Wechsel an der Spitze
Lewes Zeit als Städtetagspräsident geht zu Ende

Münster -

Eineinhalb Jahre war Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe Präsident des Deutschen Städtetages. Nun gibt er sein Amt ab. Doch auch sein designierter Nachfolger hat einen Münster-Hintergrund.

Dienstag, 04.06.2019, 08:00 Uhr
Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe war seit Januar 2018 Präsident des Deutschen Städtetages.
Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe war seit Januar 2018 Präsident des Deutschen Städtetages. Foto: Oliver Werner

Der Wechsel ist turnusgemäß vereinbart und wird am Donnerstag (6. Juni) während der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Dortmund über die Bühne gehen. Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) legt sein Amt als Städtetagspräsident nach eineinhalb Jahren nieder.

Nachfolger soll Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) werden. Mit ihm stünde zum ersten Mal ein Vertreter einer ostdeutschen Stadt an der Spitze des Städtetages. Jung, geboren in Siegen, studierte Germanistik und Evangelische Theologie in Münster.

Lewe will als Vizepräsident kandidieren

Das Ehrenamt des Städtetagspräsidenten ist auf zwei Jahre befristet. Das Vorschlagsrecht wechselt zwischen den Parteien, in diesem Jahr ist die Gruppe der SPD-Oberbürgermeister an der Reihe. Lewe wird als Vizepräsident kandidieren. CDU-Kreise denken darüber nach, ihn in zwei Jahren erneut als Präsidentschaftskandidaten vorzuschlagen. So war die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth gleich mehrfach Präsidentin des Städtetages.

Zur Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in Dortmund werden von Dienstag bis Donnerstag 1300 Delegierte erwartet. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet haben sich als Redner angekündigt.

Große Herausforderungen für Städte und Gemeinden

Lewe wird am Mittwoch direkt nach dem Bundespräsidenten sprechen. Dabei wird Münsters OB die großen Herausforderungen für die Städte und Gemeinden, wie die Mobilitätswende, die Schaffung von Wohnraum, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Finanzierung der Unterbringung von geflüchteten Menschen, thematisieren.

Sorgen bereitet Lewe die erneute Belastungsprobe für die Koalition in Berlin nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Nahles. „Die Hintergründe ihres Rücktritts, wie sie sie beschrieben hat, machen mich betroffen“, sagt er.

Lewe setzt auf Vertrauen und beschwört die Kräfte des Zusammenhalts („Es fliegt gerade viel auseinander“). Er befürchtet, dass die Politik zu sehr auf aktuelle Themen schaut und den Blick für das große Ganze verliert.

Kommentar

Kein Zweifel, er hat es gut gemacht. Knapp zwei Jahre war Markus Lewe der Präsident des Deutschen Städtetages und der oberste Repräsentant des kommunalen Spitzenverbandes, der 3400 Städte und Gemeinden in ganz Deutschland vertritt. Ob Berlin oder Brüssel, Lewe verhandelte auf Augenhöhe mit Bundesregierung, Bundestag und Europäischer Union.

Für die Stadt bedeutete Lewes Spitzenamt Reputation. Das Medieninteresse am „vorbildlichen Münster“, wo keine fünf Prozent die AfD wählen und das für manche immer noch die Insel der Glückseligen im Vergleich zu anderen Großstädten ist, wächst. Dass Lewe aus dem Amt scheidet, liegt am System. Für die nächsten zwei Jahre ist ein SPD-Oberbürgermeister an der Reihe. Gut möglich, dass Lewe danach ein Comeback geben wird.

Das Präsidentenamt gibt Lewe ab. Die großen Herausforderungen, die der Städtetag formuliert hat, bleiben ihm. Und zwar vor Ort, hier in Münster! Es fehlen bezahlbare Wohnungen und eine zeitgemäße Mobilität in der Stadt. Der Oberbürgermeister kann sich wieder uneingeschränkt auf das Führen der Verwaltung konzen­trieren, was bei einigen Themen auch höchste Zeit wird.

Ralf Repöhler

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