Theaterwerkstatt im Kreativ-Haus zeigt „Fabian“
Auf der Suche nach Leben

Münster -

Berlin 1929: Die Menschen leiden unter der Wirtschaftskrise. Das Morgen ist unsicher, das Brot teuer, die Frauen wohlfeil. In diesen Strudel aus Not und billigen Vergnügungen gerät Fabian. Zusammen mit seinem Freund Labude grast er die Stadt ab, auf der Suche nach Leben, nach Liebe, wonach auch immer. Erich Kästner erzählt die Geschichte in seinem 1931 erschienenen Roman „Fabian“. Gottfried Greiffenhagen hat daraus ein Theaterstück gemacht, das am Freitag von der Theaterwerkstatt im Kreativhaus auf die Bühne gebracht wurde.

Sonntag, 02.06.2019, 16:32 Uhr
Drei Damen umschwirren den Titelhelden Fabian.
Drei Damen umschwirren den Titelhelden Fabian. Foto: Tim Bierbaum

Regisseur Tim Bierbaum setzt bei den Kostümen auf Zeitkolorit, kommt ansonsten aber mit wenigen Requisiten aus. Mobile weiße Stellwände markieren Schauplätze wie Büros, Cafés, Nachtclubs, Pensionszimmer oder Zeitungsredaktionen. Das ist geschickt gemacht und lässt den Darstellern Raum für ihr Spiel. Zudem dienen die Stellwände als Leinwand für historisches Filmmaterial. Nazis sieht man gegen Kommunisten anmarschieren, die Hautevolee vergnügt sich in Ballsälen, während sich arbeitslose Massen vor den Schaltern der Wohlfahrt drängen.

Beachtliches leisten die Amateurschauspieler bei der Figurenzeichnung. Allen voran Christian Fiege als Fabian, der sich zunächst darauf beschränkt, das Geschehen mit feiner Ironie zu kommentieren. Als er sich in Cornelia verliebt, wird auch sein Gestus ernsthafter und bekommt schließlich dramatische Züge, als diese ihn verlässt, um beim Film Karriere zu machen. Ebenso überzeugend vollzieht Isabella Reißberg als Cornelia die Verwandlung vom romantischen zum pragmatischen Mädchen – eine Verwandlung, die ihr die Verhältnisse abverlangen, wie angedeutet wird.

Bei Matthias Kaulartz als Labude ist es die Wissenschaft, die ihm das Kreuz bricht. Dass ihn seine Verlobte verlässt, scheint er noch zu verkraften. Als man ihm mitteilt, dass seine Doktorarbeit abgelehnt wurde, jagt er sich eine Kugel in den Kopf. Zwei Schicksalsschläge sind einer zu viel. In mehreren Rollen glänzt Rolf Heitmann und legt große Wandlungsfähigkeit an den Tag. Das gilt auch für Silvia Eid, Juliane Schopf und Anna Küppers, die als Damen um Fabian herumschwirren und für Komik sorgen.

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Weitere Vorstellungen: 27. Juni im Kreativhaus und 29. Juni in der Studiobühne, jeweils 20 Uhr

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