Ascheberger wegen Untreue und Betrug angeklagt
Sohn wegen Hilfe für Vater angeklagt

Münster -

Als Mitwisser sowie als zeitweiliger Geschäftsführer einer Werbefirma soll ein 38-Jähriger aus Münster seinem Vater (68) bei Untreue, Betrug und Bankrott geholfen haben. Seit Mittwoch wird der Fall des Münsteraners und seines Vaters aus Ascheberg am Landgericht verhandelt.

Mittwoch, 05.06.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 20:10 Uhr
 
  Foto: dpa

Mehr als 100 Taten führte die Staatsanwältin beim Prozessauftakt an, bei denen der Vater – ein gelernter Maler – unter anderem Geld aus der Firmenkasse „für rein private Zwecke“ genommen haben soll. Und das, obwohl sich der Betrieb mit Sitz in Drensteinfurt „längst in einer Krise befunden hat und überschuldet war“.

Der 68-Jährige soll etwa frühere Bundeswehr-Kumpels in ein Vier-Sterne-Hotel in Iserlohn für drei Tage eingeladen haben – samt Programm mit gebuchter Moderatorin für insgesamt über 5000 Euro. Bezahlt habe er erst, als das Hotel eine Inkassofirma eingeschaltet habe. „Er wollte vor seinen Kollegen als erfolgreicher Geschäftsmann dastehen“, sagte die Staatsanwältin.

Ähnlich sei es privat gelaufen, weil der Mann „Frauen beeindrucken“ wollte, hieß es weiter. Er habe wohl gemeint, dass das „mit Geld“ besser gehe. Zum Beispiel sei ein Zeltaufbau für den Garten gekauft worden, zudem sollen diverse Umbauten am Privathaus gemacht worden sein, obwohl die Firmenkasse das gar nicht mehr zugelassen habe. Dann wiederum habe der 68-Jährige – zu der Zeit Vorstandsmitglied eines Ahlener Hundevereins – von Firmengeld privat einen Hundeanhänger für über 3000 Euro angeschafft.

Der Sohn aus Münster schwieg zu den Vorwürfen gegen seinen Vater und damit auch gegen ihn selbst. Insgesamt sei „durch die Taten ein Schaden von rund 150 000 Euro entstanden“, heißt es in der Anklage. Der 68-Jährige ließ durch seinen Anwalt erklären, dass sein Sohn zwar als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen gewesen sei, er selbst aber tatsächlich den Betrieb geführt habe. „Er hat seinem Vater vertraut und ihn handeln lassen“, sagte der Anwalt des Vaters.

Zu den Vorwürfen gehört auch, dass teilweise Sozialversicherungsbeiträge für Mitarbeiter von der Firma nicht gezahlt und Vermögenswerte dem Insolvenzverwalter vorenthalten worden sein sollen.

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