesten Weg dem Zuhörer vermittelt, worum es beim Rockabilly geht: Energie.

Wie ist eigentlich der Name Adriano Batolba entstanden?

Tolba: Bei Dick Brave haben wir unsere Namen durch den Fleischwolf gedreht. Das geschah aus einer Bierlaune, ohne großen Plan. Als wir dann ein Album für Boppin‘ B produziert haben, wollte Universal, dass der Name beibehalten wird. Wenn ich in 20 Jahren etwas gelernt habe in dem Business, dann dass der Erfolg nicht planbar ist, sondern oft Zufall.

So wie die Geschichte mit Dick Brave?

Tolba: Genau. Ich war mit Sasha auf Promo-Tour in den USA unterwegs. Das war die Zeit, als er gerade mit „If you believe“ großen Erfolg hatte. Abends haben wir immer ein wenig gejammt, Sasha hatte ein paar Elvis-Nummern drauf, so kamen wir darauf, spaßeshalber mal eine andere Richtung einzuschlagen. Aber die Idee hat lange brach gelegen.

Bis wann?

Tolba: Beim Jahresabschlusskonzert, was wir immer im kleinen Rahmen für Freunde geben, haben wir dann solche Sachen und Rockabilly gespielt. Unser Manager sagte dann: Ihr seid doch doof, wenn ihr das nur einmal macht. Dann kam die Nummer mit den Namen und wir hießen Dick Brave & The Backbeats.

Und dann?

Tolba: Dann haben wir erstmal in kleineren Läden gespielt, zum Beispiel im Gleis 22 in Münster. Durch den Kontakt zu Stefan Raab haben wir später eine Woche als Studio-Band bei „TV Total“ gespielt, bei der Wok-WM von Raab mitgemacht und gewonnen. Das war natürlich super Werbung für die Band. Dann ging es durch die Decke. Wieder so ein Zufall.

Sie sind Produzent, gehen mit Peter Kraus auf Tour, geben Kurse für Musiker und sind mit dem Adriano Batolba Trio unterwegs. Wie kriegt man das unter einen Hut?

Tolba: Mit viel Planung und Koordination. Ich habe gut zu tun. Besser so als umgekehrt. Man muss heute als Musiker breit aufgestellt sein. Die Menschen sind ja nicht mehr bereit, für Musik zu bezahlen. Es gibt alles auf Streaming-Portalen, und diese Deals sind für die Künstler alles andere als gut. Und dann kommen auch noch Bands wie U2, die mal eben ihr Album verschenken. Das halte ich für ziemlich verwerflich, weil es den kleinen Bands schadet.

Was kann man tun?

Tolba: Ein Boykott von Spotify und Co. bringt nichts. Die sind etabliert. Am besten wäre eine Musikergewerkschaft. Aber das ist ein weiter Weg.

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8. Juni (Samstag), 21 Uhr, Hot Jazz Club, Hafenweg 26b, VVK 14 €, AK 18 €

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