Gregor Gysi zu Gast im Bürgerhaus Kinderhaus
Rückblick auf sechs Leben – bislang

Münster -

Ob ihm die „vielen Auftritte in Fernseh-Talkshows Spaß gemacht“ haben, möchte Moderator Hans-Dieter Schütt von Gregor Gysi wissen. „Nein überhaupt nicht“, antwortet der Politiker der Partei Die Linke.

Samstag, 25.05.2019, 09:33 Uhr aktualisiert: 25.05.2019, 09:40 Uhr
Gregor Gysi sprach frei über Biografie und Politisches.
Gregor Gysi sprach frei über Biografie und Politisches. Foto: klm

Ob ihm die „vielen Auftritte in Fernseh-Talkshows Spaß gemacht“ haben, möchte Moderator Hans-Dieter Schütt von Gregor Gysi wissen. „Nein überhaupt nicht“, antwortet der Politiker der Partei Die Linke. Er habe sich anders darstellen wollen, als er in Öffentlichkeit nach der Wende wahrgenommen worden sei. „Die Mehrheit der Bevölkerung in Ost und West lehnte mich ab. Da fängt man an, um Akzeptanz zu ringen“, so Gysi. Und: „Weil ich mich netter fand“, als er dargestellt worden sei.

Mit Humor, politischen Einschätzungen und einem Blick auf seine Biografie unternahm der Bundestagsabgeordnete am Donnerstagabend im Bürgerhaus Kinderhaus eine Rückschau auf seine bisher „sechs Leben“, wie der 71-Jährige sagte. Auf Kindheit, Jura-Studium, Arbeit als Rechtsanwalt in der DDR, die Zeit der Wiedervereinigung und als Politiker – in Kapiteln.

Anlass war die Vorstellung seines aktuellen Buches „Ein Leben ist zu wenig“. Im Sessel-Gespräch auf der Bühne des ausverkauften „Kap.8“ vor rund 450 Zuhörern beantwortete Gysi Fragen von Journalist Schütt, ehemaliger Feuilleton-Redakteur der Zeitung Neues Deutschland. „Ich merkte, dass ich Interesse hatte für Organisationen, die Probleme haben“, sagte Gysi mit leichter Ironie, warum er den letzten Vorsitz der Staatspartei SED übernahm. Schütt: „Wenn das so weiter geht mit der SPD heute . . .“ Gysi: „. . . dann muss ich sie übernehmen.“ Lachen im Publikum. Gysi – bekannt als wortgewandt – wechselte im rund 90-minütigen Dialog von humorvollen Kommentaren fließend zu ernsten Themen. Die BRD etwa habe – im Rückblick – „den Ostdeutschen das Erlebnis Westdeutscher, dass sich deren Lebensqualität durch Übernahme von Errungenschaften aus dem Osten erhöht, nicht gegönnt“, meinte Gysi. Darin sehe er einen Grund für noch existierende Vorbehalte von Ost- gegenüber Westdeutschen.

Der gebürtige Berliner erzählt von den Eltern, die Verleger waren, streut ab und an gerne ein „Icke“ ein und formuliert kurz vor der Wahl zum EU-Parlament politische Forderungen seiner Partei. Gründe, zur Wahl zu gehen, nennt Gysi mit spürbarer persönlicher Überzeugung. Etwa: „Weil es noch nie einen Krieg zwischen zwei EU-Staaten gegeben hat. Die europäische Geschichte war vorher geprägt davon.“

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