Vorschläge für bessere Bäder
Länger geöffnet, wärmeres Wasser

Münster -

Die Stadt hat jetzt Vorschläge für die Attraktivierung ihrer Schwimmbäder präsentiert. Der Rat soll das Paket Anfang Juli beschließen. Schnell umgesetzt werden neue und längere Öffnungszeiten der Schwimmbäder. Auch das Wasser soll wärmer werden.

Freitag, 07.06.2019, 19:10 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 20:16 Uhr
Vorschläge für bessere Bäder: Länger geöffnet, wärmeres Wasser
Wasserrutsche in Freibad Stapelskotten Foto: Matthias Ahlke

Zu kurze und wenig einheitliche Öffnungszeiten, zu kaltes Wasser, zu wenig Service und Angebote für Familien: Die Kritik an den münsterischen Schwimmbädern war massiv – und nun hat die Stadt tatsächlich die Anregungen aufgegriffen und gelobt Besserung. Ab der nächsten Woche soll die entsprechende Verwaltungsvorlage unter dem Titel „Eine attraktive Bäderlandschaft für Münster“ in den Ratsgremien diskutiert werden, der Rat entscheidet am 3. Juli. Vorgeschlagen sind Änderungen, die teils sofort, teils im kommenden Jahr greifen sollen. Damit einhergeht ab 2020 eine Preiserhöhung für Jahres- Saison- und Bonuskarten.

Die wichtigsten, kurzfristig, also bis 2020 umsetzbaren Punkte im Einzelnen:

►  Öffnungszeiten: Die Hallenbäder Mitte, Ost, Hiltrup und Kinderhaus erweitern ihre Öffnungszeit für die Öffentlichkeit. Sie sollen künftig jeden Werktag zwischen 6.30 Und 8 Uhr sowie samstags und sonntags von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. Die Hallenbäder Roxel und Wolbeck sollen im Wesentlichen den Schulen dienen und nur noch samstags und sonntags von 8 bis 18 Uhr Besucher empfangen.

Ab 2020 erweitern die Freibäder Hiltrup und Stapelskotten während der achtwöchigen Hallenbäder-Schließzeit ihre Öffnungszeiten von Sonntag bis Mittwoch von 7 bis 20 Uhr, von Donnerstag bis Samstag von 7 bis 21.30 Uhr. Das Freibad Stapelskotten soll bereits in diesem Sommer während der Hallenbäderschließzeit täglich von 8 bis 20.30 Uhr geöffnet sein.

►  Wassertemperaturen: Die Wassertemperaturen in den Schwimmerbecken der Hallenbäder werden einheitlich von 27 auf 28 Grad angehoben. Nur im Ostbad, das eine Sole hat, bleibt die Temperatur bei 27 Grad. Der Warmbadetag in den einzelnen Bädern (29 Grad) entfällt. Auch in den Freibädern Hiltrup und Stapelskotten soll das Wasser mittelfristig mindestens 23 Grad warm sein, so wie schon jetzt in der Coburg. Der Einbau einer Luft-Wärmepumpe in Hiltrup und die Beheizungsmöglichkeit in Stapelskotten werden aber vorerst geprüft, ebenso wie die Schaffung von Beckenabdeckungen.

Kommentar: Ein guter Anfang und heiße Luft

Klagen über die Defizite der münsterischen Bäder sind langanhaltend und laut – ohne dass sich in den vergangenen Jahren viel änderte. Hallenbäder, die am Wochenende schon mitten am Nachmittag schließen, Freibäder, die jede Woche einen ganzen Vormittag lang wegen der Grundreinigung geschlossen sind – und in denen bei nicht ganz so heißem Wetter das Wasser viel zu kalt ist. Und so weiter und so weiter.

Dass die Stadt jetzt mit einer Vorlage auf viele der lange vorgetragenen Kritikpunkte eingeht, ist nach der endlosen Bäderdebatte schon beinahe eine Überraschung. Im Großen und Ganzen eine positive. Denn vieles von dem, was vorgeschlagen wird, wäre für alle, die in Münster gern schwimmen, eine echte Verbesserung. Kein Flickenteppich bei den Öffnungszeiten, mehr Einheitlichkeit und Verlässlichkeit.

Neben Direktmaßnahmen will die Stadt aber auch große Veränderungen prüfen – wie den Bau von Großrutschen im Stadtbad Mitte oder die Traglufthalle für den Winterbetrieb des Freibades Coburg. Solche Maßnahmen, nebenbei auch die kostspieligen Beckenabdeckungen und Heizanlagen für die Freibäder, kosten die Stadt neben den schon für die erweiterten Öffnungszeiten notwendigen Personalstellen viel Geld: laut Plan ab 2021 jedes Jahr 1,8 Millionen Euro zusätzlich. Zweifel sind erlaubt, dass die großen Umbaumaßnahmen eher in die Kategorie „heiße Luft“ einzuordnen sind.

Und noch ein Pferdefuß steckt in dem Konzept: Die Fachleute für die vielen Stellen, die die Stadt in ihrer Bäderabteilung zusätzlich besetzen muss, um das Angebot wie vorgeschlagen zu realisieren, müssen erst gefunden werden. Es ist bekannt, dass Fachangestellte für Schwimmbäder auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind.Der Wille zur Verbesserung des Angebots ist aber da. Und vor allem die neu strukturierten Öffnungszeiten sind ein guter Anfang. Karin Völker

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►  Service und Angebote: Im Ostbad wird die Kasse künftig mit einer Person besetzt. Die Stadt richtet in allen Bäder ein eigenen Angebot von Schwimmkursen und Aquafitnesskursen ein. In den Hallenbädern soll monatlich eine „Studinacht“ mit einer Öffnungszeit bis Mitternacht organisiert werden.

►  Personal und Reinigung: Künftig soll mit der Reinigung aller Bäder nur ein Unternehmen beauftragt werden, das außerhalb der Öffnungszeiten putzt. Die bisherigen Schließzeiten wegen Grundreinigung (so etwa im Freibad Hiltrup jeden Dienstagvormittag) sollen entfallen. Für die erweiterten Öffnungszeiten, den Service und den administrativen Bereich werden zusätzlich bis zu 28,5 Stellen benötigt.  

Das plant die Stadt außerdem

Mit den geplanten Maßnahmen wollen Sportdezernentin Cornelia Wilkens und die Bäderverwaltung die Wohlfühlqualität in Münsters Bädern verbessern. Diese seien technisch auf neuestem Stand. Jetzt rückt nach harscher Kritik in der Vergangenheit die Zufriedenheit der Besucher in den Vordergrund. Dabei soll – „so schnell es geht“, wie Wilkens sagt – auch eine Kundenbefragung durchgeführt werden. Dazu sei man mit den Sportwissenschaftlern der Universität im Gespräch.

Sollte der Rat den Vorschlägen umfänglich zustimmen, könnten allein die Personalkosten um bis zu 1,6 Millionen Euro im Jahr steigen. Dass es im Bereich der Bäder nicht schneller vorangegangen sei, verteidigte Wilkens unter Verweis auf vielfältige Projekte (Erwerb/Fernwärme Coburg, Konzept Bürgerbad, Sanierung Kinderhaus), die vergleichsweise mit anderen Städten kleine Bäderabteilung und in Erwartung des geplanten Eigenbetriebs. Die Planungen für eine Traglufthalle an der Coburg werden weiter vorangetrieben, geplant sind Deckenabdeckungen in allen Freibädern sowie der Einbau einer Wärmepumpe in Hiltrup. Dirk Anger

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