Abendvisite: Experte rät zum Screening
Die Schlagader: Bis zum Reißen gespannt

Münster -

Was ist der Unterschied zwischen Darmkrebs und einem Bauchaortenaneurysma? Beides ist ähnlich häufig und ähnlich gefährlich. Aber nur auf Darmkrebs lässt man sich vorsorglich untersuchen. Dabei geht das bei einem Aneurysma viel einfacher . . .

Mittwoch, 05.06.2019, 15:02 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 18:12 Uhr
Der Gefäßchirurg Prof. Dr. Alexander Oberhuber (r.) rät zu regelmäßigem Ultraschall-Screening der Schlagader, um ein Aneurysma zu erkennen und einem Riss vorzubeugen. Redakteur Lukas Speckmann moderierte die Abendvisite im Saal der Bezirksregierung.
Der Gefäßchirurg Prof. Dr. Alexander Oberhuber (r.) rät zu regelmäßigem Ultraschall-Screening der Schlagader, um ein Aneurysma zu erkennen und einem Riss vorzubeugen. Redakteur Dr. Lukas Speckmann moderierte die Abendvisite im Saal der Bezirksregierung. Foto: Matthias Ahlke

Der Schlussappell: knapp und sehr eindringlich. „Lassen Sie sich scannen“, gibt Prof. Dr. Alexander Oberhuber seinen Zuhörern mit auf den Weg. Denn eine einfache Ultraschalluntersuchung könne Leben retten: „Wird dabei ein Aneurysma rechtzeitig festgestellt, kann es gut behandelt werden.“ Das Problem sei die unentdeckte Veränderung der Schlagader: „Wenn sie platzt, dann läuft die Zeit, dann wird es lebensgefährlich.“ 60 bis 70 Prozent aller Betroffenen, die dies zu Hause erleiden, sterben, weil sie nicht mehr rechtzeitig in klinische Behandlung kommen.

„Erkrankungen der Schlagader“ standen am Dienstagabend im Blickpunkt der Abendvisite. Rund 100 Besucher informierten sich über Diagnose und Therapie, aber auch über Risiken und Symptome, die Betroffene ernst nehmen sollten. Prof. Dr. Alexander Oberhuber leitet die Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Münster. Und bedauert sehr, dass das Thema Aneurysma noch so gar nicht in der Vorsorge angekommen sei: „Darmkrebs ist ebenso häufig, die Vorsorge anerkannt. Bei Brustkrebs ist es die Mammografie, auch das Hautkrebs-Screening wird beworben.“ Das unspektakuläre Screening für ein Aneurysma dagegen sei gerade mal für Männer ab 65 Jahren als Kassenleistung anerkannt. Darauf hingewiesen würden die Patienten aber längst nicht in demselben Umfang wie bei anderen Erkrankungen.

Unter einem Aneurysma versteht man die Erweiterung der Hauptschlagader. Im Bauchraum zum Beispiel dürfe sie zwei Zentimeter messen, bei über drei Zentimetern spreche man schon von krankhaften Veränderungen. Der Gefäßchirurg nutzte dabei den Vergleich mit einem Luftballon: „Je dicker er wird, umso dünner werden die Wände, der Druck steigt. Und damit erhöht sich das Risiko, dass die Schlagader reißt.“

Das große Problem: Beschwerden treten zumeist erst dann auf, wenn es richtig schlimm wird. „Plötzlicher stechender Rückenschmerz oder heftigste Bauchschmerzen können ein Hinweis darauf sein. Da muss man unbedingt reagieren“, unterstreicht der Experte. Dass Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen, haben Untersuchungen und Studien bewiesen. Aber auch familiäre Belastung, Rauchen, Arteriosklerose, hohe Blutfettwerte und hoher Blutdruck können ein Aneurysma begünstigen.

Wird es – zum Beispiel durch eine Ultraschalluntersuchung – festgestellt, muss nicht gleich operiert werden. „Kontrolle und Beobachtung reichen gerade am Anfang, denn das Wachstum überschreitet oft nicht mehr als ein bis zwei Millimeter pro Jahr.“ Das ließe sich durch regelmäßige Kontrollen gut beobachten.

„Wir operieren, um einen Notfall zu vermeiden“, macht der Mediziner deutlich. Zwei Methoden stünden zur Verfügung: der Bauchschnitt  oder der minimal-invasive Eingriff. „Natürlich müssen auch die Risiken besprochen und abgewogen werden.“ Nach einem Bauchschnitt sei die Verweildauer im Krankenhaus deutlich höher, das Aneurysma könne aber in der Regel komplett entfernt werden. Bei der minimal-invasiven Alternative könnten Patienten meist nach fünf bis sieben Tagen nach Hause, sind schneller wieder fit, das Aneurysma könne sich aber nach Jahren vielleicht wieder bilden.

Diese schonendere Methode sei vor allem aber für ältere Menschen gut geeignet.

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