Lyrikertreffen im Kleinen Haus
Gelungener Auftakt mit „Lyrikhasserin“ Anneke Brassinga

Münster -

Eine „Lyrikhasserin“ sei Anneke Brassinga ursprünglich gewesen, sagte Moderator Hermann Wallmann zu Beginn über seinen Gast – eine würdige „Vertretung“ für Cees Nooteboom, der absagen musste. Erst über ihre Arbeit als Übersetzerin habe sich die Niederländerin 1987 die lyrische Form angeeignet. Die Leidenschaft, welche aus anfänglicher Abneigung wurde, konnte das Lyrik-Publikum im Kleinen Haus erleben; ein gelungener Auftakt des Lyrikertreffens, das nun seit 40 Jahren im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindet.

Samstag, 25.05.2019, 15:45 Uhr aktualisiert: 25.05.2019, 16:06 Uhr
Lyrikertreffen im Kleinen Haus : Gelungener Auftakt mit „Lyrikhasserin“ Anneke Brassinga
Anneke Brassinga (Mitte) mit Moderator Hermann Wallmann und Rezitatorin Anna Eble. Foto: Arndt Zinkant

Neben Brassinga lasen vor der Pause „nur“ noch Thilo Krause und die Engländerin Jo Shapcott. Die Veranstalter wollten die Marathon-Lesungen vergangener Jahre bewusst auf kürzere Hör-Strecken reduzieren. Das war ebenso zu begrüßen wie die wunderschönen „Poesie-Filme“, die auf der Leinwand Gedichtrezitation mit Animationen verbanden. Das hätte man den ganzen Abend anschauen können.

Aber in puncto Bildstärke konnten die Gedichte von Anneke Brassinga ebenfalls begeistern. „Metamorphinistin“ sei die Dichterin schon genannt worden, schmunzelte Moderator Hermann Wallmann – und auch die so Bezeichnete sprach wiederholt vom „Sucht“-Faktor, der im Dichten wie in der Sprache selbst liege. Bizarre Metaphern standen neben süffigen Lautmalereien, die sogar in der deutschen Übersetzung staunen machten. Brassinga machte dichterische Schlenker zu bildender Kunst oder Musik; etwa wenn sie ein Trio Joseph Haydns sprachlich nachempfand – mit einem pompösen Metaphern-Strom, welcher den Wiener Klassiker Haydn ziemlich barock wirken ließ. Anna Eble sorgte für kultivierte Rezitation auf Deutsch.

Die Lyrik von Jo Shapcott, 66-jährige Professorin für kreatives Schreiben, hat in Jan Wagner einen renommierten Übersetzer, dessen Verse simultan auf der Leinwand erschienen. Während Shapcott sich die sprichwörtliche „Mad Cow“ satirisch anverwandelte, wurde ein Bienenstock ihr zum originellen Symbol: für Beziehung, Verlassenheit, Gesellschaft und die eigene Körperlichkeit; Moderator Hans Jürgen Balmes fragte sensibel und kenntnisreich.

Eröffnet hatte den Abend der 42-jährige Wirtschaftsingenieur und Dichter Thilo Krause, dessen kurze, prägnante Alltagsbeschreibungen sich hintergründiger gaben, als sie im ersten Moment erschienen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6638658?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker