Städtisches Projekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“
Der Versuch wird zum Alltag

Münster -

So langsam zeigt sich bei Familie Radefeld, wie sich der Alltag eines Mehrpersonenhaushalts klimafreundlicher gestalten lässt. Die Familie nimmt an einem städtischen Projekt zum Klimaschutz teil und ist dabei ganz schön umtriebig.

Mittwoch, 05.06.2019, 09:00 Uhr
Kernseife ist eine Zutat für das eigens in der Familie hergestellte Waschmittel. Das schont letztlich nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.
Kernseife ist eine Zutat für das eigens in der Familie hergestellte Waschmittel. Das schont letztlich nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Foto: Björn Meyer

Seit rund fünf Monaten nimmt die sechsköpfige Familie Radefeld aus Mecklenbeck am städtischen Projekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“ teil. Und das geht nicht einfach so nebenher: „Wir hatten ganz schön viele Termine in den vergangenen Wochen“, sagt Sibylle Radefeld. Doch nicht nur das, aus Überlegungen sind zudem einige konkrete Vorhaben geworden. Nach genauer Prüfung wurde ein neuer, umweltfreundlicherer Gefrierschrank angeschafft. Zudem werden demnächst 70 Prozent des Strombedarfs von einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach der Radefelds generiert.

Doch bei allem Enthusiasmus, es gibt vor allem eine Hürde. „Es geht darum, die Dinge auch wirklich in den Alltag zu integrieren“, betont Sibylle Radefeld und gibt als Beispiel das neue Waschmittel der Familie an. Denn das produzieren die Radefelds neuerdings selbst. „Klar ist es erstmal leichter, in den Supermarkt zu gehen und es aus dem Regal zu nehmen“, sagt Sibylle Radefeld und schiebt hinterher: „Aber wenn man erstmal alles zu Hause hat, um es selber zu machen, rentiert sich das.“ Kernseife, Waschsoda, Wasser und etwas ätherische Öle – fertig ist das Radefeld‘sche Waschmittel, das ohne Verpackung und Weichmacher auskommt.

Ausdrückliches Lob

Dabei nehmen die Radefelds wahr, dass umso länger das städtische Projekt läuft, bei dem ausgesuchte Familien von Anbietern nachhaltigerer Produkte und Lösungen gezielt Tipps und Angebote erhalten, desto „mehr hinterfragen wir“, sagt Jürgen Radefeld. Im Bereich der Mobilität ist es vor allem der neue Bahnhaltepunkt in Mecklenbeck, den Jürgen Radefeld nach einer Zugfahrt mit seinem Rad ausdrücklich lobt.

Beim Thema Müllvermeidung ist für den Familienvater sowieso klar, wer das Sagen hat: „Die Käufer sind letztlich die, die bestimmen, wo es langgeht.“ Beeindruckend sei in diesem Zusammenhang der Deponie-Erlebnispfad in Coerde gewesen. Dort sehe man, wie im Laufe der Zeit die Mülltonnen immer größer geworden sind, sagt Sibylle Radefeld und gibt zu, schockiert gewesen zu sein.

Mit Defektem ab ins Repair-Café

Dementsprechend soll im Hause Radefeld nicht nur wieder mehr selber produziert werden, es soll auch nicht immer gleich etwas Neues sein. Beim Repair-Café erlebte Jürgen Radefeld jüngst, wie dort Fachleute mit viel Engagement den Bürgern helfen, ihre defekten Gegenstände wieder fit zu machen. Die Zusammenfassung des Ganzen ist einfach: „Die größte Hürde ist einfach nur die im Kopf“, sagt Sibylle Radefeld.

Das kommt mittlerweile übrigens auch bei den Kindern der Radefelds an. Der jüngsten Tochter Leni – am Anfang nicht unbedingt Feuer und Flamme für das Projekt – mache vieles mittlerweile richtig Spaß, freut sich Mutter Sibylle.

Weniger Müll produzieren

Und was sagen die Radefelds zu den aktuellen Entwicklungen in Münster. Abseits von der Klimabewegung „Fridays for Future“ und dem vom Rat ausgerufenen Klimanotstand war das jüngst vor allem die Ankündigung, dass in der Stadt demnächst die Wertstofftonne eingeführt ist. „Eigentlich gut“ und „schon okay“, lauten die Urteile von Sibylle und Jürgen Radefeld. „Aber“, sagt die vierfache Mutter: „Es ist noch wichtiger, vorne anzufangen. Und das bedeutet, erst gar nicht so viel Müll zu produzieren.“

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