Maria 2.0
Frauen fordern Aufbruch

Münster -

Die Stühle im Pfarrzentrum an der Kristiansandstraße reichten nicht, um allen Interessierten bei der Podiumsdiskussion Platz zu bieten. Zum Thema „Wir lassen nicht locker. Anfragen an die Strukturen der katholischen Kirche“ hatten die kfd und der Pfarreirat der Kirchengemeinde St. Marien und St. Josef am Donnerstagabend eingeladen. Im Mittelpunkt: „Maria 2.0“

Freitag, 07.06.2019, 22:00 Uhr
Rund 300 Besucherinnen und Besucher kamen zu der Veranstaltung ins Pfarrzentrum St. Josef in Münster-Kinderhaus.
Rund 300 Besucherinnen und Besucher kamen zu der Veranstaltung ins Pfarrzentrum St. Josef in Münster-Kinderhaus. Foto: pbm

Ausgangspunkt waren die Forderungen der Initiative Maria 2.0: systemischer Zusammenhang zwischen kirchlichen Machtstrukturen und Missbrauch, Pflichtzölibat und Frauenordinariat. Andrea Voß-Frick, Initiatorin von Maria 2.0, erklärte Ursprung und die Ziele der Bewegung: die Einbeziehung der Frauen in der Kirche, mehr Transparenz und der Aufbruch der autoritären Hierarchie. „Wir warten nicht mehr, wir tun einfach“, erklärte Voß-Frick. Sie ist gespannt auf den vereinbarten Gesprächstermin mit Bischof Felix Genn. Am 6. Juli gibt es eine weitere Veranstaltung von Maria 2.0 an der Lambertikirche.

Professor em. Karl Gabriel vom Institut für Christliche Sozialwissenschaften resümierte, dass die Kirche sich selbst im Weg stehe. Er erinnerte an die Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils der 60er-Jahre, deren Umsetzung bereits den Lösungsweg aus der Kirchenkrise bedeuten würde. Schrittweise Frauen mehr Macht in der Kirche zu geben, sei heute notwendiger denn je, auch wenn Macht abzugeben in der Kirche den Klerikern so schwer falle.

Warnung vor überstürztem Handeln

Als Leiterin der Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz sprach Dr. Aurica Jax. Sie wies mehrmals auf eine Veranstaltung am 27. und 28. September in Siegburg hin, zu der Alle Frauen eingeladen sind, sich über Gewalt gegen Frauen in Kirche und Orden auszusprechen.

Maria 2.0-Mahnwache am Dom

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  • Frauenprotest vor dem Dom in Münster:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 700 bis 800 Frauen beteiligten sich an der Mahnwache, zu dem die Initiative maria 2.0 aufgerufen hatte.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Frauen protestieren gegen den Missbrauch in der Kirche und die von Männern beherrschten Strukturen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache beginnt ein einwöchiger Streik, bei dem die teilnehmenden Frauen keine Kirche betreten und keine Dienste verrichten wollen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache vor den Kirchenmauern wollen die Initiatorinnen aus Münster „die Realität der Frauen in der Kirche sichtbar machen, dass Frauen ausgeschlossen sind“.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen der Aktion auf dem Domplatz

    Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke
  • Maria 2.0-Mahnwache am Dom Foto: Matthias Ahlke

Ulrich Messing als Leitender Pfarrer der Gemeinde begrüßte, dass der Wandel von unten komme: Es sei wichtig, sich gemeinsam um die Kirche zu sorgen. Er warnte vor überstürztem Handeln, weil er Spaltung befürchte.

Begünstigung der sexualisierten Gewalt

Anne Hakenes, Vorsitzende des Trägervereins des 101. Katholikentags und des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), bezog kritisch Stellung zu Maria 2.0, wobei Voß-Frick versuchte, Missverständnisse auszuräumen. Hakenes wünscht sich eine bescheidenere Darstellung von Bischöfen und Erzbischöfen. Dr. Andrea Qualbrink aus dem Bistum Essen sieht im Kirchensystem eine Begünstigung der sexualisierten Gewalt. Gespräche auf Augenhöhe würden durch das System erschwert. Es sei wichtig, Dinge einfach auszuprobieren und sich zu ermächtigen – wie Maria 2.0.

Dr. Jochen Reidegeld als stellvertretender Generalvikar des Bistums benannte Widerspruch als höchste Form der Loyalität, wozu er Maria 2.0 zähle. Er warnte vor Schwarz-Weiß-Malerei beim Blick auf die Kleriker. Er befürwortete das Frauen-Diakonat und betonte, dass der Pflichtzölibat kein göttliches Gesetz sei. Hier waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, ebenso bei der Forderung nach Demokratisierung und Gewaltenteilung in der Kirche. Aus dem Publikum wurden Stimmen der Enttäuschungen über die Kirche und den Mangel an jugendlichem Nachwuchs laut.

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