Borchert-Theater zeigt politische Groteske
„Europa verteidigen“ mit Humor und Musik

Münster -

„Europa verteidigen“ heißt es ab Donnerstag im Wolfgang-Borchert-Theater, dann ist die Premiere der politischen Groteske von Konstantin Küspert.

Donnerstag, 23.05.2019, 14:16 Uhr
Traum von Europa? Das Borchert-Theater fragt, „was eigentlich von der europäischen Idee übrig geblieben ist“.
Traum von Europa? Das Borchert-Theater fragt, „was eigentlich von der europäischen Idee übrig geblieben ist“. Foto: Silvia Drobny

„Europa verteidigen“ heißt es ab Donnerstag im Wolfgang-Borchert-Theater, dann ist die Premiere der politischen Groteske von Konstantin Küspert. Tanja Weidner inszeniert unter Mitarbeit von Isabel Nagel die Collage aus Mythologie, Schlaglichtern auf die Geschichte Europas und Aussagen von heutigen Europäern. Es soll frech, unkonventionell und mit mitreißenden Songs verhandelt werden, was Europa heute bedeutet und ob man es verteidigen sollte.

Europa heißt das schöne Mädchen, das vom Göttervater Zeus aus dem Libanon über das Meer entführt und am Strand von Kreta brutal geschändet wird. Ihr sagt Aphrodite angesichts von Europas Hoffnungslosigkeit eine große Zukunft voraus: „Glaub’ an die Zukunft, an Sicherheit, an das Ende von Gewalt.“

Fünf „Zeitgenossen“ stehen bei Küspert auf der Bühne, sind Sprecher für unterschiedliche Positionen und Generationen: Heinrich, der als junger Mann in den Krieg ziehen musste, findet die EU großartig. Der 96-jährige Greis findet sie „großartig“: Sein Sohn musste nicht töten, wurde nicht getötet, weil ein beispielloses multilaterales Abkommen gegenseitige Sicherheit und Wohlstand in Europa garantiert. Und Heinrich träumt jetzt wieder oft vom Krieg. Die jüngeren Spieler in Küsperts Stück dagegen sind sich ihrer Position nicht mehr so sicher. Der Autor vereint in „Europa verteidigen“ drei Erzählstränge: Mythologie, Monologe von Zeitgenossen im Hier und Jetzt sowie Schlaglichter kriegerischer Auseinandersetzungen und der Dämonisierung von Fremden aus der europäischen Historie vom Heiligen Römischen Reich bis zu einer nur leicht in die Zukunft projizierten Zeit, in der eine Militärflotte unter europäischer Flagge Flüchtlingsboote im Mittelmeer versenkt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der junge Dramatiker Konstantin Küspert eröffnet in seinem 2016 entstandenen Wechselspiel zwischen unterschiedlichen Erzählverfahren, ein reizvolles Spiel: Er schafft einen gedanklichen Raum, umkreist die europäische Idee, formuliert Fragen angesichts einer Gegenwart, die Europa als Gemeinschaft auf den Prüfstand stellt. Küspert wurde zu zahlreichen Festivals und Förderprogrammen eingeladen. Seine Stücke werden mittlerweile an mehreren renommierten Bühnen gespielt.

Es spielen Florian Bender, Rosana Cleve, Johannes Langer, Ivana Langmajer und Jürgen Lorenzen.

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Die Premiere ist am Donnerstag (23. Mai) um 20 Uhr im Borchert-Theater, Am Mittelhafen 10. Karten: ' 40019.

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