Münsters OB empfängt beim Städtetag Bundespräsidenten
Lewe fährt auf Verkehrswende ab

Münster/Dortmund -

Die Ankunft des Bundespräsidenten bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages verzögert sich. Um sich die Wartezeit zu vertreiben, schnappt sich Markus Lewe kurzerhand einen Elektroroller und dreht ein paar Runden. Später fordert Münsters Oberbürgermeister die Verkehrswende ein.

Mittwoch, 05.06.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 08:35 Uhr
Markus Lewe, Präsident des Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster, testete am Mittwoch vor der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages einen Elektroroller.
Markus Lewe, Präsident des Städtetages und Oberbürgermeister der Stadt Münster, testete am Mittwoch vor der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages einen Elektroroller. Foto: dpa

Die Ankunft des Bundespräsidenten bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages verzögert sich, auf den Straßen rund um die Dortmunder Westfalenhalle ist am Mittwochmorgen viel los. Um sich die Wartezeit zu vertreiben, schnappt sich der Präsident des Städtetages, Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, kurzerhand einen der Elektroroller, mit denen ein Unternehmen vor der Halle für die im Aufwind begriffene Branche wirbt, und dreht ein paar Runden. Sein Tübinger Amtskollege Boris Palmer zückt das Smartphone – und filmt Lewes Rollerrunden.

Danach dominiert wieder das Protokoll. Der Bundespräsident fährt vor, Lewe begrüßt ihn, die beiden lachen herzlich, dann geht es zu den 1300 Delegierten in die Halle. „Zusammenhalten in unseren Städten“ lautet das Motto des 40. Städtetages, dem zum vorerst letzten Mal Lewe (CDU) als Präsident vorsteht.

Turnusmäßig übernimmt am Donnerstag voraussichtlich der Leipziger SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung. „Das Amt ist ein Türöffner gewesen“, sagt Lewe später mit Blick auf das Netzwerk, das er in den vergangenen zwei Jahren knüpfen konnte. „Super-spannend“ sei die Zeit gewesen, „unglaublich viel“ erreicht worden.

Lewe bezeichnet es als „Ehre“, den Bundespräsidenten begrüßen zu dürfen. Es fallen die Worte „Vater der kommunalen Familie“. Irgendwie ist das an diesem Tag auch Lewe, schließlich spricht er auf der Hauptversammlung für alle deutschen Kommunen.

Doch zunächst ist der Bundespräsident an der Reihe, er hält eine große Rede. Steinmeier beschwört den gesellschaftlichen Zusammenhalt, mahnt Respekt vor anderen Meinungen an, geißelt Hass und Hetze im Internet, lobt alle Bürger, die in den Kommunen „der Demokratie ihr Fundament gießen“. Dafür gibt es nach 45 Minuten stehende Ovationen.

Dann spricht Lewe. Seine Themen reichen von frühkindlicher Bildung über Wohnen, Mobilität und Digitalisierung bis zur kommunalen Finanzausstattung. Lewe bezeichnet Zugewanderte als „Bereicherung für unsere Städte“, warnt vor einem Scheitern der Grundsteuer-Reform, ruft 2019 zum Jahr aus, in dem die Verkehrswende Fahrt aufnimmt, fordert eine konzertierte Aktion, damit Wohnen nicht noch teurer wird. Auch er bekommt viel Applaus.

Nach seiner Rede bleiben Lewe nur wenige Minuten für das Mittagessen, das halbe Schnitzel lässt er liegen. Gleich fährt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vor, Lewe wird ihn am Halleneingang begrüßen.

Am Donnerstag ist die zweijährige Amtszeit von Lewe zu Ende, danach wird er für zwei Jahre Vizepräsident des Städtetages sein. Und danach, folgt dann eine zweite Amtszeit als Präsident? „Das ist für mich im Moment keine Frage. Bis dahin ist noch viel Zeit“, so Lewe gegenüber unserer Zeitung. „Nein“ hat er nicht gesagt.  

Kommentar zur Stadtpolitik

Münster erwähnte Oberbürgermeister Lewe in Dortmund kein einziges Mal – doch das musste er auch nicht, schließlich sprach er in seiner Funktion als Präsident des Deutschen Städtetages und damit für alle Kommunen. Dass sich seine Rede dennoch über weite Strecken wie ein Handlungsprogramm für Münster anhörte, zeigt, wie sehr sich die Herausforderungen ähneln, vor denen die Städte stehen. Bezahlbares Wohnen, Verkehrswende, Klimaschutz, Digitalisierung, gleichwertige Lebensverhältnisse: All dies sind Problemfelder, auf denen Lösungen her müssen. Nicht irgendwann, sondern schnell. Auch in Münster, das seine Ziele beim CO2-Ausstoß verfehlt hat, wochentags in Staus erstickt und als Wohnort für Normalverdiener zunehmend unerschwinglich wird. Gute Stadtpolitik schafft Zusammenhalt, betonte Lewe in Dortmund. Also: Ärmel hochkrempeln, Münster!

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