Tierheim Münster
Wenige Hunde, aber viele Problemfälle

Münster -

Im Tierheim Münster gibt es aktuell so wenig Hunde, wie selten. Und die untergebrachten Vierbeiner dürfen fast alle nicht vermittelt werden, weil es sich um beschlagnahmte Listenhunde handelt.

Samstag, 15.06.2019, 14:00 Uhr
Tierpflegerin Ellen Dreher mit einem Problemfall: Schäferhund „Darko“ ist schon seit Juni 2018 im Tierheim, keiner will ihn haben.
Tierpflegerin Ellen Dreher mit einem Problemfall: Schäferhund „Darko“ ist schon seit Juni 2018 im Tierheim, keiner will ihn haben. Foto: hpe

Keine kleinen Hunde, kaum Katzen, viele Zwinger stehen dauerhaft leer, und Senioren ab 65 bekommen überhaupt keinen Hund mehr. Cornelia Böckenholt, im Tierschutz aktive Münsteranerin, übt in einem Brief an diese Zeitung deutliche Kritik am Tierheim Dingstiege.

Sie ärgert sich auch, weil Hunde häufig allein im Zwinger stehen: „Wie würde es uns Menschen ergehen, wenn wir täglich viele Stunden ertragen müssten, in denen wir weder Musik hören, noch sprechen, telefonieren, kommunizieren oder nicht einmal aus dem Fenster schauen könnten?“ Und wenn es schon Leerstände gebe, so Böckenholt, sollten Hunde aus dem Ausland, wo das Elend der Tiere kaum ertragbar sei, aufgenommen werden.

Wenig Fundtiere

Andrea Neugebauer, Leiterin des Tierheims an der Dingstiege, kann die Kritik „schwer nachvollziehen“. Aktuell stehe nur einer von 23 Zwingern leer, einige Abteilungen im Hundehaus seien wegen Umbaumaßnahmen nicht besetzt. In den Zwingern selbst seien derzeit fast ausschließlich beschlagnahmte Listenhunde untergebracht, die weder vermittelt noch mit anderen Hunden vergesellschaftet werden dürften. Und leider auch „Langzeitbewohner“ wie Schäferfund „Darko“, der seit einem Jahr auf eine Vermittlung wartet.

Weil es „zum Glück wenig Fund- und Abgabetiere gibt“, stehen derzeit auch kaum Hunde zur Vermittlung an. Optisch könne man deshalb tatsächlich den Eindruck bekommen, wir wären recht leer“, so Neugebauer. Wegen des geringen Bestandes von rund 30 statt der früher üblichen 60 Hunde bietet das Tierheim momentan auch keine Ausführ-Spaziergänge für Hundefreunde an.

Ein eigenes Bild machen

Die Tierschutzvereins-Vorsitzende Doris Hoffe: „Der Zwingerbestand lässt es leider nicht zu, Tiere aus dem Ausland zu holen. Wir kooperieren eng mit anderen Heimen in der Region, und es ist durchaus üblich, Hunde zu übernehmen.“

An ältere Menschen würden „natürlich und gern“ Hunde oder Katzen vermittelt „Senioren haben ja oft viel Zeit und sie kümmern sich deshalb um so liebevoller um Tiere, die ebenfalls schon älter sind und es etwas ruhiger angehen lassen wollen“, so Hoffe.

Das Katzenhaus ist aktuell mit rund 40 Schnurrern besetzt, einige Räume stehen leer. Neugebauer rechnet Ende Juni mit vielen Jungkatzen, schon jetzt aber stünden ausreichend Samtpfoten zur Vermittlung parat. Hoffe: „Wir laden alle Kritiker ein, sich am 16. Juni selbst ein Bild von unserem Tierheim zu machen. Beim Familien-Sommerfest gibt es Führungen durch alle Häuser und Bereiche.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6690895?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker